Montag, 22. September 2014

Fokus Medizin

12.01.2011
Von: Dr. Carola Gessner Foto: Irisblende
Artikel Nummer: 16623
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Tödliche Fallstricke bei der Reanimation

Notfall Herzkreislaufstillstand, jetzt heißt es: Thorax komprimieren und beatmen. Dabei lauern jede Menge Fehlermöglichkeiten.


Solange die Atemwege Ihres pulslosen Patienten noch nicht gesichert sind, erfolgt die Reanimation leitliniengerecht im Rhythmus 30 : 2. Die Thoraxkompressionen sollten so gut wie gar nicht unterbrochen werden, riet Dr. Ralf Schnelle, Bereitschaftsarzt vom Malteser Hilfsdienst in Stuttgart beim 45. Süddeutschen Kongress für aktuelle Medizin 2010. Nie eine Lücke von mehr als zwei Sekunden lassen: „Auch wenn oben am Kopfende alles schief geht, immer weiter drücken, das ist die Kernbotschaft der ERC-Guidelines.“

Druckpunkt richtig wählen

Mitte des Brustkorbs, besagen die Leitlinien, das heißt beim Erwachsenen Mitte der unteren Sternumhälfte. Hier greift Dr. Schnelle als „herbeigeeilter Notarzt“ immer wieder korrigierend ein – was vor Ort oft für Unmut sorgt. Doch in einem Drittel bis der Hälfte der Fälle drückt der Ersthelfer viel zu weit oben, also eher auf der oberen Sternumhälfte.

Die meisten Helfer entlasten zu wenig

Drucktiefe und Entlastung sind ebenfalls essenziell für eine ausreichende Zirkulation: Computerauswertungen beim Reanimationstraining zeigen, dass Helfer oft schon nach zwei Minuten nicht mehr richtig entlasten. Ein Helferwechsel zu jeder Monitor-Analyse (alle zwei Minuten schaut man, was sich getan hat) beugt solchen Erschöpfungssymptomen vor.

Nicht überblähen

Sobald die Atemwege gesichert sind (durch endotracheale Intubation oder supraglottische Atemwegshilfen wie Larynxtubus oder Kombitubus), erfolgt die Herzmassage kontinuierlich, beatmet wird dann asynchron. Hier lauert schon die nächste Falle: „Bitte den Ambubeutel nur halb zusammendrücken“, appellierte der Rettungsmediziner.

 

Alle sechs Sekunden sollten Sie ein Atemzugvolumen von 500–600 ml insufflieren. Oft quetschen Helfer den Beutel alle zwei Sekunden total aus und blähen den Patienten regelrecht auf. Dadurch nimmt das HZV erwiesenermaßen ab. Eine Kapnographie zur Tubus- Lagekontrolle empfiehlt Dr. Schnelle standardmäßig vorzunehmen

Unterkühlte Patienten erstmal aufwärmen 

Und schließlich noch das Hypothermie- Szenario: „Frühmorgens finden Sie jemanden, der abends noch Schnee schippen musste ...“ Nicht für tot erklären, erst mal wieder erwärmen, lautet jetzt die Devise: Im Klartext heißt das, den Patienten unter Reanimation ins Krankenhaus bringen. Pulskontrolle und EKG-Diagnostik sollen sehr ausführlich bis zu einer Minute erfolgen: „Der Patient hat vielleicht alle zehn Sekunden eine Herzaktion, evtl. sogar mit einem Karotispuls, der bei der schweren Unterkühlung ausreicht.“

 

Ansonsten erfolgen die Basismaßnahmen Herzmassage und Beatmung wie bei jeder „stinknormalen“ Reanimation. Besonderheiten ergebensich dagegen in Sachen Pharmakotherapie und Defibrillation. Bei einer Körperkerntemperatur unter 30 °C muss man auf Medikamente komplett verzichten. Liegt ein Patient bei 32 °C, darf er Adrenalin bekommen, dann aber nur alle acht Minuten. Defi-Applikationen sind bei schwerst Unterkühlten (< 30 °C) nur dreimal erlaubt.

 

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