Donnerstag, 28. Juli 2016

Fokus Medizin

Mit Bewegung und Rauchstopp wieder mehr Luft trotz COPD.

Mit Bewegung und Rauchstopp wieder mehr Luft trotz COPD.

22.06.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19511
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

COPD-Patienten zum Training motivieren!

Körperliches Training bei COPD ist einsame Spitze. Wer COPD-Patienten nicht dazu motiviert, begeht ein Versäumnis, so ein Experte.


Die körperliche Leistungsfähigkeit steigt, ebenso Kraft und Ausdauer von Arm- und Beinmuskulatur. Die Atemnot nimmt ab, Angst und Depression schwinden, die Lebensqualität bessert sich und es resultieren sogar Überlebensvorteile: Gäbe es eine Pille, die all diese Effekte bei COPD-Kranken erreicht, sie wäre ein Kassenschlager, meinte Dr. Klaus Kenn von der Schön Klinik Berchtesgadener Land, Schönau am Königssee: Dieses Wundermittel heißt „Bewegung“.

Bewegung für Lunge, Herz und Geist

Der Alltag eines Patienten mit fortgeschrittener COPD beinhaltet in der Regel nur wenige Minuten des nicht vermeidbaren Bewegens, klarer ausgedrückt: den Gang vom Sessel zur Toilette und zurück. „Lässt sich daran wirklich gar nichts ändern?“, fragte der Referent beim Internistenkongress provokativ.


Auf die verkümmerten Parameter der Muskelfunktion kann man sehr wohl Einfluss nehmen, die Kapazität verbessern und die Sechs-Minuten-Gehstrecke steigern. Es gilt, die alltagsrelevanten Muskelfunktionen wiederherzustellen, z.B. durch Training des Quadrizeps femoris, „den braucht man unbedingt zum Aufstehen“. Erwiesenermaßen bessert die Bewegungstherapie zudem kardiovaskuläre und psychische Faktoren. Damit wird die Bewegungstherapie zum Eckpfeiler pneumologischer Reha, unterstrich Dr. Kenn.


Früher hat man Patienten mit schwerer Exazerabation ins Bett gelegt, heute heißt es: Aufs Fahrrad! Das Training beginnt am besten schon im Akutkrankenhaus.


Zur erfolgreichen COPD-Rehabilitation gehört auch die Atemtherapie.  

Fotos: Prof. Michael Pfeifer, Regensburg


Dies gilt selbst bei schwerer Exazerbation, „diese Patienten haben wir früher nur ins Bett gelegt.“ Dass bei diesen Patienten durch Quadrizepstraining ein besserer Verlauf zu erzielen ist, wurde aber mittlerweile belegt. „Die Rehabilitation soll so früh wie möglich beginnen, sprich schon auf der Intensivstation.“

COPD: Rauchentwöhnung lohnt in jedem Stadium

Eine Cochrane Analyse (neun randomisierte Studien mit insgesamt 432 Patienten) attestiert der Rehabilitation nach Exazerbation eine beeindruckende Senkung der Rehospitalisierungsrate: Es ergab sich eine NNT (Number needed to Treat) von vier für die Rehospitalisierung und von sechs, um Vorteile bezüglich der Mortalität zu erzielen. „Das sind dramatische Resultate“.


Der Eckpfeiler Nr. 2 heißt Raucherentwöhnung. Als vielversprechendes Konzept nannte Dr. Kenn einen Algorithmus, der aus Rauch-Gewohnheiten das Lungenalter berechnet. Offenbar schockt es einen 50-Jährigen, wenn er erfährt, dass seine Lunge bereits 71 Jahre alt ist. In einer Studie erzielte das Lungenalter-Konzept verbesserte Abstinenzraten (nach einem Jahr 13,6 vs. 6,4 % in der Kontroll-Gruppe).

Rauchstopp, Bewegung und optimale medikamentöse Therapie bei der COPD

Rauchstopp lohnt sich in jedem COPD-Stadium: Innerhalb von 30 Tagen lässt die Luftnot beim Treppensteigen sowie das Giemen hochsignifikant nach, auf längere Sicht sinkt auch die Hospitalisationsrate. Der Aufwand ist allerdings beträchtlich: Bei reiner Schulung liegt die NNT > 25, mit Nikotinersatz bei 20, und unterstützt von Bupropion bzw. Vareniclin bei 15 bzw. 8.


Der Preis fürs gerettete Lebensjahr durch Raucherentwöhnung liegt allerdings mit 400 bis 8000 Euro vergleichsweise günstig, wenn man bedenkt, dass dieses Jahr beim Mammographie-Screening 50 000 Euro und bei moderner Krebstherapie bis zu 600 000 Euro kostet.


In der Diskussion tauchte die Frage nach der „Anti-Nikotin-Impfung“ auf. In Tierexperimenten hat man mit diesem Ansatz beeindruckende Resultate erzielt, die Daten beim Menschen fielen nicht ganz so günstig aus, da müsse man noch abwarten, so die Antwort von Dr. Kenn.


In der Zusammenfassung bezeichnete der Referent das Training zusätzlich zur optimalen medikamentösen Therapie als hocheffektive Therapieoption bei COPD. Er bedauerte allerdings, dass dafür in Deutschland noch kein flächendeckendes Angebot existiert. Noch herauszufinden bleiben der optimale Trainingsmodus, das optimale Konzept (ambulant oder stationär) sowie die besten Strategien bei verschiedenen Schweregraden der COPD.

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte

 Allergie   Asthma   COPD   Demenz   Depression   Diabetes   Herz   Herzinfarkt   Herzinsuffizienz   Hypertonie   Infektion   KHK   Krebs   Leitlinie   Rheuma   Schlaganfall   Schmerz   Sex   Sport   Therapie