DMP nun auch für Depression?
Ein Disease-Management-Programm soll grundsätzlich der besseren Versorgung chronisch Kranker dienen. Ist das für Depression umsetzbar?
Sollte man ähnlich wie beim Diabetes auch für die Depression ein DMP* einführen? In einer aktuellen Umfrage äußerten Hausärzte dezidierte Erwartungen. Bisher gibt es für psychische Erkrankungen nur eine Reihe von Modellversuchen zur Integrierten Versorgung, aber noch kein Disease-Management-Programm.
DMP Depression: Was halten Hausärzte davon?
Laura Maria Dickmann von der Universität Frankfurt/Main und Kollegen wollten nun wissen, wie Hausärzte zu einem DMP Depression stehen. Im Rahmen ihrer Studie befragten die Autoren im August 2011 alle 158 Allgemeinärzte und hausärztlichen Internisten im Stadt- und Landkreis Oldenburg, außerdem 27 zufällig ausgewählte Hausärzte aus dem angrenzenden Landkreis Ammerland.
78 % der Kollegen schickten den Fragebogen ausgefüllt zurück. Die meisten (89 %) beteiligten sich bereits an mindestens zwei DMPs. Aber nur 36 % stuften ihre Erfahrungen mit den aktuellen Programmen als positiv ein. So ist es kein Wunder, dass nur 23 % der Ärzte die Einführung eines DMP Depression begrüßen würden.
DMP - Überforderung durch monatliche Schulung und Qualitätszirkel?
Viele befürchten offenbar, dadurch zeitlich zu sehr beansprucht zu werden. So sahen sich noch nicht einmal die Hälfte der Befragten in der Lage, mehr als 10 bis 20 Minuten für ein erstes Gespräch mit dem Patienten aufzuwenden.
Auch neun Stunden Schulung plus monatliche Qualitätszirkel waren den meisten (63 %) zu viel und immerhin 60 % fühlten sich von wöchentlichen Therapiekontrollen überfordert. Die Lösung könnte eine Delegation an speziell geschulte Pflegekräfte darstellen, wie dies bereits in Großbritannien und Australien praktiziert wird.
DMP Depression nur bei geringer Verantwortung
Tatsächlich konnten sich 61 % der Befragten eine DMP-Teilnahme nur unter der Bedingung vorstellen, dass ein Großteil der Verantwortung auf nicht-ärztliche Fallmanager übertragen wird. 17 % lehnten einen solchen Schritt ab, schreiben die Kollegen in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“.
Nicht zum Besten steht es um die Kooperation mit Spezialisten: Jeder dritte Hausarzt bezeichnete die Zusammenarbeit mit Psychiatern als schlecht, und fast jeder zweite (47 %) kam mit den psychologischen Psychotherapeuten nicht klar. Ein wesentlicher Kritikpunkt: die langen Wartezeiten.
Wartezeiten beim Psychotherapeuten: drei Monate!
Bei den psychologischen Psychotherapeuten warten die Patienten oft ein Vierteljahr auf den Termin, bei Psychiatern einen Monat. Sinnvoll wäre eine Frist von zwei Tagen (bis 1 Woche). Allerdings kannten zwei Drittel der Hausärzte kaum einen der Spezialisten, zu denen sie Patienten schickten, persönlich und nur 9 % wollten dies ändern. Auch zum Sozialpsychiatrischen Dienst hatten 44 % keinen Kontakt.
Quelle: Laura Maria Dickmann et al., Z Allg Med 2012; 88: 210-217
Kasten Wissenslücken Von den befragten Hausärzten hielten 40 % ihren Wissensstand in puncto Depression für unzureichend. Nur jeder zweite wusste, dass es eine S3-Leitlinie zu dieser Erkrankung gibt. Viele räumten Schwierigkeiten mit der Einschätzung des Schweregrads ein oder überholte Kriterien wie endogene und reaktive Depression.
http://de.wikipedia.org/wiki/Disease-Management-Programm
Quelle: Laura Maria Dickmann von der Universität Frankfurt/Main und Kollegen
Kommentare
Claus F. Dieterle, 11.07.2012, 00:55
Die Wartezeiten beim psychologischen Psychotherapeuten betragen oft mehrere Monate. Daher möchte ich noch auf einen anderen Aspekt bei der Behandlung von Deopressionen hinweisen:
die Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung) durch Seelsorger. Grundlage sind Aussagen der Bibel.
Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken.
Psalm 146,8:
Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Jesus Christus kann direkt heilen, aber auch durch Medikamente und/oder Therapeuten.
Mit guten Segenswünschen
Claus F. Dieterle
- Dateien:
Depression.pdf
- Links:
- Stiftung Deutsche Depressionshilfe:
- www.deutsche-depressionshilfe.de
- Kurzversion der aktuellen Versorgungsleitlinien:
- www.versorgungsleitlinien.de/themen/depression/pdf/s3-nvl-depression-kurz-engl.pdf
- Diagnose der Depression nach ICD-10-Kriterien:
- www.arztbibliothek.de/mdb/downloads/nvl/depression/ph/depression-unipolar-alg1.pdf
- Medikamentöse Behandlung therapieresistenter Depressionen:
- www.arztbibliothek.de/mdb/downloads/nvl/depression/ph/depression-unipolar-alg4.pdf
- Leitlinie zur hausärztlichen Gesprächsführung:
- www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/gespraech_ll.pdf
- Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V.:
- https://www.dgpm.de/









