Dienstag, 26. Mai 2015

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Schlafapnoe behandeln bringt Benefit für Myokard und Nieren.

Schlafapnoe behandeln bringt Benefit für Myokard und Nieren.

06.05.2012
Von: Sonja Böhm, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 19294
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Schlafapnoe-Suche bei Herzinsuffizienz?

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz lohnt es sich, nach Schlafapnoe zu suchen. Denn zuviele Atemaussetzer belasten Herz und Niere.


Wie kommt es zu der hohen Prävalenz der Schlafapnoe bei Herzinsuffizienz? Sympathikus-Aktivierung, erhöhte Atemfrequenz und vor allem parapharyngeale Ödeme tragen dazu bei, berichtete Dr. Antigone Fritz von der Universität Düsseldorf auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Auf die Zahl der Atempausen kommt es an!

Werden die nächtlichen Apnoen reduziert, habe dies nicht nur auf die kardiale Situation, sondern auch auf eine eventuell eingeschränkte Nierenfunktion günstigen Einfluss. Herzinsuffiziente mit Atemstörung stecken geradezu in einem Teufelskreis. Die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe sowie die kardiorenale Erkrankung verstärken sich gegenseitig, was wiederum die Mortalität erhöht.


Gelingt es, die Zahl der Aussetzer relevant zu senken, kann dies die Prognose eindeutig bessern: Die Schwelle, die es zu unterschreiten gilt, liegt laut Dr. Fritz bei 15 Atemaussetzern pro Stunde. Die primäre Behandlung der Apnoe besteht in einer Maskentherapie mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck (CPAP). Studien zeigen, dass die CPAP die kardiovaskuläre Ereignisrate auch bei Patienten mit Herzinsuffizienz senkt.


Eine große Untersuchung aus dem Jahr 2005, in der die Maskentherapie zwar die Herzfunktion und Belastbarkeit der Patienten mit zentraler Schlafapnoe besserte, nicht aber die Zeit bis zu Transplantation oder Tod verlängerte, ist vor Kurzem erneut analysiert worden, berichtete Dr. Fritz. Im Mittel war in dieser Studie die Zahl der Atemaussetzer nur von 40 auf rund 20 stündlich reduziert worden – ein ungenügender Therapieeffekt, so die Kollegin.

Weniger als 15 Atemaussetzer pro Stunde bessert die Prognose für Herz und Nieren

Legt man dagegen einen Grenzwert von maximal 15 Atemaussetzern pro Stunde an, änderte dies die prognostischen Parameter: Maskentherapie-Patienten, bei denen dieser Wert unterschritten wurde, erfreuten sich „eines deutlich besseren Verlaufs“. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Erfolg in den Studien war auch von der Nutzungsdauer der Atemmasken abhängig.


Was die Cheyne-Stokes-Atmung betrifft, so erzielt laut einer aktuellen Vergleichsstudie die Adaptive Servo-Ventilation (ASV) bessere Ergebnisse als CPAP: die Zahl der Atemaussetzer nimmt deutlicher ab und die Herzfunktion bessert sich stärker – bei höherer Compliance. In einer kleinen ASV-Studie bei Herz-mit Niereninsuffizienz-Kranken stieg zusätzlich zur linksventrikulären Pumpfunktion auch die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) – als Hinweis auf eine verbesserte Nierenfunktion unter der Behandlung.

Teure ASV-Therapie für alle Apnoe-Patienten?

Sollten wir dann nicht bei allen Patienten mit zentraler Schlafapnoe gleich die ASV wählen, lautete dementsprechend eine Frage aus dem Publikum. „Das würden die Krankenkassen vermutlich nicht mitmachen“, lautete der Kommentar von Dr. Fritz. Immerhin verursacht eine ASV gegenüber der CPAP-Therapie rund das Vier- bis Fünffache an Kosten.


Der Lösungsvorschlag der Expertin: Sowohl bei obstruktiver als auch bei zentraler Schlafapnoe sollte man zunächst einen Versuch mit CPAP-Beatmung  unternehmen mit dem Ziel, die Rate relevanter Pausen auf < 15/Stunde zu drücken. Gelingt dies nicht, oder kommt der Patient mit der CPAP nicht zurecht, sollte auf die ASV gewechselt werden. Die individuelle Einstellung der Maskentherapie erhöht deren Effektivität, betonte Dr. Fritz. Und: Natürlich sollten kurzfristig Compliance und Therapienutzen geprüft werden.


Quelle: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Mannheim, 2012

 

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