Donnerstag, 29. September 2016

Falldiskussion

Alzheimer – leiden die Mitochondrien, altert der Kopf

Alzheimer – leiden die Mitochondrien, altert der Kopf

06.12.2011
Von: Elke Engels, Foto: wikipedia
Artikel Nummer: 18587
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Demenz - Das Gehirn vor oxidativem Stress schützen (Teil 1)

Demenz: Was weiß man über die Pathophysiologie der Krankheit? Und welche medikamentösen Therapieansätze gibt es derzeit?


Serie Demenz: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3


Aktuelle Erkenntnisse auf dem Gebiet der Liquor- und Biomarkerforschung waren ausschlaggebend für das „National Institute on Aging“ und die „Alzheimer Association“, um Mitte des Jahres die bisher gebräuchlichen Diagnosekriterien bei Alzheimer-Demenz zu überarbeiten. Die neuen Diagnose-Leitlinien berücksichtigen insbesondere die frühen Phasen der Alzheimer-Demenz. So können mithilfe von Biomarkern bereits präsymptomatische Phasen erkannt werden. Ziel ist eine möglichst frühe Diagnosestellung und eine früh einsetzende Therapie flächendeckend zu erreichen.

Hinter Alzheimer stecken viele Pathomechanismen

Wissenschaftler unterscheiden drei Phasen der Demenz:
Phase I ist die asymptomatische, präklinische Demenz,
Phase II die symptomatische Prä-Demenz (Mild Cognitive Impairment) und
Phase III die manifeste Alzheimer-Demenz (typisch, atypisch oder gemischt).

Vom Beginn der Phase I bis zur Phase III können bis zu 30 Jahre vergehen. Bei der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung greifen viele pathophysiologische Mechanismen ineinander, dementsprechend schwierig ist auch die Therapie. Neben den bekannten Hypothesen zu Amyloid-Stoffwechselstörungen, Tau-Proteinveränderungen, cholinergem Defizit, gestörter glutamaterger Neurotransmission spielen auch der oxidative Stress und die damit einhergehende mitochondriale Dysfunktion eine wesentliche pathologische Rolle.


So ergaben aktuelle Studien, dass oxidativer Stress eine der Ursachen für das Entstehen der neurofibrillären Tangles und senilen Plaques ist. Wodurch der oxidative Stress verursacht wird, ist noch nicht vollständig geklärt. Teilweise reagiert das Gehirn altersbedingt empfindlicher auf oxidative Noxen, z.B. aufgrund der nachlassenden antioxidativen Abwehrmechanismen.

Im Alter ist das Gehirn sensibler für Noxen

Als wichtige Konsequenz daraus kommt es zu Störungen des Energiestoffwechsels bzw. zu mitochondrialen Dysfunktionen. Die Reduktion des oxidativen Stresses und der mitochondriale Schutz könnten daher ein wichtiges Ziel in der Alzheimerprävention und -therapie sein. Für den Ginkgo-Extrakt EGb 761® wurden diesbezüglich positive Effekte nachgewiesen. Die mitochondriale Energieproduktion, die Neuroplastizität und die Neurotransmission können unter der Therapie mit dem standardisierten Ginkgo-Extrakt verbessert werden.


Professor Dr. Jürgen Kopitz von der Abteilung für Pathobiochemie der Universität Heidelberg fasst es so zusammen: „Eine Vielzahl von Studien deutet auf einen engen Zusammenhang zwischen nachlassender mitochondrialer Energieproduktion und der Hirnalterung hin. In Zellkultur-versuchen zeigt EGb 761® sowohl einen protektiven Effekt gegen oxidativen Stress als auch eine Steigerung der mitochondrialen Energieproduktion.“

Drei Ansätze zur Therapie


Derzeit sind zur Therapie bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz standardisierte Extrakte aus Ginkgo biloba und Acetylcholinesterasehemmer wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin verfügbar. Der NMDA-Antagonist Memantine ist bei der moderaten und schweren Form der Krankheit indiziert.

• Standardisierter Ginkgo-biloba-Extrakt wirkt neuroprotektiv und greift in bestimmte Pathomechanismen demenzieller Erkrankungen ein, beispielsweise die Amyloid-beta-Aggregation, die Störung der Mitochondrienfunktion und die Hypoperfusion. Die Wirkung des Ginkgo-biloba-Extraktes EGb 761® bei Alzheimer- und vaskulärer Demenz wurde randomisiert, kontrolliert und doppelblind untersucht.
Acetylcholinesterasehemmer bremsen den Abbau von Acetylcholin. Dadurch kann es nach 3-6 Monaten zu einer Stabilisierung der Symptome im kognitiven Bereich kommen. Auch weitere Symptome können verbessert werden, z.B. Antriebslosigkeit, Desinteresse, Depressivität oder auch Halluzinationen.
Memantine moduliert die bei Alzheimer-Demenz gestörte glutamaterge Neurotransmission. Unter pathologischen Bedingungen ist die Empfindlichkeit der NMDA-Rezeptoren für Glutamat durch die Anlagerung von beta-Amyloid-Oligomeren erhöht, was Einfluss auf die Lern- und Gedächtnisfunktion hat. Eintreffende Lernsignale können dann nicht mehr wahrgenommen werden.


Walter E. Müller et al., 
Mol Neurobiol 2010; 41:159-171,

Reisa A. Sperling et al., 
Alzheimer‘s Dement 2011; 7: 280-292,

Konstanze Plaschke et al.,
 J Neural Transm 2011; 118: 1247-1254,

S. Kasper, H. Schubert, 
Fortschr Neurol Psychiatr 2009; 77: 494-506,

DEGAM-Leitlinie Nr. 12: Demenz

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