Dienstag, 28. Juni 2016

Fokus Medizin

Chronische Prostatitis wirklich Ursache der Beckenschmerzen?

Chronische Prostatitis wirklich Ursache der Beckenschmerzen?

06.08.2013
Von: Maria Weiß, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 21219
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Männer mit Beckenschmerz zum Osteopathen schicken?

Die Therapie der chronischen Prostatitis verläuft oft wenig erfolgreich. Kann man den Beckenschmerz mit einer osteopathischen Behandlung lindern?


Immer mehr weist darauf hin, dass die „chronische Prostatitis“ mit der Prostata relativ wenig zu tun hat, schreibt die niedergelassene Osteopathin Sylvia Marx aus Esslingen in „Der Urologe“. Zunehmend rücken die umgebenden Strukturen im Becken in den Fokus. Vermutet werden unter anderem Verspannungen des Beckenbodens, eine funktionelle Detrusor-Sphinkter-Dysfunktion und nicht zuletzt psychische Faktoren. Daher spricht man heute eher von einem chronischen Beckenschmerzsyndrom.

Der osteopathische Ansatz besteht darin, Dysfunktionen im Bereich von Muskulatur/Bändern, inneren Organen, Urogenitaltrakt und Kraniosakralsystem* zu lokalisieren und so zu behandeln, dass wieder eine freie Beweglichkeit dieser Strukturen erreicht wird.


Vor fünf Jahren behandelte die Osteopathin insgesamt 20 Patienten mit der Diagnose „chronische Prostatitis/chronisches Beckenschmerzsyndrom“ osteopathisch in insgesamt fünf Sitzungen. 13 Patienten mit der gleichen Symptomatik erhielten nur eine Scheinbehandlung. Nach sechs Wochen und nach eineinhalb Jahren hatte sich eine deutliche Besserung der Beschwerden im Vergleich zur Kontrollgruppe abgezeichnet.

Osteopathie - Blasen-Symptome
 ebenfalls gebessert

Jetzt erfolgte bei 19 Patienten der ehemaligen Verumgruppe eine Nachuntersuchung. Insgesamt hatte sich die Harntraktsymptomatik weiter verbessert, was sich auch in einer gesteigerten Lebensqualität widerspiegelte. 15 der 19 Patienten beantworteten die Frage „Wie würden Sie sich fühlen, wenn sich Ihre jetzigen Symptome beim Wasserlassen nicht mehr ändern würden?“ mit „ausgezeichnet“ oder „zufrieden“.


Elf Patienten hatten in den fünf Jahren keine weiteren osteopathischen Behandlungen mehr in Anspruch genommen. Die anderen waren in den letzten 3,5 Jahren ein- bis achtmal beim Osteopathen gewesen – zum Teil nicht wegen Schmerzen, sondern rein prophylaktisch.

Therapeut soll urologische
 Erfahrung besitzen

Positiv werteten die Patienten, durch die erlernten Übungen und Verhaltensweisen eine Art „Selbsthilfeprogramm“ zur Verfügung zu haben, das sie bei Bedarf anwenden konnten. Dies könnte auch zur Nachhaltigkeit der Behandlung beitragen, so Frau Marx.


Aus Sicht der Osteopathin handelt es sich um eine sehr patientenfreundliche Therapie, die bei chronischem Beckenschmerzsyndrom häufiger in Erwägung gezogen werden sollte. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings die Behandlung durch einen gut ausgebildeten, sehr erfahrenen Therapeuten, der möglichst über Erfahrungen im Bereich der Urologie verfügen sollte.


* In der Osteopathie: System aus Gehirn, Rückenmark, den peripheren Nerven und dem vegetativen Nervensystem


Quelle: Sylvia Marx et al., 
Urologe 2013; 52: 384-390

 

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