Sonntag, 26. Oktober 2014

Fokus Medizin

Ösophaguskarzinom - Betroffene helfen sich über Facebook

Infos zur Ösophaguskarzinom-Resektion finden Betroffene auch auf Facebook.

28.11.2011
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: youtube
Artikel Nummer: 18511
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Ösophaguskarzinom - Betroffene helfen sich über Facebook

Krebs-Community bei Facebook und Crohn-Infos auf Youtube: Social Media treten zunehmend auch in den Dienst der Medizin.


Nützen diese Foren den Kranken ausschließlich oder bergen sie auch Risiken und Nebenwirkungen? Dem Siegeszug von Facebook und Twitter kann sich kaum jemand mehr entziehen. Doch lassen sich diese mächtigen Plattformen nicht auch für Patienten nutzen, die Erfahrungsaustausch, Information und Unterstützung suchen?


Forscher der Mayo Clinic Jacksonville in Florida haben sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt und eine Facebook-Gruppe für Patienten mit Speiseröhrenkrebs gegründet. Beim Jahreskongress des American College of Gastroenterology (ACG) berichteten die Kollegen über ihre Erfahrungen.

Ösophaguskarzinom und Barrett-Dysplasie im Fokus der Studie

Die Mediziner arbeiteten sehr erfolgreich mit einer Gruppe von 65 hochmotivierten Patienten, die an einem Ösophaguskarzinom bzw. einer hochgradigen Barrett-Dysplasie erkrankt und behandelt worden waren. Ob es um wichtige Behandlungsentscheidungen, Ernährungsprobleme, Regurgitation, Schluckstörungen oder Lebensstil-Fragen nach der Krebsoperation ging – all dies stellten wichtige Diskussionspunkte für die Betroffenen selbst wie auch für ihre Familien dar.

Video zur Ösophaguskarzinom-Resektion:

 


Auch der 87-Jährige profitiert von Facebook Seit dem Jahr 2008 hatten Dr. Herbert Wolfsen und Kollegen ihr Patientenkollektiv rekrutiert, die Altersspanne dieser Facebook-Community umfasste mehr als 30 Jahre (53 bis 87 Jahre). Die Studienteilnehmer lebten verstreut in acht US-Bundesstaaten sowie in Mexiko.

Ösophagektomie: über Facebook die neuesten Verfahren kennen lernen

Über ihre Facebook-Seite tauschten sie persönliche Erfahrungen aus und erhielten zudem Informationen über innovative Diagnostik-Methoden – wie etwa neueste endoskopische Bildgebung oder minimal-invasive Ösophagektomie, z.T. über den Mayo Clinic Youtube Channel.


Social Media bilden eine wichtige neue Ressource für Patienten, die ein Ösophaguskarzinom überlebt haben, fassten die US-Autoren ihre Erfahrungen zusammen. Weitere Verbesserungen der Online-Interaktion – z.B. mittels Podcasts – sind nun in Planung.


Weniger begeistert äußerte sich eine Forscherguppe der Cleveland Clinic Foundation, die sich ebenfalls mit einer Social Media-Frage beschäftigt hatte. „Ist Youtube Freund oder Feind der Ärzte bei der Betreuung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?“, lautete der Titel ihrer Arbeit.

Qualität der Filme über CED eher schlecht bis irreführend

Uneingeschränkt bejahen konnten die Kollegen diese Frage jedenfalls nicht. Sie hatten auf Youtube von allen Filmen, die sich mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) beschäftigten, die Top 100 angeschaut und festgestellt, dass die inhaltliche Qualität sehr zu wünschen übrig ließ. In 16 % fand man ganz klar irreführende Informationen zu Therapiemöglichkeiten, und in 7 % handelte es sich um Werbung von Pharmafirmen, Ärzten oder Krankenhäusern. In 22 % sahen die Kollegen eine negative Darstellung traditioneller Therapieverfahren.

 

CED-Patienten reagieren sehr unterschiedlich auf verschiedene Behandlungsoptionen und suchen ständig nach neuer Information über ihre lebensbegleitende Krankheit, erklärte Dr. Saurabh Mukewar beim ACG-Kongress. Die Patienten wollen Austausch mit Leidensgenossen, versprechen sich davon Information aus erster Hand, die ihnen der Arzt nicht geben kann.

Beste Info-Quelle: ein Crohn-kranker Arzt

Nach Ansicht des Experten wäre die beste Infoquelle für einen CED-Patienten ein Arzt, der ebenfalls unter einer CED leidet und ein Video in Youtube einstellt. Diese Infos wären dann nicht nur medizinisch korrekt und zuverlässig, sondern gleichzeitig aus der ersten Hand eines Betroffenen.

Quelle: ACG-Kongress,  Mayo Clinic Jacksonville in Florida, Cleveland Clinic Foundation, youtube.com, facebook.com

 

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