Krebskranke zu Sex-Wünschen ermutigen
Sex steht bei Krebskranken weit unten auf der Liste. Vernachlässigte Sexualität schmälert nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Beziehung.
Der Hader mit dem verletzten Körper, Sorge um Kinder und Existenz sowie die Angst vor dem Sterben besetzen die Gedanken von krebskranken Menschen meist ganz und gar. Jegliches sexuelle Verlangen scheint ausgelöscht, ehemals glückliche Paare landen in einem Teufelskreis von Verunsicherung.
Schwer Kranke ziehen sich oft zurück
So hat zum Beispiel eine Patientin nach Behandlung eines Mammakarzinoms oft massive Probleme mit ihrer weiblichen Identität, kein Verlangen oder gar regelrechte Angst vor einer sexuellen Begegnung. Damit es gar nicht soweit kommt, lehnt sie jede Zärtlichkeit ab, vermeidet körperlichen Kontakt komplett. Das kränkt den Partner, der zieht sich zurück, was sie wiederum als Bestätigung ihrer „verlorenen Weiblichkeit“ interpretieren kann. Es resultieren Rückzug, Sprachlosigkeit, Einsamkeit und Resignation.
Kuschel-Bedürfnis in Worte fassen, trotz Erkrankung
„Ermutigen Sie Ihre Patientinnen, Wünsche an den Partner frühzeitig und deutlich zu formulieren“, appellierte Annette Rexrodt von Fircks in ihrem Vortrag beim Deutschen Krebskongress an ihr Auditorium. Sie selbst als Betroffene erlebte intensive Gefühle von Beschädigung und verlorener Weiblichkeit, als sie sich vor rund 15 Jahren nach ihrer Brustkrebstherapie erstmals ihrem Spiegelbild stellte – nackt, beidseits mammaamputiert und ohne Perücke.
An Sex mit ihrem Mann war für sie in diesem Zustand nicht zu denken. Dennoch schaffte sie es, ihm nicht aus dem Weg zu gehen, sondern ihre sexuellen Bedürfnisse zu formulieren: „Zärtlichkeiten, Küsse, Umarmungen brauche ich dringend, aber ich möchte keinen Geschlechtsverkehr.“ Mit einer solchen Information kann ein Partner gut umgehen, fühlt sich in seinem eigenen Nähebedürfnis angenommen und kann seiner kranken Frau wertvolle Unterstützung geben.
Dem Thema Sexualität bei Schwerkranken Raum zu lassen, stellt häufig auch für betreuende Ärzte ein Problem dar, betonte Dipl.-Psych. Dr. Stefan Zettl von der Universitätsklinik Heidelberg. Zur patientengerechten onkologischen Versorgung gehört jedoch, wie er betonte, das Angebot einer sexualmedizinischen Beratung unbedingt dazu.






