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Montag, 20. Mai 2013

Fokus Medizin

Beim Tauchurlaub auf Nummer sicher gehen.

01.05.2012
Von: Dr. Andrea Wülker, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19263
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Tauchurlaub geplant - Was ist zu beachten?

Tauchen ist die Passion vieler Tropenurlauber. Bei dieser faszinierende und gleichzeitig gefährlichen Sportart gibt es einige Dinge zu beachten.


Jedes Jahr zieht es hunderttausende Urlauber zum Tauchen in tropische Gewässer und nicht alle kommen wohlbehalten zurück. Zu den Besonderheiten des Tauchens kommen im tropischen Klima weitere Risiken hinzu, schreibt Dr. Karl-Peter Faesecke von der Taucher-und Druckluftärztlichen Untersuchungsstelle am Wilhelmsburger Krankenhaus, Hamburg, in „Flugmedizin Tropenmedizin Reisemedizin“.


Schon bei der Planung des Urlaubs sollte man Impfvorschriften und -empfehlungen des Reiselandes beachten und sich informieren, ob eine Malariaprophylaxe sinnvoll ist.

Tauchparadies Australien: Seewespe fordert mehr Opfer als Haie

Auch von Unterwasser-Getier droht Gefahr: Je wärmer das Wasser, desto brisanter die dort beheimateten Lebewesen – vom Einzeller bis zum Hai, betont Dr. Faesecke. Respekt sollte man nicht nur vor Tieren haben, die beißen, wie etwa Krokodile, Muränen, Piranhas oder Seeschlangen, sondern auch vor solchen, die einen Giftstachel besitzen oder bei Kontakt Toxine abgeben.


Diese Gifte entfalten z.T. neurotoxische, hämolytische und myolytische Wirkung. Die australische Seewespe beispielsweise fordert durch ihr Gift jedes Jahr mehr Opfer als Haie weltweit!

Tauchurlaub wegen Otitis externa vorbei

An der Wasseroberfläche holt man sich schnell einen Sonnenbrand, weshalb Schnorchler unbedingt für guten Sonnenschutz, z.B. durch Kleidung, sorgen sollten. In tieferen Wasserschichten droht dagegen Unterkühlung, weshalb der Autor einen Neoprenschutz (3–4 mm) empfiehlt.


Die permanente Auswaschung des sauren Gehörgangsmilieus begünstigt eine schmerzhafte Otitis externa. Diese stellt zwar keine gravierende Erkrankung dar, kann aber den teuren Tauchurlaub ruinieren – deshalb lieber durch geeignete Prophylaxe vorbeugen.

Tauchen in den Tropen: Mit Nullzeittauchgängen beginnen

Alle Sicherheitsregeln, die Sporttaucher in ihrer Ausbildung zu Hause gelernt haben, gelten natürlich auch in den Tropen, und sollten in der Urlaubseuphorie nicht leichtsinnig beiseitegeschoben werden.


Tauchpartner sollte man mit Bedacht und nicht abends an der Bar auswählen. Dr. Faesecke rät, sich zunächst auf Nullzeittauchgänge (ohne Dekompressionsstopps) zu beschränken. Solche Stopps sind beim Auftauchen aus tiefen Wasserschichten notwendig. Denn der im Überdruck in den Organismus zusätzlich aufgenommene Luftstickstoff muss während des Aufstiegs zur Oberfläche den Körper wieder verlassen.


Zehn Tipps vom Taucherarzt

 

  • Nie allein tauchen!
  • Tauchpartner kritisch wählen.
  • Urlaub nicht mit Tauchgängen überladen.
  • Nicht tiefer als 30 m tauchen.
  • Langsam an größere Tiefen gewöhnen.
  • Auf das eigene Gefühl hören.
  • Gruppendruck aushalten.
  • Viel trinken, aber das Richtige!
  • Wenn es nicht ohne Rauchen geht: Die letzte Zigarette am Abend vor dem Tauchen.
  • Kein Alkohol unter Wasser.

 

Taucherkrankheit: Luftembolie unabhängig von Tauchtiefe 

Sinkt der Umgebungsdruck zu schnell ab, können Stickstoffmoleküle zu Blasen konfluieren und, wenn dies intrazellulär geschieht, nicht abtransportiert werden. Störungen der Zellfunktion sind die Folge, was sich v.a. am ZNS bemerkbar macht (Taucherkrankheit).  Unabhängig von der Tauchtiefe und -dauer kann eine arterielle Luftembolie auftreten.


Wenn es bei zu raschem Aufstieg und unzureichender Abatmung zu einer Überblähung von Lungenalveolen kommt, können Luftbläschen ins venöse pulmonale Strombett und in die Kopfarterien gelangen, was massive zerebrale Symptome hervorruft.

Mit Druckkammer Querschnittslähmung verhindern

Für die kausale Therapie der durch Gasblasen ausgelösten Krankheitszeichen ist eine Druckkammer erforderlich, in der die Sauerstoffatmung unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt wird. Leider gibt es gerade in den schönsten Tauchgebieten oft nicht die entsprechende Infrastruktur. Dann bleibt nur der teure Transport in ein Zentrum, um eventuell schwere Folgen wie eine Querschnittslähmung zu verhindern.


Tauchuntersuchung ganz genau dokumentieren!

In Deutschland darf jeder Arzt Sporttaucher untersuchen und beraten, formale Vorgaben dafür gibt es nicht. Auf der Webseite der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) gibt es Empfehlungen für die Untersuchung von Sporttauchern sowie entsprechende Formulare (www.gtuem.org). Dr. Faesecke rät allen Kollegen, die nur gelegentlich Sporttaucher in ihrer Praxis untersuchen, sich im Untersuchungsgang konsequent an die Vordrucke einer Fachgesellschaft wie der GTÜM zu halten und die Anamnese und alle Befunde sorgfältig zu dokumentieren.


Wenn Sie ein Attest ausstellen, das „keine ärztlichen Bedenken gegen die Ausübung des Gerätetauchens“ bescheinigt, drohen nach einem Tauchunfall rechtliche Auseinandersetzungen mit Versicherern oder schlimmstenfalls mit Hinterbliebenen. Gut, wenn Sie dann auf eine umfassende Befunddokumentation zurückgreifen können.


Quelle: Karl-Peter Faesecke, FTR 2011; 18: 274-282

 

 

 

 

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