Dienstag, 27. September 2016

Fokus Medizin

Potential Ätherischer Öle in der Therapie unterschätzt?

Potential Ätherischer Öle in der Therapie unterschätzt?

03.03.2015
Von: Dr. Dorothea Ranft; Foto: Fotolia monropic
Artikel Nummer: 23262
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Ätherische Öle: vernachlässigte Wundermittel?

Viele ätherische Öle haben in Studien eine starke antibakterielle Wirksamkeit gezeigt. Sie können Antibiotika zwar nicht ersetzen, aber bei Hautinfektionen, schlecht heilenden Wunden oder fötiden Tumor-Ulzerationen lohnt sich ein Therapieversuch.


Die antimykotischen und antiviralen Eigenschaften ätherischer Öle werden in der Medizin schon länger genutzt – etwa zur Lokaltherapie von Fußpilz oder Lippenherpes. Aber auch die antibakterielle Wirkung ist nicht zu unterschätzen. Einen besonders ausgeprägten Effekt gegen die Erreger von Haut- und Magen-Darm-Infektionen bescheinigen In-vitro-Studien Gewürznelken- und Zimtöl – gefolgt von Pfefferminz-, Teebaum- und Rosmarinöl.

Der Wirkmechanismus ist noch nicht lückenlos geklärt, die besten Daten liegen zu E. coli und Staph. aureus vor. Man vermutet, dass die ätherischen Öle gleich mehrere lebenswichtige Strukturen der Bakterien hemmen. Dieser Multi-Target-Effekt scheint die Resistenzbildung deutlich zu erschweren, schreibt Professor Dr. Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg.

Teebaumöl ähnlich wirksam wie Penicillin

Für Teebaumöl ist nachgewiesen, dass es bei E. coli ähnliche morphologische Veränderungen auslöst wie Penicillin. Das ätherische Öl schwächt die Integrität der bakteriellen Zytoplasmamembran und stört Transportproteine, Zellatmung und Energiehaushalt der Darmkeime. Ähnliche Effekte vermuten Forscher auch bei anderen Ölen.

Selbst im Biofilm sind Bakterien offenbar nicht sicher vor ätherischen Essenzen: Staph. aureus und andere Keime hüllen sich z.B. auf Katheteroberflächen gern in eine Polysaccharidmatrix und trotzen so selbst dem Tausendfachen der sonst wirksamen Antibiotika-Konzentration. Auch dem körpereigenen Immunsystem lassen die versteckten Erreger keine Chance. 1%iges Teebaumöl dagegen vermag einer Studie zufolge 99 % der gepanzerten Staphylokokken innerhalb von 15 Minuten abzutöten. Dabei zeigte sich MRSA ähnlich sensibel wie nicht resistente Stämme.

MRSA-Filme mit Teebaumöl beseitigen

Der Grund für die nachhaltige Wirkung: Das ätherische Öl zerstört die fibrillären Strukturen des Biofilms. Möglicherweise lässt sich dieser Mechanismus auch zur Therapie chronischer Infektionen (z.B. Otitis media, Tonsillitis, Prostatitis) nutzen, die durch Biofilme unterhalten werden, ergänzt Professor Dr. Claus M. Passreiter, Institut für Pharmazeutische Biologie und Biotechnologie, Universität Düsseldorf. Zur Karies- und Parodontitis-Prophylaxe eignen sich ölhaltige Mundspülungen. Mit ihnen lassen sich die Biofilme auf der Zahnoberfläche zerstören.

Lassen sich auch MRSA-Träger mit Teebaumöl (TTO) dekolonisieren? Eine Studie mit 224 Betroffenen verglich TTO (10%ige Creme, 5%ige Waschlösung) mit der Standardtherapie Mupirocin, schreibt Prof. Reichling. Dabei zeigte sich das topische Antibiotikum im Nasenbereich klar überlegen (78 vs. 47 % MRSA-freie Patienten nach 14 Tagen). An der Haut hingegen führte TTO gegenüber dem Antiseptikum Chlorhexidingluconat (53 vs. 40 % MRSA-frei). Somit kann Teebaumöl zwar die Mupirocin-Nasencreme nicht ersetzen, aber als adjuvante Behandlung die MRSA-Übertragung mittels Hautkontakt minimieren.

antientzündlicher Effekt bei Ulzerationen nutzen

Sinnvoll erscheint der Einsatz ätherischer Öle auch bei fötiden Krebsgeschwüren – so das Ergebnis einer Studie an 30 Patienten mit superinfiziertem, inoperablem Kopf- und Nackenkarzinom. Mehrmals täglich wurden die malignen Ulzera mit einer äthanolhaltigen Mischung von sechs Ölen* gespült. Die Therapie hatte einen ausgeprägten antientzündlichen Effekt und verhinderte die sozial isolierende Geruchsbildung. Als Nebenwirkung wurde lediglich ein kurzes Brennen bei der Applikation geschildert.

Einzelfallstudien sprechen zudem für eine ausgeprägte Wirkung ätherischer Öle bei unkomplizierten Haut- und Schleimhautinfektionen – sowie bei superinfizierten schlecht heilenden Wunden (inkl. MRSA). Im Übrigen sind auch ätherische Öle Arzneimittel und nicht für den Dauergebrauch bestimmt, erinnert Prof. Reichling, zur Therapie sollte man nur Öle mit geprüfter Qualität verwenden.


Quellen: 1. Jürgen Reichling, Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35: 161-166
2. Claus M. Passreiter; a.a.O.: 167-171

*KielMix-PT70® mit Eukalyptus, Teebaum, Lemongras, Zitrone, Gewürznelke, Thymian

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte

 Allergie   Asthma   COPD   Demenz   Depression   Diabetes   Herz   Herzinfarkt   Herzinsuffizienz   Hypertonie   Infektion   KHK   Krebs   Leitlinie   Rheuma   Schlaganfall   Schmerz   Sex   Sport   Therapie