Donnerstag, 23. Oktober 2014

Fokus Medizin

Die Darmspiegelung ist sicher und effektiv - vor allem in Deutschland.
16.02.2011
Von: Dr. Anja Braunwarth, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17137
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Koloskopie verhindert jährlich 5000 Karzinome

Screening-Koloskopien schützen effektiv vor Darmkrebs. Außerdem zeigt sich im internationalen Vergleich, dass Deutschland hinsichtlich Sicherheit und Qualität vorn liegt.


Durch Screening-Koloskopien können in Deutschland pro Jahr etwa 5000 Karzinome verhindert werden. Die Zahl könnte noch viel höher liegen, wenn mehr Menschen das Angebot wahrnehmen würden. Zumal sich die Sicherheit der Untersuchung bestätigt hat.

Daten von kanpp 1,9 Millionen Menschen ausgewertet

Die Effektivität des Koloskopiescreenings wurde anhand der Daten knapp 1,9 Millionen untersuchter Patienten geprüft. Zwischen 2003 und 2006 entfernte man bei ihnen rund 157 000 Adenome. Daraus errechnete sich eine Reduktion der Karzinomrate um 5000/Jahr, berichtete Professor Dr. Peter Layer von der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus Hamburg auf dem Internisten-Update.

Qualität und Sicherheit der Koloskopie geprüft

Diese Senkung ist umso bemerkenswerter, da nur weniger als 3 % der berechtigten Personen die Untersuchung in Anspruch nahmen, betonte der Kollege. Seiner Ansicht nach könnte durch eine Steigerung der Teilnahme die Effektivität weiter erhöht werden. Was die Qualität und Sicherheit der Untersuchung betrifft, liegt Deutschland ganz weit vorne. Eine prospektive Auswertung von mehr als 230 000 Koloskopien zeigte, dass bei 97 % die vollständige Spiegelung gelang, Komplikationen traten nur bei 0,3 % auf (Blutungen 0,2 %, Perforationen 0,03 %).

Deutschland im internationalen Vergleich weit vorn

Von solchen Ergebnissen können z.B. die Kanadier nur "träumen". Bei 25 000 Untersuchungen gelang es dort nur in 65 % der Fälle, den Darm vollständig einzusehen. Und die gesamte Komplikationsrate lag zwar ebenfalls nur bei 0,3 %, allerdings waren davon 0,2 % Perforationen, also siebenmal so viele wie in Bayern. Auch die USA bekleckern sich nicht mit allzu großem Ruhm: In zwei Analysen lagen die Perforationsraten bei 0,08 bzw. 0,06 %. Da die bayerischen Resultate bundesweit extrapolierbar sein dürften, ist hierzulande von einer exzellenten Koloskopiequalität auszugehen, so Prof. Layer. Zudem mangelt es an vergleichbaren Alternativen. Die virtuelle Spiegelung muss weiterhin als Reserveverfahren angesehen werden und die Kapselendoskopie ordnete der Kollege noch als experimentelle Methode ein.

 

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