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Donnerstag, 20. Juni 2013

Fokus Medizin

DGIM 2012 - Krankenhauspersonal impfen schützt auch Patienten!

Impfen! Todesfälle durch Masern verhindern.

21.04.2012
Von: Birgit Maronde, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19245
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DGIM 2012 - Krankenhauspersonal impfen schützt auch Patienten!

Medizinisches Personal ist häufig nur unzureichend vor Masern, Mumps oder Influenza geimpft und wird zur Gefahr für Patienten.


Bei den Masern gibt es ein erhebliches Problem auch im Gesundheitswesen. Dort Beschäftigte haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein 2- bis 19-fach erhöhtes Risiko, an Masern zu erkranken und dann auch andere anzustecken, berichtete Privatdozentin Dr. Sabine Wicker vom Betriebsärztlichen Dienst des Universitätsklinikums Frankfurt am Main auf dem Internistenkongress.

Masernimmunität: Bei einem Viertel des medizinischen Personals nicht ausreichend

Kommt es zu einem nosokomialen Ausbruch, so wird es richtig teuer. In den USA kostete ein Ausbruch mit 14 Patienten umgerechnet 600 000 Euro. Mehr als 8000 Kontaktpersonen wurden im Rahmen dieses Ausbruchs untersucht, knapp 60 % davon waren Patienten. Bei etwa 35 % handelte es sich um Beschäftigte im medizinischen Bereich. Von diesen hatte ein Viertel keine ausreichende Masernimmunität.


Um etwaige Infektionsketten zu unterbrechen, wurden sie von Tag 5 bis 21 von ihrer beruflichen Tätigkeit freigestellt. Dadurch kam es insgesamt zu 15 120 Ausfallstunden bzw. 1890 verlorenen Arbeitstagen. Ebenfalls aus den USA wird ein Ausbruch in einer Notaufnahme berichtet.

Masern - Keine Immunität trotz Impfung?

Ein an Masern erkranktes Kind steckte vier Patienten, die zum gleichen Zeitpunkt in der Notaufnahme waren, und auch einen Arzt an. Der Kollege wies trotz dreier erfolgter Masernimpfungen keine Immunität auf.


Wie ist die Situation in Deutschland? Am Frankfurter Universitätsklinikum haben Dr. Wicker und Kollegen 2010 die Masern-Impfraten der Medizinstudenten ermittelt, die gerade das Physikum abgelegt hatten. Nur knapp 62 % wiesen zwei oder mehr Impfungen auf. Das heißt, mehr als ein Drittel war nicht ausreichend gegen Masern geimpft. Und nur gut 80 % der „ausreichend“ geimpften waren serologischen Tests zufolge tatsächlich immun.

Masernexanthem als Arzneimittelexanthem verkannt

„Frankfurt dürfte da nicht schlechter sein als der Rest der Bundesrepublik“, meinte Dr. Wicker. Es wundere deshalb nicht, dass es immer wieder zu nosokomialen Ausbrüchen komme. Zwei masernbedingte Todesfälle gab es letztes Jahr in Deutschland: Bei dem einen handelte es sich um einen 26-jährigen onkologischen Patienten, bei dem man das Masernexanthem zunächst als Arzneimittelexanthem gewertet hatte.


In der Klinik steckte der Mann seinen im gleichen Zimmer liegenden Mitpatienten an, außerdem zwei Pflegekräfte und den onkologischen Oberarzt. Auch er war nicht gegen Masern geimpft – ein Unding.

Noch nicht geimpfter Säugling stirbt an Panenzephalitis

Der zweite Masern-Todesfall betraf ein Mädchen, das sich als noch nicht geimpfter Säugling in der Kinderarztpraxis mit Masern infiziert hatte. Es starb 2011 an einer Panenzephalitis.


Insgesamt gab es im letzten Jahr 1600 Fälle von Masern – 2010 waren es 780. Im Jahr 2012 ist es noch „verhältnismäßig ruhig“, meinte die Kollegin. Im ersten Quartal wurden nur 29 Fälle gemeldet. Seit August 2010 hat die STIKO ihre Empfehlungen zur Masernimpfung erweitert.

Masernimpfung: Durchimpfung von 95 Prozent wird angestrebt

Mit dem MMR-Impfstoff immunisiert werden sollen seitdem auch alle Menschen, die nach 1970 geboren sind und entweder bisher nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft sind oder deren Impfstatus unklar ist. Angestrebt wird eine Durchimpfungsrate von über 95 % für beide Masernimpfungen, um das WHO-Ziel für 2015 – die Elimination der Masern – zu erreichen.


Schaut man sich allerdings die Schuleingangsuntersuchungen an, so findet man bisher nur Durchimpfungsraten von 89 % für Masern. Seit 2009 sind bereits die Empfehlungen zur Pertussis-Impfung geändert: Erwachsene der Normalbevölkerung sollen einmalig bei der nächsten fälligen Td-Auffrischung gleichzeitig gegen Keuchhusten immunisert werden, sofern sie in den letzten zehn Jahren keine Pertussisimpfung erhalten haben.

Zahl der Mumpsausbrüche steigt, neue Impfempfehlung in Planung

Medizinisches Personal soll dagegen unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Td-Gabe Tdap erhalten. Da es in den letzten ein bis zwei Jahren immer wieder auch zu Mumpsausbrüchen z.B. in Schulen oder an Universitäten gekommen ist, wird die STIKO wahrscheinlich noch in diesem Jahr ihre Empfehlungen zur Mumps-Impfung verändern und sie analog zu den Masern-Impfempfehlungen formulieren.


Das heißt, gegen Mumps sollen wiederum alle Menschen, die nach 1970 geboren wurden, immunisiert werden, wenn ihr Impfstatus unbekannt ist oder sie nur einmal geimpft wurden. Mangels monovalentem Impfstoff soll mit dem Kombinationsimpfstoff (MMR) geimpft werden.

Hepatitis-B-Impfempfehlungen müssen geändert werden

Eine postexpositionelle Impfung ist innerhalb von drei Tagen durchzuführen. Vorraussichtlich werden sich dieses Jahr auch die Empfehlungen für die Postexpositionsprophylaxe bei Hepatitis B ändern, da sie in ihrer jetzigen Form unlogisch sind, berichtete Dr. Wicker.


Zwar geht die STIKO davon aus, dass eine Hepatitis-B-Impfung, bei der nach der Grundimmunisierung Titer von mindestens 100 IU/l ereicht wurden, zehn Jahre lang hält. Zur Postexpositionsprophylaxe rät die Kommission bislang aber bereits, wenn die Impfung mehr als fünf Jahre zurückliegt. 

 

Quelle: 118. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin

 

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