Donnerstag, 18. September 2014

Fokus Medizin

Antidiabetikum stoppt Haarausfall

Haarausfall zu verhindern klappt nicht immer.

14.05.2012
Von: Dr. Carola Gessner Foto: Bilderbox
Artikel Nummer: 19329
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Antidiabetikum stoppt Haarausfall

Nicht jedem Haarausfall liegt ein klare Diagnose zugrunde, doch bei Lichen planopilaris kann man gezielt in den Pathomechanismus eingreifen.


Den Lichen planopilaris als primär vernarbende Alopezie gilt es schnellstens zu stoppen. immerhin geht es um Leben und Tod – der Haarfollikel.

 


Die First-line-Therapie des Lichen planopilaris besteht aus der topischen oder intraläsionalen Gabe von Kortikosteroiden. Doch was tun, wenn diese Maßnahme versagt?

Lichen planopliaris: Toxische Lipide sorgen für Haarausfall

Ein neuer Aspekt und therapeutischer Ansatzpunkt ist die verminderte Expression von Genen des Lipidmetabolismus und der Peroxisomen-Biogenese bei betroffenen Patienten, berichtete Professor Dr. Henning Hamm von der Universitätsklinik Würzburg beim 5. Dermatologie-Update-Seminar.

 

Wie Wissenschaftler nachweisen konnten, ist bei Patienten mit Lichen planopilaris eine deutlich verminderte Expression des peroxisomalen Proliferator-aktivierten Rezeptors γ (PPARγ) vorzufinden. Eine gestörte PPARγ-Funktion führt offenbar zu einer Akkumulation toxischer Lipide und zum Einmarsch von Entzündungszellen in den Haarfollikel.

Mit Thiazolidindion gegen narbigen Haarausfall vorgehen!

PPARγ-Antagonisten wie Thiazolidindione (orale Antidiabetika) können hier offenbar gegensteuern. In der Literatur findet sich der Fall eines 47-jährigen Patienten mit therapierefraktärem narbigem Haarausfall. Durch Einnahme von 15 mg Pioglitazon täglich über acht Monate, gelang es, die Follikelzerstörung abzubremsen.

Zerstörte Haarfollikel und narbige Areale sind typisch für den Lichen planopilaris.

Bei der Alopezia areata bleiben dagegen die Haarfollikel erhalten


Noch ein Jahr nach Beendigung der Therapie mit dem oralen Antidiabetikum war der Mann beschwerdefrei ohne weitere Progredienz der Kopfhaut-Entzündung. Als weitere Therapieoptionen bei therapieresistentem Lichen planopilaris finden sich in der Literatur diverse Wirkstoffe, darunter systemische Glukokortikoide, Hydroxychloroquin, Doxycyclin, Mycophenolatmofetil, Methotrexat, Cyclosporin, Thalidomid, Retinoide und Griseofulvin.

Alopezie - Malariamittel als Therapie-Alternative?

All diese Therapien wurden jedoch nur in unkontrollierten Studien beziehungsweise an kleinen Kollektiven angewendet, gab Prof. Hamm zu bedenken. Er selbst bevorzugt wegen des günstigen Risikoprofils Hydroxychloroquin in einer Dosierung von 200 mg (6,5 mg/kg Körpergewicht) täglich.

 

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