Mittwoch, 23. Juli 2014

Falldiskussion

Milch Trinken trotz Laktasemangel

14.05.2012
Von: Christine Vetter, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17688
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Milch trinken trotz Laktosemangel (Teil 3)

Die Laktoseintoleranz verursacht einen erheblichen Leidensdruck. Aber mit der richtigen Beratung kann man die Milch in der Nahrung erhalten.


Praxisworkshop: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3

 

In Kooperation mit Omira Oberland-Milchverwertung GmbH, Ravensburg


Steckbrief: Patient mit „Milchallergie“

 

 

Aktuelle Beschwerden

  • 31-jähriger Taxifahrer berichtet über „Milchallergie“
  • unterwegs nur begrenzte Möglichkeiten, die Toilette aufzusuchen
  • wünscht antiallergische Behandlung
  • hoher Leidensdruck: Blähungen, Darmkrämpfe und Durchfälle


Anamnese und Diagnose

  • hat Milchprodukte noch nie besonders gut  vertragen,
  • immer wieder akute Beschwerden nach deren Verzehr ab dem Jugendalter
  • in jüngster Zeit haben verstärkte Probleme
  • die Diagnose „Laktoseintoleranz“ wurde mittels  H2-Atemtest gestellt


Therapie

  • laktosefreie Kost für vier bis sechs Wochen
  • danach schrittweise Austestung der individuellen Toleranzgrenze
  • Führen eines Ernährungstagebuchs
  • Empfehlung von laktosefreien Milchprodukten (z. B. Öffnet externen Link im aktuellen FensterMinusL)

  Unser Experte:

  Prof. Dr. Dr. Jürgen Stein,

  Gastroenterologe und
  Ernährungsmediziner,
  Universität Frankfurt


Rund zwölf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Laktoseintoleranz, bedingt durch einen Enzymmangel infolge verminderter Aktivität der Laktase im Darm. Zwei Formen sind zu unterscheiden: Der primäre Laktasemangel bei Erwachsenen, der auf einem Rückgang der Aktivität des Enzyms basiert, und der sekundäre Laktasemangel als Folge einer akuten oder chronischen gastrointestinalen Erkrankung mit Schädigung des Dünndarmepithels.

Welche Beschwerden treten bei Laktoseintoleranz auf?

Am häufigsten ist – wie auch im vorliegenden Fall – ein primärer Laktasemangel. Es ist der weltweit häufigste Enzymmangel. Er entsteht, wenn nach der Säuglingsphase die Laktaseaktivität nach und nach absinkt. Dieser Prozess ist physiologisch, da Milch evolutionsgeschichtlich wohl primär nur bei der Ernährung von Säuglingen bedeutsam war. Sinkt die Laktaseaktivität dabei unter einen kritischen Schwellenwert, so können Beschwerden auftreten. Zu den typischen Symptomen gehören ein Völlegefühl, Übelkeit und eventuell sogar Erbrechen sowie Leibschmerzen bis hin zu regelrechten Darmkrämpfen, Blähungen und Durchfall.

In Schwartzafrika und Asien sind fast alle Menschen betroffen

Die Laktoseintoleranz hat sich weltweit unterschiedlich entwickelt. Besonders häufig betroffen sind Schwarzafrikaner und Asiaten. Sie produzieren praktisch keine Laktase mehr, was erklärt, warum zum Beispiel asiatische Kost kaum Milchprodukte nutzt. In Europa liegt die Prävalenz des Laktasemangels bei 20 bis 25 % mit ausgeprägtem Nord-Süd-Gefälle.

Milch ist wichtigste Kalziumquelle

Nicht selten wird die Laktoseintoleranz dabei jedoch nicht erkannt oder sogar von den Betroffenen als „Milchallergie“ gedeutet. Es wird dann oft auf den Verzehr von Milch, Sahne, Quark und Co. verzichtet. Das aber ist nicht unproblematisch, da Milchprodukte in unseren Breitengraden eine wichtige Kalziumquelle darstellen.

Patienten mit Laktoseintoleranz wie der vorgestellte Taxifahrer brauchen deshalb eine Behandlung, die einerseits ihre Beschwerden lindert, ihnen andererseits aber die wertvollen Inhaltsstoffe der Milchprodukte nicht vorenthält.

Enzymersatz als Therapieoption bei Laktoseintoleranz

Möglich ist eine Enzymersatztherapie mit Laktasepräparaten in Tabletten- oder Tropfenform, die vor einer Mahlzeit eingenommen oder unter die Speise gemischt werden. Die Enzymtabletten wirken aber nicht bei allen Betroffenen zuverlässig und sind damit oft nicht alltagstauglich.

Laktosefreie Produkte verzehren

Eine laktosearme Ernährung gelingt weit besser durch den Verzehr laktosefreier Produkte wie MinusL. Sie bestehen aus Kuhmilch, wobei die Laktose durch ein spezielles Verfahren zu Glukose und Galaktose hydrolysiert wurde und somit bei Laktasemangel gut resorbierbar ist.

 

 

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