Sonntag, 24. Juli 2016

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In 1 von 3300 Fällen endet die Masern-Infektion tödlich.

In 1 von 3300 Fällen endet die Masern-Infektion tödlich.

17.08.2013
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: CDC
Artikel Nummer: 21280
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Masern-Enzephalitis häufiger als gedacht

Alarmierende Botschaft: Nach einer Masern-Infektion besteht noch Jahre später ein hohes Risiko für die potenziell letale Masern-Enzephalitis.


Masern-Ausbrüche in mehreren Bundesländern wie Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Wochen die Diskussion über die Folgen der Impfmüdigkeit wieder aufleben lassen. Und das Risiko für tödliche Spät-Komplikationen der Maserninfektion ist offenbar höher als bisher angenommen, wie aus eine aktuellen 
Publikation hervorgeht.

Masern: Kognitiver Abbau, Koma 
und Tod als Langzeitfolge

Subakute sklerosierende PanenzephalitisDie subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ist eine Masern-Spätkomplikation, die – so dachte man – vor allem bei Kindern zwischen dem 6. und 13. Lebensjahr auftritt. Es gibt bisher keine Heilung, nach einer quälenden Phase, in der die Kleinen immer mehr kognitiv abbauen, fallen sie nach ein bis drei Jahren ins Koma und sterben.


Die letal verlaufende persistierende Infektion mit dem Wildtyp-Masernvirus betrifft jedoch nicht wie bisher angenommen einen von 100 000 Fällen, sondern (bei unter Fünfjährigen) einen von 3300 Fällen, erklärte Dr. Benedikt Weißbrich vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg laut einer Pressemitteilung der Universität.


Diese Angabe stützt sich auf eine Untersuchung des Instituts für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Zwischen 2003 und 2009 wurden insgesamt 31 SSPE-Fälle bei Kindern erfasst.

SSPE-Risiko höher als angenommen nach Masern-Infektion

Die anamnestischen Nachforschungen ergaben, dass zumindest 13 Patienten sich zwischen 1994 und 2001 in Deutschland mit dem Masernvirus infiziert hatten – und zwar im Alter unter fünf Jahren. Aus dem Abgleich mit der Gesamtzahl der Masern-Erkrankungen errechnete sich für kleine Kinder ein SSPE-Risiko von 1 zu 3300. Erstmals liegen also Daten zur SSPE-Häufigkeit in Deutschland vor, betonen die Kollegen.


Detaillierte Analysen ergaben, dass das Enzephalitis-Risiko nach Masern-Infektion im ersten Lebensjahr besonders hoch liegt.
Damit ergibt sich eine gefährliche Impfschutz-Lücke für die Kleinsten, denn die Masern-Impfung erfolgt erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat. Nur eine Strategie, bei der so viele Menschen wie möglich gegen Masern immunisiert werden, kann auch ungeimpfte Kinder im ersten Lebensjahr vor der Infektion schützen.


Die Tatsache, dass es allein 2013 schon mehr als 1000 Masernfälle in Deutschland gegeben hat, zeige, dass man von diesem Ziel aber noch weit entfernt sei, kritisieren die Forscher. Die 
 SSPE-Inzidenz kann regional variieren und sich im Lauf der Zeit verändern. Bislang haben sich erst wenige Studien mit dieser Masernkomplikation beschäftigt. Mehr Forschung ist nach Ansicht von Dr. Weissbrich nötig, um die „desaströse Erkrankung“ besser verhüten zu können.

Quelle: K. Schönberger et al., 
PLoS ONE 8(7): 2013 online first

 

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