Husten: Sensible Rezeptoren lassen Zwerchfell hüpfen
Es gibt viele Gründe für Husten, z.B. COPD, Tumoren oder Pertussis. Aber warum husten manche Menschen einfach häufiger?
Wer länger als acht Wochen hustet, dessen Leiden ist definitionsgemäß chronisch. Bei vielen Patienten liegt eine Erkrankung zugrunde, die den Husten erklärt, z.B. COPD, Lungentumoren, Pertussis oder Tuberkulose. Auch kardiale Erkrankungen begründen einen chronischen Husten.
Husten: Pathomechanismus bei Sinusitis noch unklar
Weniger eindeutig ist die Lage bei chronischer Sinusitis oder Rhinitis bzw. beim gastroösophagealen Reflux. Auch für den Hustentyp des Asthmas sind die Pathomechanismen nicht völlig geklärt, sagte Dr. Peter Kardos vom Zentrum für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin am Klinikum Maingau, Frankfurt, beim 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.
Beim Patienten mit chronischem Husten sollte man neben der Anamnese und der körperlichen Untersuchung ein Thoraxröntgenbild anfertigen und die Lungenfunktion prüfen. Allerdings findet sich trotz intensiver Diagnostik in bis zu 18 % der Fälle keine Erkrankung, die das Leiden begründet.
Hustenrezeptoren überempfindlich durch ACE-Hemmer?
Patienten mit Husten ohne offensichtliche Ursache leiden vielfach unter erhöhter Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren, erläuterte Dr. Kardos. Diese scheint auch bei der Einnahme von ACE-Hemmern eine Rolle zu spielen, wie der Referent an einem Fallbeispiel mit Provokationstest erläuterte.
Unter laufender Ramipril-Medikation konnte der Patient nur 1 μmol Capsaicin ertragen, ohne zu husten. Nach einer dreiwöchigen ACE-Hemmer-Pause stieg die Capsaicin-Dosis auf 30 μmol. „Otto Normalverbraucher“ aber müsste 500 μmol vertragen, erklärte der Experte.
Bronchiale Hyperreagibilität bei Patienten, die "nur" husten
Auch beim Asthma spielt der Hustenreflex eine wichtige Rolle. Betroffene zeigen das Symptom in allen Ausprägungen: Da ist zunächst der Patient mit klassischem Asthma und normalem Hustenreflex. Bei ihm sprechen alle Symptome einschließlich des Hustens auf die Asthmatherapie gut an.
Aber es gibt auch Patienten, die weiterhin husten, obwohl ihr Asthma gut eingestellt ist und sich die Lungenfunktion normalisiert hat. Auf der anderen Seite des Spektrums sieht Dr. Kardos Asthma-Patienten, die nur husten. Sie haben eine bronchiale Hyperreagibilität, aber keine Atemnot.
Auch Husten kann Reflux auslösen
Wieder andere leiden unter eosinophiler Bronchitis mit Husten und Remodeling, aber ohne Obstruktion und ohne Hyperreagibilität. Eindrucksvoll sind die Ergebnisse zum gastroösophagealen Reflux, der ebenfalls gern für Husten verantwortlich gemacht wird. In mehreren Studien versuchte man vergeblich, den Husten durch die Behandlung des Refluxes zu beeinflussen.
PPI-Gaben erzielten selbst in verdoppelter Dosis keine nennenswerte Besserung, berichtete der Referent. In einer neueren Untersuchung wurden Patienten mit „postnasal drip“ mit Lansoprazol behandelt.
PPI lindert Hustensymptome
Unabhängig vom Sodbrennen linderte der PPI die Hustensymptome. Dem Zusammenhang mit dem Reflux gingen Forscher in einer weiteren Studie mit 78 chronischen Hustern auf den Grund. Tatsächlich fand sich eine Beziehung, aber diese war nicht eingleisig.
Eine Hälfte (44 %) der Patienten reagierte nach einer Refluxepisode innerhalb von zwei Minuten mit Husten. Bei der anderen Hälfte (48 %) war es genau umgekehrt, vermutlich sorgten atemmechanische Prozesse und Zwerchfellbewegung dafür, dass Magensaft in den Ösophagus zurückfloss. Und bei 32,4 % der Patienten waren sogar Einflüsse in beide Richtungen nachweisbar.
Husten und Reflux bedingen sich gegenseitig
Damit scheinen sich Husten und Reflux gegenseitig zu bedingen. Vor allem bei Patienten mit erhöhter Sensitivität des Hustenreflexes kann der Reflux also den Husten verursachen und auch einer Behandlung mit Säureblockern zugänglich sein.
Quelle: Dr. Peter Kardos vom Zentrum für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin am Klinikum Maingau, Frankfurt, beim 53. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin







