Sonntag, 26. Oktober 2014

Fokus Medizin

Wer viel Joghurt mit Probiotika isst, schützt sich möglicherweise vor Diabetes.
17.07.2011
Von: Sonja Böhm, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 17866
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Joghurt als Waffe im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes?

Probiotika helfen nicht nur gegen Diarrhöen. Über die Beeinflussung der Darm-Mikrobiota lassen sich eventuell auch Stoffwechsel und Diabetes bessern.


Probiotika sind laut Definition lebende Mikroorganismen, die einem Wirt, der sie aufnimmt, nutzen. Ein probiotischer Joghurt enthält in der Regel rund 10 Milliarden Bakterien, erläuterte Professor Dr. Hubert Kolb vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf. Doch bringt es wirklich gesundheitlichen Nutzen, wenn wir diese Keime, in der Regel handelt es sich um Lactobacillus oder Bifidobacterium sp., verspeisen?


Viele Wissenschaftler, die auf diesem Gebiet arbeiten, würden dies bejahen. Im Internet findet unter www.gut-health.eu sogar eine Unterschriftenaktion von Forschern statt, in der gefordert wird, die EU solle den gesundheitlichen Nutzen von Probiotika anerkennen. Nach einer Metaanalyse von 34 randomisierten Studien mit nahezu 5000 Teilnehmern lässt sich z.B. das Risiko für Durchfallerkrankungen durch Probiotika um etwa ein Drittel senken. Als am besten erwies sich die Wirkung gegen antibiotikainduzierte Diarrhöen, während der Effekt gegen Reisediarrhöen eher gering war, berichtete Prof. Kolb.

Probiotika interagieren mit der Darmwand, Hormonen und dem Immunsystem

Auch bei Diabetes möchte man Probiotika gern nutzen. Im Tierversuch halfen sie, autoimmun bedingtem Diabetes vorzubeugen, so der Kollege. Eine Präventionsstudie bei Kindern mit genetischem Risiko für Typ-1-Diabetes läuft. Im Tierversuch – und zum Teil auch beim Menschen – hat man den Effekt von Probiotika auf Adipositas, Insulinresistenz, Glukosetoleranz sowie subklinische Entzündung geprüft.


Direkte Interaktionen und Einflüsse auf die Darm-Mikrobiota sind dabei eher gering, erklärte Prof. Kolb. Dafür ist die Zahl der probiotischen Keime im Vergleich zu den rund 100 Billionen Bakterien, die unseren Darm besiedeln, dann doch eher niedrig. Vielmehr werden die Wirkungen vor allem durch Effekte auf die Darmwand, auf Darmhormone, die Immunabwehr sowie über anti-inflammatorische Effekte erklärt, eventuell auch über Signalwirkungen an den Hypothalamus.

Darm-Mikrobiota beeinflusst Energie-Homöostase und Stoffwechsel

Menschen mit Übergewicht oder Adipositas haben eine anders zusammengesetzte Darm-Mikrobiota als Normalgewichtige. Dies belegen zahlreiche Studien, berichtete Professor Dr. Patrice D. Cani vom Louvain Drug Research Institute der Universität Brüssel. Über verschiedene Mechanismen scheint die Darm-Mikrobiota die Energie-Homöostase zu beeinflussen; sie kontrolliert die Barrierefunktion des Darms, triggert niedriggradige Entzündungsprozesse, kontrolliert entero-endokrine Funktionen etwa über GLP-1 und interagiert mit Immunrezeptoren.


Experimentell und in ersten Studien lassen sich diese Zusammenhänge bestätigen, so Privatdozentin Dr. Nanette C. Schloot vom Institut für Klinische Diabetologie am Deutschen Diabetes-Zentrum der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Denn eine „Stuhl-Transplantation“, also die Übertragung von Darm-Mikrobiota von schlanken auf adipöse Menschen kann die Insulinresistenz und vorübergehend auch die Stoffwechseleinstellung der übergewichtigen Empfänger bessern.

In der Schwangerschaft reichlich Probiotika essen

Bei Ratten wurden zudem bereits antidiabetische Effekte einer probiotischen Kost nachgewiesen. In kleinen Studien senkte die Probiotika-Gabe bei Schwangeren auch das Risiko für einen Gestationsdiabetes, die Gewichtsentwicklung der Kinder nach der Geburt war günstiger als bei denjenigen, die keine Probiotika in der Schwangerschaft zu sich genommen hatten.


Derzeit mangelt es allerdings noch an randomisierten Studien, die den Effekt von Probiotika bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes genauer untersuchen, betonte Dr. Schloot.


Quelle: 46. DDG-Jahrestagung

 

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