Mittwoch, 22. Oktober 2014

Fokus Medizin

Hypertonie mit 18 Jahren, Herzinfarkt mit 55 Jahren?

Hypertonie: Vorbeugen in der Jugend ist sinnvoll.

31.05.2012
Von: Dr. Elisabeth Nolde, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19393
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DGIM 2012 - Hypertonie mit 18, Herzinfarkt mit 55 Jahren?

Der Blutdruck von jungen Menschen und dessen prognostische Bedeutung wird immer klarer. Was sind die optimalen Zieldruckwerte für Herz und Hirn?


Mit 18 hyperton, mit 55 kardiovaskulär gefährdet: Bluthochdruck ist schon in jungen Jahren prädiktiv für das Auftreten einer KHK. So lautet das Resultat einer Studie mit einem großen Kollektiv von Harvard-Studenten.

Kardiovaskuläre Mortalität hoch bei Hypertonie in jungen Jahren

Zu Beginn ihrer Ausbildung dokumentierte man die Blutdruckwerte von etwa 20 000 Probanden. 40 Jahre später unterzogen sich die Studenten von einst entsprechenden Kontrollen. Bluthochdruck in jungen Jahren korrelierte eng mit der kardiovaskulären Mortalität: Das relative Risiko (RR) lag bei 1,89, wenn die Druckwerte > 160/100 mmHg betragen hatten, bzw. 1,46 bei Werten von 140–159/90–99 mmHg. Dies berichtete Professor Dr. Joachim Schrader von der Medizinischen Klinik des St.-Josefs-Hospitals in Cloppenburg auf dem Internistenkongress.


Für den Schlaganfall zeigte diese Korrelation keine Signifikanz, ergänzte der Experte auf dem vom Unternehmen Servier unterstützten Symposium des Arbeitskreises „Hypertonie“ im BDI. In die gleiche Richtung zielte eine weitere Studie. Deren Daten belegen, dass es sich prognostisch lohnt, den Blutdruck im mittleren Lebensalter in den Normbereich zu steuern.

Blutdruckeinstellung: 120/80 mmHg als günstigster Wert bewiesen

Für dieses „Cardiovascular Lifetime Risk Pooling Project“ mit 14-jährigem „Follow-up“ konnten die Forscher über 61 000 Teilnehmer gewinnen. Zu Studienbeginn waren die Probanden 45 Jahre alt. Bei 30 % der männlichen Teilnehmer stellte man vor dem 55. Lebensjahr eine Hypertonie fest, die Frauen kamen auf eine Rate von 40 %. Für dieses „hypertone Kollektiv“ lag das kardiovaskuläre Risiko im Bereich von 42–69 %, so Prof. Schrader.


Deutlich weniger gefährdet waren Studienteilnehmer mit normalen Druckwerten, am günstigsten fuhren Patienten mit Werten unter 120/80 mmHg. Somit scheint die Entwicklung und Dauer einer Hypertonie bereits im mittleren Lebensalter prädiktiv zu sein, fasste der Experte zusammen.

Fitness ist auch bei Übergewichtigen kardioprotektiv!

Und was können Übergewichtige tun, um ihr Herzrisiko im Zaum zu halten? Kann möglicherweise „Fitness“ die negativen Folgen von „Fatness“ verhindern? Dieser Frage ging man in der „Aerobic Center Longitudinal Study“ nach. Die Antwort: Ja, fit zu bleiben, ist in jeder Gewichtsklasse kardiovaskulär protektiv – auch bei Übergewicht.

 

Das Fazit der Studie lautete insgesamt:

  • Nicht die Ausgangswerte, sondern die Veränderung von „Fit or Fat“ im Verlauf bestimmen das kardiovaskuläre Risiko.

  • Ein Verlust an Fitness erhöht das Risiko unabhängig vom Gewicht.

  • Fitness schwächt das kardiovaskuläre Risiko einer Gewichtszunahme ab – wenn jemand an Gewicht zulegt, sollte er wenigstens versuchen, fitter zu werden.

  • Solange Fitness und Fatness erhalten bleiben, steigt das kardiovaskuläre Risiko nicht wesentlich, denn die Fitness kann einiges „antagonisieren“. 130–135 mmHg systolisch für Diabetiker optimal


Doch nicht nur die frühe Prävention möglicher Folgeschäden einer Hypertonie, auch die Blutdruckzielwerte werden derzeit intensiv diskutiert. Mehrere Studien zeigten, dass eine tiefe Drucksenkung mit Nebenwirkungen wie Hypotension, Hyperkaliämien, Niereninsuffizienz und Abfall der glomerulären Filtrationsrate erkauft wird.


In zwei Metaanalysen stand antihypertensive Therapie bei Diabetikern auf dem Prüfstand. Im Vergleich zur weniger straffen Kontrolle führte die intensive Drucksenkung zwar zur signifikanten Reduktion der Schlaganfallrate, nicht aber des Herzinfarkrisikos, und sie war mit deutlich mehr Nebenwirkungen verbunden.

Zu niedriger Blutdurck ist auch schädlich!

Den Daten zufolge schien bei Diabetikern ein systolischer Blutdruck von 130–135 mmHg optimal zu sein. Nur für Patienten mit hohem Schlaganfallrisiko wurden in der Metaanalyse Werte unter 120/80 mmHg als sinnvoll erachtet.


Doch in weiteren Studien stellte sich schließlich heraus, dass in der Sekundärprävention des Schlaganfalls eine Druckabsenkung unter 120 mmHg sogar schädlich ist. Inzwischen hat die Arbeitsgruppe der Deutschen Hochdruckliga „Schlaganfall“ die Zielblutdruckwerte für eine antihypertensive Therapie nach Schlaganfall vorgelegt (s. Kasten).


Zieldruckwerte nach Schlaganfall Beginn der Therapie:

  • grundsätzlich bei einer Hypertonie in der Anamnese

  • immer bei Werten über 140/90 mmHg (nach Abschluss der Akutbehandlung)
     
  • bei 130–140/80–90 mmHg: fehlende Kontraindikation bzw. Komorbidität

  • Langzeitblutdruckmessung zwei Wochen nach Schlaganfall Ziel der Therapie:

  • mindestens < 140/90 mmHg (v.a. in den ersten 3–6 Monaten nach Schlaganfall)

  • optimal nach 3–6 Monaten < 130/80 Hg

  • Therapiekorridor: 120–140 zu 70–90 mmHg (Komorbiditäten, Nebenwirkungen)

  • RR < 120 mmHg systolisch unbedingt vermeiden

  • Langzeit-RR-Kontrolle zur Therapieüberwachung



Quelle: gemäß der Arbeitsgruppe der Deutschen Hochdruckliga „Schlaganfall“

 

 

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