Sonntag, 31. August 2014

Fokus Medizin

Was tun bei Nasenbluten?

Nasenbluten: Hat beim Kind oft andere Ursachen als bei Senioren.

28.06.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19569
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Was tun bei Nasenbluten?

Meist verläuft es harmlos und lässt sich besonders bei Kindern mit ein paar Handgriffen stoppen. Bei Älteren aber kann Nasenbluten gefährlich sein.


Der Plexus kleiner Arterien mit dem eindrucksvollen Namen „Kiesselbachi“ ist die Quelle der häufigen vorderen Epistaxis. Viel seltener kommt es – insbesondere bei älteren Menschen – zur Epistaxis posterior (ca. 10 % der Fälle).

Nasenbluten - Vitalfunktionen im Blick behalten!

Da die hintere Region des Nasenseptums aus der großkalibrigeren A. sphenopalatina versorgt wird, fallen die Blutungen mitunter sehr viel heftiger aus. In solchen Fällen muss man auf die Vitalfunktionen achten, bei kreislaufwirksamer Epistaxis einen venösen Zugang legen sowie ein Blutbild und den Gerinnungsstatus bestimmen, schreiben Privatdozent Dr. Nicholas Schmuziger und Dr. Walter Herwig von der HNO-Praxis Reinach im „Schweizerischen Medizinischen Forum“.

Was tun bei Nasenbluten?Keine Blutdrucksenkung bei Nasenbluten

Den Blutdruck routinemäßig senken soll man dagegen nicht, auch wenn immer wieder die arterielle Hypertonie als Verursacher von Nasenbluten angeschuldigt wird. Wohl gebe es Hinweise, dass langjähriger Bluthochdruck die schwachen Nasengefäße noch vulnerabler macht. Doch eine reflexartige Blutdrucksenkung würde zuviele Epistaxispatienten in die Hypotonie treiben, befürchten die Autoren.


Bei Verdacht auf vordere Epistaxis hat es sich bewährt, die Patienten ausschneuzen zu lassen bzw. die Koagel abzusaugen, auch wenn es danach kurzfristig noch stärker blutet. Anschließende Selbstkompression der knorpeligen Nasenflügelanteile für 10 bis 15 Minuten bringt die Blutung meist zum Stehen.

Oxymetazolin hilft in zwei Dritteln der Epistaxis-Fälle

Laut einer älteren Arbeit hat auch die Applikation von Oxymetazolin in bis zu zwei Dritteln der Fälle Erfolg. Zeitnah sollte man eine vordere Rhinoskopie durchführen, je nach Befund gefolgt von der HNO-ärztlichen Lokaltherapie.


Bevor eine direkte Behandlung erfolgt, wird die Blutung lokalisiert. Anschließend kann „punktgenau“ behandelt werden, z.B. mit bipolarer Koagulation, Silbernitrat-Ätzung oder gezielt platzierter Tamponade. Die Erfolgsrate liegt mit ca. 90 % deutlich höher als bei der indirekten Therapie mit Ballonkathetertamponade ohne Identifikation der Blutungsquelle. Indirekt wird vorgegangen, wenn die fachärztlichen Voraussetzungen für eine direkte Therapie fehlen.

Tamponade beim Facharzt entfernen!

Die Entfernung der Tamponade, üblicherweise nach 48 Stunden, sollte beim Facharzt erfolgen. So kann gegebenenfalls immer noch eine direkte Behandlung, z.B. mit bipolarer Elektrokoagulation, angeschlossen werden.


Eine schon im 19. Jahrhundert eingesetzte Methode, die Nasenspülung mit Heißwasser, wird seit kurzem wieder propagiert. Mit einer Erfolgsrate von 82 % rangiert das Verfahren zwischen direkter und indirekter Therapie. Das Prozedere: Nach Verschließen der hinteren Nasenöffnung per modifiziertem Ballonkatheter spült man die betroffenen Nasenhaupthöhle etwa drei Minuten lang mit 50° C heißem Wasser. Durch Vasodilatation und Ödem der Nasenschleimhaut wird das leckgeschlagene Gefäß komprimiert – zwei Stunden Nachbeobachtung und der Patient darf wieder nach Hause.

Beim hinteren Nasenbluten kann eine Intubation nötig werden!

Wenn eine (posteriore) Blutung persistiert und nicht in Oberflächenanästhesie versorgt werden kann, ist eine Op. in Intubationsnarkose fällig. Immer häufiger werden heute neuartige „multiwirksame“ Tamponaden eingesetzt, schreiben die Autoren. So gibt es z.B. Ballons mit Zellulose-Ummantelung, welche die lokale Thrombozytenaggregation fördert und bei der Detamponade nicht festklebt.


Vorsicht ist jedoch bei den beliebten Fingerlingstamponaden geboten. Dislozieren diese nach hinten, können sie zur tödlichen Atemwegsverlegung führen. Generell gilt, anamnestisch nach blutungsfördernden Medikationen zu fragen (z.B. ASS, Clopidogrel, Antikoagulantien).


Aber auch komplementärmedizinische Maßnahmen komme als Ursache unstillbarer Blutungen in Betracht.

 

Dass auch Komplementärmedizin bei der Epistaxis mitmischen kann, illustriert der Fall eines sonst gesunden 25-jährigen Schotten. Sein Nasenbluten war kaum in den Griff zu bekommen. Die genaue Anamnese enthüllte eine Selbstmedikation mit ASS, Knoblauch-Tabletten und Mariendistel. Der Einfluss von Knoblauch auf die Blutungszeit und Mariendistel auf die Leberenzyme könnte dazu beigetragen haben, dass das Nasenbluten nicht sistieren wollte, berichteten die Ärzte des jungen Mannes.

 

Ratgebervideo zum Thema Nasenbluten:




Quelle: Nicolas Schmuziger, Walter Herwig, Schweiz Med Forum 2012; 12: 434-439; 
Eur J Emerg Med. 2010; 17: 17-19; http://www.youtube.com/watch?v=NlveyTuK81I

 

 

 

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