Samstag, 20. Dezember 2014

Fokus Medizin

DGIM 2012 - Bechterew: NSAR bleiben erste Wahl

Mit NSAR der Bambusstabwirbelsäule beim Bechterew verhindern.

26.06.2012
Von: Dr. Dorothea Ranft, Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 19403
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Bechterew: Bambusstabwirbelsäule mit NSAR verhindern

Ankylosierung bei M. Bechterew können mit NSAR aufgehalten werden. Biologika sind nicht wirksam.


Die Spondylarthriden, zu denen auch die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) zählt, haben eine gemeinsame genetische Basis und treten familiär gehäuft auf, viele Patienten sind HLA-B27 positiv.

Bei ankylosierender Spondylitis sind Syndesmophyten häufig zu finden

Als Oligoarthritiden befallen sie das Stammskelett und lösen Entzündungen der Sehnenansätze (Enthesitis) aus, erklärte Professor Dr. Ulf Wagner, Arbeitsgruppenleiter Rheumatologie im Universitätsklinikum Leipzig, beim Internistenkongress. Im Röntgenbild findet man bei der ankylosierenden Spondylitis neben Zeichen der Entzündung wie der glänzenden Ecke (Spondylitis anterior) oder der Spondylodiszitis auch solche vom nichtentzündlichen Typ, unter denen die Syndesmophyten am bekanntesten sind.

Bambusstabwirbelsäule mit NSAR verhindern!

Im Spätstadium kann die Verknöcherung bis zur Bambusstabwirbelsäule fortschreiten. Wichtig für die Therapie des M. Bechterew ist, dass Entzündung und knöcherner Umbau anscheinend unabhängig voneinander ablaufen können. So fiel bereits im Mausmodell auf, dass Glukokortikoide zwar die Inflammation, nicht aber die Ankylosierung bremsten.


In ähnliche Richtung deutet eine Pilotstudie zur bildgebenden Diagnostik beim M. Bechterew: Bestimmte Läsionen wurden im PET-CT nur mit Fluorid dargestellt, das den Knochenumbau sichtbar macht, nicht aber mit dem „Entzündungsmarker“ FDG.


TNF-alpha-Blocker haben sich in klinischen Studien zur ankylosierenden Spondylitis als hochwirksam erwiesen, unterstrich Prof. Wagner. Bereits im Frühstadium, wenn noch keine radiologischen Veränderungen erkennbar sind, vermögen diese Substanzen die Krankheitsaktivität deutlich zurückzudrängen.

M. Bechterew: Patienten mit hoher Krankheitsaktivität profitieren von Infliximab

Auch für spätere Stadien belegt eine Reihe von Studien den Effekt der TNF-Blocker. Doch wie steht es mit der radiologischen Progression? Hier zeigte sich in einer Studie mit Infliximab zunächst kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe. Allerdings profitierten Patienten mit hoher Krankheitsaktivität und früh nachweisbaren Syndesmophyten.


Der TNF-Blocker vermag also die Verknöcherung aufzuhalten, kann sie aber nicht komplett stoppen. Umso wichtiger sind nach Meinung des Referenten die Ergebnisse einer kürzlich publizierten Studie zum Einfluss von NSAR. Aufgrund des deutschen Spondyloarthritisregisters wurden 164 Patienten ausgewählt, 88 mit ankylosierender Spondylitis und 76 mit nicht radiologisch erkennbarer Spondyloarthritis.

Weniger radiologische Progression bei hohem NSAR-Konsum

Von allen lagen neben Informationen zur NSAR-Einnahme Röntgenaufnahmen zu Beginn und nach zwei Jahren Follow-up vor. Bei der Auswertung zeigte sich, dass Patienten mit hohem NSAR-Konsum im Vergleich zu niedrigem ein wesentlich geringeres Risiko für eine bedeutsame radiologische Progression aufwiesen (OR 0,15 für eine Verschlechterung um mindestens zwei Punkte im mSASSS*).


Am meisten profitierten Patienten, die bereits zu Beginn der Studie Syndesmophyten und ein erhöhtes CRP aufwiesen. Bei der Spondyloarthritis ohne Röntgenzeichen hatten die Antiphlogistika dagegen keinen Einfluss auf die Progression.

M. Bechterew - Tocilizumab zeigt keine Wirkung 

Für einen spezifischen Effekt der NSAR auf die Verknöcherung sprechen auch die Ergebnisse weiterer Studien mit Celecoxib (200 mg/d). Als Konsequenz sollte man überlegen, ob auch Patienten, die unter TNF-Blockern relativ beschwerdefrei sind, vielleicht doch zusätzlich eine Dauertherapie mit NSAR erhalten sollten, meinte der Referent. Hoffnungen, dass andere Biologika, wie etwa der IL-6-Rezeptorantikörper Tocilizumab, bei Bechterew wirken könnten, haben sich bisher nicht erfüllt.


*modified-stoke ankylosing spondylitis spinal score

 

Quelle: 118. Internistenkongress

 

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