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Donnerstag, 23. Mai 2013

Fokus Medizin

Sprechen Sie mit Ihren gynäkologischen Krebspatientinnen über Sex.

Sprechen Sie mit Ihren gynäkologischen Krebspatientinnen über Sex.

27.05.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 19365
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Erfülltes Sexualleben – auch mit Krebs

Krebspatientinnen haben nach einer Unterleibs- oder Brust-Operation oft massive Probleme mit der Sexualität. Stellen Sie die richtigen Fragen!



Prof. Dr. Annette Hasenburg


Nach gynäkologischen Operationen fallen als sexuelle Funktionsstörungen – insbesondere Libidostörung und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – ins Gewicht. Daneben rauben auch Müdigkeit und Erschöpfung den Patientinnen die Lust auf Lust, ebenso wie Vorurteile und z.T. irrationale Ängste, wie etwa den Partner anzustecken. Oft mangelt es an kompetenten Gesprächspartnern, kritisierte Professor Dr. Annette Hasenburg von der Universitätsklinik Freiburg.


Probleme nach Operationen wegen Eierstock-Krebs sind u.a. dem Hormonentzug nach Ovarektomie geschuldet. Es kommt zum Libidoverlust (bei über 60 % der Frauen unter Therapie), Scheidentrockenheit (80 %) und Schmerzen (62 %).

Über Hormonsubstitution wird noch diskutiert

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Eine S3-Leitlinie dazu wird gerade erstellt, so die Referentin, die Hormonsubstitution ist noch in der Diskussion, weil es dazu bislang keine prospektive Studie gibt. Bisherige Daten weisen aber nicht auf ein verschlechtertes Überleben durch die HT* hin, so die gynäkologische Onkologin. Als alternative Möglichkeiten nannte sie lokale Östrogentherapie und Gleitgel.


Spezielle sexuelle Probleme nach Therapie eines Zervixkarzinoms resultieren neben verminderter Lubrifikation, Harnentleerungsstörungen und Schmerzen aus der Verkürzung oder Verklebung der Vagina. Die Therapie: „Ermutigen Sie die Frauen zum Geschlechtsverkehr, die Scheide muss verwendet werden.“

Ängste ausräumen: Krebs ist nicht ansteckend!

Früh sollten die Patientinnen mit der Anwendung von Vaginaldilatatoren (siehe Bild 1) beginnen. Mit den weichen, biegsamen Dilatatoren kommen die Frauen meist gut zurecht, so die Erfahrung von Prof. Hasenburg. Die Hormonsubstitution bereitet beim Plattenepithelkarzinom kein Problem. Lokale Östrogentherapie und Gleitgel kommen ebenfalls zum Einsatz. Unbedingt gelte es, Ängste abzubauen und klar zu formulieren: Krebs ist nicht ansteckend!


Als ermutigendes Beispiel dafür, dass es selbst für Patienten mit fortgeschrittenen Krebsleiden ein schönes Liebesleben geben kann, stellte die Kollegin die Kasuistik einer Patientin vor, „für die Sexualität schon vor der Operation immer sehr wichtig gewesen war“.


Wegen eines fortgeschrittenen Zervixkarzinoms musste bei ihr eine vordere Exenteration vorgenommen und die Harnblase geopfert werden. Sie nähte sich einen Bauchgurt aus Spitze (siehe Bild 2) für den Geschlechtsverkehr mit einer kleinen Tasche für den Urinbeutel. „So etwas ist natürlich auch eine Option für Patienten mit Anus praeter“, fügte Prof. Hasenburg hinzu.

Frauen nach Ablatio der Bust leiden besonders über das veränderte Aussehen

Beim Mammakarzinom, insbesondere nach Ablatio mammae, fällt das veränderte Körperbild stark ins Gewicht. Wie bei anderen Tumoren auch spielen zudem die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung, Hormonentzug und Erschöpfung eine Rolle.


Therapeutische Möglichkeiten umfassen Mamma-Prothesen und Wiederaufbau sowie gute Information, bei der Partner und Familie einbezogen werden. Bei der Behandlung postmenopausaler Symptome muss man beachten, dass es zwischen SSRI und Tamoxifen zu Interaktionen kommen kann. Akupunktur, Entspannungstraining, Atemtraining und Sport können ebenfalls helfen.


„Und wie leiten Sie das Gespräch über Sexualität ein?“, wollte eine Kollegin aus dem Auditorium wissen. Eine Frage, die Prof. Hasenburg bei jeder Untersuchung einfließen lässt, lautet: „Hat sich durch Ihre Erkrankung etwas in Ihrer Partnerschaft geändert?“ Diese offene Frage kann jede Patientin schlicht mit Nein beantworten. Aber meis­tens sprudeln Fragen, Ängste und Verunsicherungen nur so heraus, so die Erfahrung der Expertin.

Patientin hat „keinen Kopf“ für Sex-Themen?

Den richtigen Zeitpunkt für das Gespräch zu wählen ist nicht immer einfach. Eine junge Frau muss vor geplanter Ovarektomie – oder Chemotherapie, die die Östrogenfunktion der Ovarien außer Kraft setzt – über sexuelle Probleme aufgeklärt werden. Sicher hat sie angesichts der bedrohlichen Erkrankung gerade kein Ohr dafür, das Gespräch ist aber trotzdem wichtig.


Eine Patientin äußerte während der Chemotherapie: „Ich habe keine Lust und ekle mich fast, wenn mich mein Mann anfasst. Aber Sie haben ja gesagt, das kann mit der Therapie zusammenhängen.“ Eine solche Erklärung kann für Betroffene sehr entlastend sein.


Von ärztlichen Liebesrat bis zur geteilten Ohnmacht

Menschen im fortgeschrittenen Stadium einer Erkrankung werden – auch von Ärzten – oft als asexuell angesehen. Obwohl Zärtlichkeiten gerade für Krebskranke nach der Diagnose immens wichtig sind, geht die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs drastisch zurück, bei 52 % der Patienten auf Null, wie eine aktuelle Studie ergab.

86 % der Betroffenen würden es begrüßen, mit qualifiziertem Personal darüber zu reden. Daten zufolge wird aber nur einer von zehn Patienten in Palliativeinrichtungen auf Sexualität angesprochen, berichtete Martina Kern vom Zentrum für Palliativmedizin am Malteser Krankenhaus Bonn.

„Wie sehe ich denn aus?“, „Früher war ich attraktiv ...“, „Sie ekeln sich sicher auch vor mir“, solche Aussagen hört Martina Kern immer wieder, wenn einmal ein Gespräch in Gang gekommen ist.


Oft ist die Situation auch für den gesunden Gesprächspartner nicht einfach, wenn etwa eine Patientin mit Aszites-Bauch sagt: „So einen dicken Bauch mit einem Baby habe ich mir immer gewünscht, aber jetzt ist ja nur noch der Tod drin.“ Für die Betroffene kann aber die „geteilte Ohnmacht“ viel bedeuten.


Hilfreiche Web-Tipps:
www.isg-info.de: Liebe macht gesund, Informationen rund um das Thema Sexualität, Infotelefon, Beratungsangebote, Themen-Foren, indivduelle Antworten von Fachleuten.



* Hormone Replacement Therapy

Quelle: 30. Deutschen Krebskongress, Berlin, 2012
Quelle Abb.: Prof. Dr. Annette Hasenburg, Freiburg
 

 

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