Donnerstag, 24. April 2014

Fokus Medizin

Diese Trias spricht fürs multiple Myelom

Beim Multiplen Myelom: Geldrollenbildung im Blutausstrich?

29.04.2012
Von: Dr. Andrea Wülker, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19273
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Trias spricht fürs multiple Myelom

An einem multiplen Myelom erkranken meist ältere Patienten. Die Beschwerden sind eher unspezifisch. Aber es gibt typische Merkmale...


Beim multiplen Myelom handelt es sich um eine Neoplasie der Plasmazellen: Die entarteten Zellen bilden monoklonales Immunglobulin. Frühsymptome wie Müdigkeit, Knochenschmerzen oder Gewichtsverlust lassen nicht unbedingt an etwas Hämatologisches denken, sondern eher an häufige Erkrankungen wie Arthrose, Depression oder Diabetes, schreiben australische Kollegen im „British Medical Journal“.

Merkmal des multiplen Myelom: Geldrollenbildung im Ausstrich

Doch es gibt ein wichtiges Merkmal des multiplen Myeloms: monoklonales Paraprotein im Blut oder Urin. Eine erhöhte BSG oder Geldrollenbildung der Erythrozyten im Blutausstrich können auf die zugrunde liegende Paraproteinämie hinweisen.


Je früher das Myelom erkannt wird, desto besser. Denn unbehandelte Patienten entwickeln häufiger schwerwiegende Komplikationen wie pathologische Frakturen aufgrund von Osteolysen, terminales Nierenversagen oder – seltener – eine Rückenmarkskompression aufgrund extramedullärer Tumorherde.

Sehstörungen durch zu dickes Blut beim multiplen Myelom

Die klinischen Zeichen des Myeloms sind entweder durch die Infiltration maligner Plasmazellen in Knochen oder andere Organe bedingt – z.B. Hepatosplenomegalie oder Myelosuppression durch Knochenmarkinfiltration – oder durch die Bildung von Paraprotein.


Es kann zu einem Hyperviskositätssyndrom mit Kopfschmerzen und Sehstörungen kommen. Sogennante Leichtketten, also von den malignen Zellen gebildete Immunglobulinfragmente, im Serum können ebenfalls zu Komplikationen führen (z.B. Leichtketten-Nephropathie).

Achtung beim multiplen Myelom: Osteolyse treibt Kalzium hoch

Besteht der Verdacht auf ein multiples Myelom, empfehlen die australischen Kollegen folgende Untersuchungen als Basisdiagnostik:

  • großes Blutbild: Aufspüren von Anämien bzw. Zytopenien, die als Folge der Knochenmarkinfiltration auftreten können.

  • Blutausstrich: Eine Geldrollenbildung der Erythrozyten kann auf eine Paraproteinämie hinweisen.

  • Laborchemische Diagnostik: Auffällige Nierenwerte als Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung, Hyperkalzämie aufgrund der Knochendestruktion (die Zytokinexpression der Myelomzellen führt zu einer osteoklastischen Knochenresorption), Hyperurikämie als Folge des erhöhten Tumorzell-Turnovers.

  • Leberfunktionstests dienen dazu, die Gesamtproteinkonzentration genauer zu erfassen.

Myelompatienten zeigen häufig hohes Gesamtprotein

Manchmal ist ein unerwartet hoher Gesamtproteinwert der einzige Hinweis auf die Paraproteinämie. Auch eine stark erhöhte BSG kann Zeichen eines multiplen Myeloms sein. So lag einer Studie zufolge die durchschnittliche BSG von Myelompatienten kurz nach der Diagnosestellung bei 85 mm/h.


Monoklonale Paraproteine lassen sich mittels Serumproteinelektrophorese und Immunfixation sowie evtl. durch Nachweis freier Leichtketten im Serum ermitteln. Klagt ein Patient über Knochenschmerzen und liegt gleichzeitig eine Nierenfunktionsstörung oder Anämie mit Geldrollenbildung im Ausstrich vor, sollte ein Hämatologe hinzugezogen werden.

 

Quelle: Danny C. Hsu et al., BMJ 2012; 344: 4749

 

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