Donnerstag, 25. August 2016

Falldiskussion

Dr. Hermann A. Trauth ist als Internist, Pneumologe und Allergologe in Marburg niedergelassen.

Dr. Hermann Trauth, niedergelassener Internist, Pneumologe und Allergologe

07.07.2011
Von: Dr. Angelika Bischoff
Artikel Nummer: 17809
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PDE-4-Hemmer: Große Chance für COPD-Patienten

Verengte Atmewege und chronische Entzündung bestimmen das Leben von COPD-Patienten. Wie kann man die Lebensqualität wieder verbessern, Dr. Trauth?


Was sind die wichtigsten Ziele der COPD-Therapie?

Dr. Trauth: Ziel Nummer eins ist die Bronchodilatation. Sie verbessert die Ventilation und verschafft dem Erkrankten in der Regel eine wesentliche Linderung seiner Symptome. Das heißt, die quälende Luftnot, der Husten und auch der Auswurf nehmen ab. Durch die Zunahme der Ventilation verbessert sich außerdem auch die Funktion der Atemmuskulatur. Unter dem Strich resultiert für den Patienten ein Gewinn an Lebensqualität.


Ziel Nummer zwei ist es, die der COPD zugrunde liegende charakteristische Entzündung zu bremsen und vielleicht sogar zu stoppen. Damit nimmt sowohl die Zahl als auch der Schweregrad von Exazerbationen ab. Kurz gesagt: Die Entzündungshemmung vermindert das Risiko, dass aus einem Schwelbrand ein Großfeuer wird.

Mit welchen Mitteln lassen sich diese Ziele erreichen?

Dr. Trauth: Um das erste Ziel zu erreichen, setzen wir lang wirkende Bronchodilatatoren und/oder Anticholinergika ein. Um die Entzündung zu hemmen und damit auch die Progression der Erkrankung zu verlangsamen, also für das zweite Ziel, bietet sich vor allem der Einsatz eines PDE-4-Hemmers an. Mit Roflumilast steht seit einigen Monaten der erste Vertreter dieser neuen Wirkstoffklasse für die Therapie der COPD zur Verfügung.

Warum fehlen Kortikosteroide als Entzündungshemmer in dieser Liste?

Dr. Trauth: Roflumilast ist zurzeit die einzige Substanz, die genau die für die COPD typische, durch neutrophile Granulozyten, CD8-Lymphozyten und Makrophagen charakterisierte Entzündung hemmen kann. Kortikoide sind dagegen bei der COPD-typischen Entzündung nur sehr begrenzt wirksam. Mit Kortikosteroiden bekommt sozusagen die Feuerwehr nicht das richtige Löschmittel in die Hand.

Wie schätzen Sie die neue Substanz ein? Und was ist beim Einsatz von Roflumilast zu beachten?

Dr. Trauth: Roflumilast bedeutet einen großen Schritt in der Therapie der COPD und ist eine Riesen-Chance für die Betroffenen. Wichtig ist, dass der Patient über den Hintergrund der Erkrankung, also die Entzündung, und über das Behandlungsziel, den Stopp der Progression, informiert wird. Er muss auch wissen, dass zu Beginn der Therapie mit Roflumilast teilweise Nebenwirkungen, wie Durchfall, breiige Stühle, Bauchrumpeln, auftreten können, die sich aber in der Regel nach drei Tagen bis drei Wochen weitgehend verlieren.


Auch das Körpergewicht nimmt meist ab, was aber nicht mit einer Schwächung des körperlichen Leistungsvermögens einhergeht. Die Gewichtsabnahme ist reversibel. Ein Diabetes lässt sich unter einer Therapie mit Roflumilast oft besser einstellen. Ich lasse den Patienten nach eingehender Information immer mit über die Therapie entscheiden und biete ihm an, uns jederzeit anzurufen, wenn ein Problem oder auch nur eine Frage auftaucht.

Welche supportiven Maßnahmen halten Sie – abgesehen von einer medikamentösen Therapie – bei der Betreuung von COPD-Patienten für wichtig?

Dr. Trauth: Nummer eins: Weg von der Zigarette!
Ansonsten ist Bewegung sehr wichtig, um die Muskelkraft zu erhalten. Viel bringt es bereits, überall dort, wo man im Alltag zu Bequemlichkeit neigt, die unbequemere Alternative zu wählen, z.B. Treppen zu steigen, statt Aufzug oder Rolltreppe zu benutzen. Zu empfehlen ist auch die Teilnahme an einer Lungensportgruppe.

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