Donnerstag, 24. April 2014

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Bärenklau - schöne Pflanze, aber bitte nicht berühren.

Bärenklau - schöne Pflanze, aber bitte nicht berühren.

05.08.2012
Von: Dr. Elisabeth Nolde, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19574
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Sonnenbad: Körper weg vom Bärenklau!

Hautrötungen, Exantheme und Riesenblasen machten dem 44-Jährigen Angst: Eine Pflanze, der Bärenklau, ließ sich als Auslöser überführen.


Hals, Rumpf, Gesäß, Arme und Beine des Mannes waren mit juckenden Exanthemen übersät, als er in Jekaterinburg stationär aufgenommen wurde. Auf einigen der erythematösen Hautflecken hatten sich große, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen gebildet.


Der Durchmesser dieser prallen Blasen betrug bis zu 7,5 cm. Außerdem klagte der 44-Jährige über allgemeine Schwäche, hatte leicht erhöhte Temperatur bis 37,3 °C und Angst angesichts der raschen Eskalation seiner Hautsymptomatik innerhalb weniger Tage.

Riesenblasen, weil Furocumarine die Photosensibilität erhöhen

Auf Rückfragen stellte sich heraus, dass der Mann gleichzeitig zwei kritische Hautexpositionen hinter sich hatte: die zufällige Berührung „einer ihm unbekannten Pflanze“ plus Besonnung. Dies berichteten Dr. Igor A. Kuklin vom Wissenschaftlichen Forschungsinstitut des Uralgebiets für Dermatovenerologie und Immunopathologie und Kollegen in der Zeitschrift „Aktuelle Dermatologie“.


Während eines vierstündigen Sonnenaufenthaltes habe er zufällig diese Pflanze berührt, berichtete der Patient. Diese entpuppte sich während der fachkundigen Befragung durch Kollegen – unterstützt von Pflanzenfotomaterial – als Bärenklau (Heracleum). Die Diagnose hieß: schwere Phytophotodermatitis.

Blasenflüssigkeit nach Bärenklau-Kontakt nicht berühren!

Sogenannte Furocumarine, die Bestandteil verschiedener Pflanzen sind, wirken gewissermaßen als Photosensibilisatoren und lösen nach Hautkontakt plus anschließender UV-A-Bestrahlung phototoxische Reaktionen aus. Insbesondere Doldenblütler (Apiaceae) enthalten Furocumarine – und zu dieser Pflanzenfamilie gehört neben Petersilie, Sellerie, Anis und Chrysanthemen auch Bärenklau.


In Europa ist der Bärenklau mit seinen etwa 70 Unterarten weit verbreitet. Das Tückische: Alle Teile der Pflanze enthalten die gefährlichen Furocumarine. Nach Hautkontakt mit der Pflanze in Kombination mit Sonnenexposition entwickeln sich innerhalb von 24 Stunden rötliche Hautflecken. Die Hautveränderungen können sich binnen 48 bis 72 Stunden dramatisch verschlimmern: Große Exantheme blühen auf und darauf bilden sich Blasen mit serösem Inhalt.


Wegen der hohen Furocumarinkonzentration in den Blasen sollten Ärzte aufpassen, wenn sie betroffene Patienten versorgen, und Kontakt mit der Blasenflüssigkeit vermeiden, warnen die Autoren.

Pflanze berührt? Haut abspülen!

Was kann man tun, um sich nach versehentlichem Pflanzenkontakt vor den Hautläsionen zu schützen? Gründliches Abspülen der Haut mit Wasser und Seife, so der Rat des Experten. Außerdem sollte man in den nächsten 48 Stunden die Sonne meiden.


Falls es für diese vorbeugenden Maßnahmen zu spät ist, helfen bei leichten Manifestationen kühlende Umschläge und topische Steroide. Bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf sind systemische Glukokortikosteroidgaben unumgänglich.


Die Prognose der Dermatose ist dem Experten zufolge nach angemessener Therapie günstig. Allerdings müsse nach Abheilung mit sekundären Hyperpigmentierungen gerechnet werden – bis auf dieses Überbleibsel heilten auch die schweren Manifestationen des 44-jährigen Patienten ab.


Quelle: Igor A. Kuklin, N. V. Kungurov, M. M. Kokhan, M. K. Malyschewa „Ein schwerer Fall der Phytophotodermatitis, verursacht durch den Kontakt mit Bärenklau (Heracleum)“, Akt Dermatol 2012; 38: 118-120 © Georg Thieme Verlag, Stuttgart

 

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