Samstag, 19. April 2014

Fokus Medizin

Leitlinien zum Vorhofflimmern wurden von der ESC aktualisiert.

Leitlinien zum Vorhofflimmern wurden von der ESC aktualisiert.

10.11.2012
Von: Manuela Arand, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 20123
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Neue ESC-Leitlinie zum Vorhofflimmern

Die European Society for Cardiology hat ihre Leitlinie zum Vorhofflimmern aktualisiert. Zentrales Thema ist die Schlaganfallprävention.


Bei der Schlaganfall-Risikoabschätzung hat sich der vor zwei Jahren präsentierte CHA2DS2-Vasc-Score (s. Kasten) in Studien und Praxis bewährt. Er soll den alten CHADS2-Score jetzt endgültig ablösen. Der  CHA2DS2-Vasc-Score vergibt zusätzliche Punkte je nach Alter, für vaskuläre Vorerkrankungen und weibliches Geschlecht und eignet sich besser, Patienten mit sehr niedrigem Insultrisiko zu identifizieren.

Das sind all jene, die unter 65 Jahre alt sind und keinerlei Risikofaktoren außer dem Vorhofflimmern aufweisen, also null Punkte im Score erreichen. Bei ihnen ist selbst eine antithrombotische Medikation mit ASS überflüssig.


Frauen mit Vorhofflimmern haben zwar schon geschlechtsbedingt ein erhöhtes Insultrisiko. Wenn sie aber sonst keine Risikofaktoren aufweisen, zählen sie ebenfalls zur Niedrigrisiko-Kategorie, betonte Professor Dr. Raffaele de Caterina vom Kardiologischen Universitätsklinikum in Chieti.

CHA2DS2-Vasc-Score

• Chronische Herzinsuffizienz
• Hypertonie
• Diabetes
• Alter zwischen 65 und 74 Jahre
• vaskuläre Vorerkrankung 
(z.B. KHK, pAVK)
• weibliches Geschlecht
• TIA oder Schlaganfall in der 
Anamnese
• 75 Jahre und älter

Alle Parameter ergeben je einen Punkt, die beiden letztgenannten je zwei Punkte.

ASS, Clopidogrel oder Dabigatran bei Vorhofflimmern?

Ab einem Score von 1 wird die orale Antikoagulation empfohlen. Die duale Plättchenhemmung mit ASS plus Clopidogrel kann ausnahmsweise alternativ verordnet werden, wenn der Patient die orale Antikoagulation ablehnt. Spätestens ab zwei Punkten kommt die duale Plättchenhemmung aber nicht mehr infrage – theoretisch, denn natürlich kann man keinen Patienten zur oralen Antikoagulation zwingen. Je zwei Punkte gibt es übrigens bereits für einen Insult in der Anamnese oder ein Alter ab 75 Jahren.


Auch dem ebenfalls vor zwei Jahren eingeführten HAS-BLED-Score stellen Experten ein gutes Zeugnis aus: Er bilde auch Risikofaktoren ab, die sich modifizieren lassen (etwa Hypertonie, Medikation oder Alkoholkonsum) und sei das derzeit beste Instrument zur Abschätzung des Blutungsrisikos.


Aber: „Ein hoher Wert im HAS-BLED stellt nicht per se einen Grund dar, einen Patienten von der Antikoagulation auszuschließen“, betonte Professor Dr. Gregory Lip vom Kardiologischen Universitätsklinikum Birmingham, der auf dem Europäischen Kardiologie-Kongress die neuen Empfehlungen zur oralen Antikoagulation bei nicht valvulärem Vorhofflimmern vorstellte.

Neue Antikoagulanzien aufgewertet bei Vorhofflimmern

Wichtigste Änderung: Die neuen oralen Antikoagulanzien bekommen klar den Vorzug vor den Vitamin-K-
Antagonisten. Wenn eine orale Antikoagulation empfohlen wird, sollte man bei der Mehrzahl der Patienten einem der neuen Wirkstoffe gegenüber Vitamin-K-Antagonisten den Vorzug geben, wegen des „klinischen Netto-Benefits“, wie es in der Leitlinie heißt. Infrage kommt z.B. ein direkter Thrombininhibitor wie Dabigatran oder ein Faktor-Xa-Inhibitor wie Rivaroxaban oder Apixaban.


Patienten, die eine orale Antikoagulation ablehnen, können antithrombotisch mit ASS, vorzugsweise kombiniert mit Clopidogrel, behandelt werden. Allerdings hält die Leitlinie ganz klar fest, dass diese Therapie ein ebenso großes Risiko für schwere Blutungen birgt wie die Gabe von oralen Antikoagulanzien.

 

Kommentare

Karl Vaith - 06.07.2013, 13:39

Natürlich sind die NOAKS heute dem Phenprocoumon vorzuziehen.
Bei älteren Pat. mit stark schwankenden INR-Werten (unzuverlässige Einnahme,Demenzansätze usw,unregelmäßige INR-Kontrollen) sind die neuen Gerinnungshemmer einzusetzen.
Die Auswahl sollte nach der Pharmakokinetik, Pharmakodynamic gemacht werden.
Zudem sträuben sich viele Krankenkassen eine Umstellung von Phenprocoum auf NOAKS wegen der Therapiekosten durchzuführen.

 
Anzeige: 1 - 1 von 1.
 
 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema