Samstag, 19. April 2014

Fokus Medizin

Schöne, glatte Haut und schuppenfreie Haare, das wünschen sich Psoriasispatienten.
27.07.2011
Von: Dr. Andrea Wülker, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17900
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Schnelle und diskrete Hilfe bei Kopfhaut-Psoriasis

Eine neue Leitlinie fasst zusammen, wie man die Kopfhaut-Psoriasis effektiv und ohne kosmetische Probleme lindert.


Ausgerechnet am behaarten Kopf manifestiert sich die Psoriasis am häufigsten - für jeden sichtbar. In allen Psoriasis-Krankheitsstadien ist der behaarte Kopf das mit Abstand am häufigsten befallene Hautareal. Die kaum zu verbergenden Hautveränderungen belasten die Patienten ganz erheblich und mindern ihre Lebensqualität.

Salicylsäure ist nichts für Kinderköpfe

Neuentwicklungen haben in den letzten Jahren die Therapie der Kopfhaut-Psoriasis erleichtert. Deshalb wurde durch die Konsensus-Konferenz „Psoriasis des behaarten Kopfes“ eine entsprechende Öffnet externen Link in neuem FensterS1-Leitlinie erarbeitet und unter Federführung von Professor Dr. Gottfried Wozel von der Universitäts-Hautklinik Dresden im  „Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft“ veröffentlicht.


Für die Kopfhaut-Psoriasis gelten topische Substanzen als Mittel der ersten Wahl. Dazu werden üblicherweise fünf Substanzklassen eingesetzt:

  • Keratolytika,
  • teerhaltige Präparate,
  • Anthralin,
  • Glukokortikoide und
  • Vitamin-D 3 -Analoga.

Salicylsäure ist als Keratolytikum ein Klassiker: Sie soll Psoriasis-Schuppen ablösen, damit die Haut anschließend antipsoriatische Wirkstoffe besser aufnimmt. Aber die Autoren empfehlen die Anwendung (3-10 %) nur bei starker Schuppenbildung zur Initialtherapie über wenige Tage. Denn besonders bei großflächiger Anwendung kann es zu einer Salicylsäure-Intoxikation kommen. Deshalb dürfen Kinder auch nicht mit dieser Substanz behandelt werden. Eine gleichzeitige Anwendung von Salicylsäure und Vitamin-D3-Analoga ist wegen Inkompatibilitäten nicht empfehlenswert.


Außer Salicylsäure kommen zur Keratolyse auch emulgierende blande Cremes wie Ung. emuls. aquos. infrage. Teerhaltige Präparate wurden in der Dermatologie jahrelang empirisch eingesetzt. Ihr Wirkmechanismus ist jedoch nach wie vor unklar und die Daten zur Wirksamkeit von Teer-Externa entsprechen nicht modernen wissenschaftlichen Anforderungen. Deshalb wird die Anwendung von Teer und teerhaltigen Produkten nicht mehr empfohlen. Bei den Patienten waren sie wegen ihres strengen Geruchs ohnehin nie sehr beliebt!

Bio-Waschöl eignet sich für resistente Fälle

Anthralin wirkt gut bei Schuppenflechte, hat aber in der Anwendung diverse Nachteile wie Hautverfärbung und -reizung, Wäscheverschmutzung sowie Geruchsbelästigung und wird deshalb in den letzten Jahren nicht mehr so häufig eingesetzt. Allerdings bietet die Anthralinbehandlung eine relativ lange Remissionszeit. Deshalb werden unter stationären und teilstationären Bedingungen Zubereitungen mit 0,05 % bis 3 % Anthralin empfohlen. Im ambulanten Bereich kann Anthralin in Bio-Waschöl bei resistenter Kopfhaut-Psoriasis hilfreich sein.


Topische Glukokortikoide wirken bei allen Schweregraden der Kopfhaut-Psoriasis. Neben ihrer hohen Wirksamkeit und der guten Datenlage ist die Vielzahl an verfügbaren Grundlagen ein großer Vorteil von Glukokortikoid-Externa. Auf diese Weise ist eine Behandlung je nach Hauttyp und ohne wesentliche kosmetische Einschränkung möglich.

In Schaum und Schampoo verpackt kämpfen Glukokortikoide gegen die Schuppen


Die Autoren weisen besonders auf die für die Kopfhaut entwickelten Fertigpräparate in Form von Schaum und von Shampoo hin. In einer Untersuchung wurde gezeigt, dass das Shampoo die hormonelle Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse nicht beeinflusst, wenn es vier Wochen lang einmal täglich angewandt wurde.


An Vitamin-D3-Analoga stehen für die Behandlung der Kopfhaut-Psoriasis Calcipotriol und Tacalcitol zur Verfügung. Sie wirken antientzündlich, hemmen die epidermale Proliferation und fördern außerdem die Normalisierung der Keratinisation. Vitamin-D3-Analoga sind zwar nicht ganz so effizient wie stark wirksame Glukokortikoide, aber sie haben den Vorteil, dass sie nicht mit einer Tachyphylaxie einhergehen. Sie eignen sich auch für eine Langzeitbehandlung (bis zu einem Jahr).

Vitamin-D3-Analoga stehen in der ersten Reihe


Neben den topischen Steroiden gehören Vitamin-D3-Analoga in der lokalen Behandlung der Kopfhaut-Psoriasis zu den Mitteln der ersten Wahl. Falls die Externa nicht zu einer akzeptablen Besserung der Hautläsionen führen, muss die Kopfhaut-Psoriasis systemisch behandelt werden. Hierfür kommen Fumarsäureester, Methotrexat, Ciclosporin und Acitretin und auch die Biologika Etanercept, Infliximab, Adalimumab und Ustekinumab in Betracht. 


Gottfried Wozel et al., JDDG 2011; 9: 70-74

 

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