Montag, 01. September 2014

Fokus Medizin

In der Massentierhaltung kommen resistente Keime häufig vor

13.01.2012
Von: Dr. Stefanie Kronenberger; Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 18735
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Wirbel um resistente Keime auf Hähnchenfleisch

Bakterien auf Hähnchenfleisch aus dem Supermarkt: Diese Meldung des BUNDs sorgt für große Aufregung. Ist sie gerechtfertigt?


Auf 10 von 20 untersuchten Hähnchen aus dem Supermarkt in Hamburg. Köln, München und Nürnberg hat man antibiotikaresistente Bakterien identifiziert. Vor allem die Tatsache dass sich auch MRSA1 und ESBL2-bildende Keime auf dem Fleisch breitgemacht hatten, verunsichert die Öffentlichkeit. Ist etwa das wachsende Problem therapieresistenter Infektions-Krankheiten nicht nur durch unkritische ärztliche Antibiotika-Verordnung sondern vor allem durch Tiermast-Praktiken bedingt?

ESBL macht Keime auch gegen Breitband-Antibiotika resistent

ESBL steht für Extendet Spectrum-Betalaktamase, die in jüngster Zeit gehäuft bei Darmkeimen vorkommt. Bakterien, die dieses Enzym bilden, sind z.B. gegen Penicilline und Cephalosporine der 3. und 4. Generation resistent. Wie bei MRSA ist die Therapie der ESBL-infizierten Patienten sehr erschwert. Anfang 2011 berichtete das Deutsche Ärzteblatt bereits, dass (während die MRSA-Raten inzwischen ein stabiles Niveau erreicht haben) die Häufigkeit von Patienten mit ESBL auf Intensivstationen angestiegen sei.


Beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist man von den Ergebnissen der BUND-Stichprobe kaum überrascht. Schon im Rahmen des Zoonosenmonotoring 2009 wurden auf 22,3 % der Hähnchenproben, 42,2 % des Putenfleisches, aber auch auf Schweine- und Kalbfleisch MRSA gefunden.

Immer mehr gefährliche Keime auf rohem Fleisch

Seit einigen Jahren werden bei behördlichen Untersuchungen neben MRSA immer häufiger auch ESBL-verdächtige E-coli und Salmonellen entdeckt, heißt es in einer Meldung des BfR. Die Übertragung vom Darm der Tiere auf das Fleisch könnte bei der Schlachtung erfolgen.


Bei den MRSA auf rohem Fleisch scheint die Gefahr für die Verbrauher nicht allzu hoch zu sein. Insgesamt sind bislang nur wenige Fälle beschrieben, in denen Lebensmittel die Ursache einer humanen MRSA-Infektion waren. Und wenn doch, war immer der Mensch die Quelle der Kontamination, sprich eine MRSA-infizierte Person hat die Produkte verunreinigt.

Ansteckung durch Darmkeime auf den Hähnchen möglich

Anders sieht es bei den ESBl-bildenden Keimen aus. Hier halten auch die Fachleute beim BfR eine Ansteckung über Lebensmittel für möglich. Daher befürworten die Experten auch das von Bundesministerin Aigner vorgeschlagene Maßnahmenpaket. Dieses soll zu besserer Kontrolle und Transparenz bei der Antibiotikatherapie in deutschen Ställen führen. Tierärzte müssten sich dann strenger an die Zulassungen der Medikamente halten, besonders bei Antibiotika, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden.


Aber auch auf anderem Weg ließe sich die Keimgefahr auf deutschem Fleisch eindämmen. Dazu müssen Haltung und Management in der Fleischproduktion verbessert werden, so dass die Tiere gesund bleiben und eine antibiotische Behandlung erst gar nicht nötig wird, fordern die Experten des BfR. Zudem gilt es bei der Schlachtung weniger Keime zu übertragen und auch in den Küchen kann man mit konsequenter Hygiene bakterielle Kontaminationen bekämpfen.


1Methicillin-resistante Staphylokokken
2Extended Spectrum Betalakatmase (Betalaktamasen mit erweitertem Spektrum)

 

Quelle: Homepage des BfR

 

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