Dienstag, 16. September 2014

Fokus Medizin

Tuberkulose: Kultur bekommt Konkurrenz

Beim neuen Tuberkulosetest wird die Rifampicin-Sensibilität mitgetestet.

15.01.2012
Von: Dr. St. Kronenberger, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 18729
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Tuberkulose: Kultur bekommt Konkurrenz

In der Tuberkulosediagnostik hat sich einiges getan. Extrapulmonale Manifestationen lassen sich mit einem neuen Test aufspüren.


Bei der Frage, ob eine Infektion zur aktiven Krankheit wird, sind IGRAs* dem Hauttest überlegen. Und zur Prognose kann das Serum-Procalcitonin herangezogen werden. Für den Nachweis extrapulmonaler Manifestationen, die bei uns etwa 5 % der Tuberkulose-Infektionen ausmachen, steht mit dem GeneXpert® System ein zuverlässiges und schnelles Testverfahren zur Verfügung (Ergebnis innerhalb von zwei Stunden).

Auch bei extrapuomonalem Probenmaterial hohe Spezifität und Sensitivität

Seine Leistungskraft wurde bisher in drei Studien mit extrapulmonalem Probenmaterial geprüft, erklärte Professor Dr. Peter Zabel von der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel auf dem Pneumo-Update 2011. In Deutschland testete man 521 Proben aus Urin, Magensaft, Gewebe, Pleurapunktaten, Liquor und Stuhl.


Als kombinierte Sensitivität und Spezifität des Assays wurden 77 % und 98 % ermittelt. In einer indischen Studie mit 547 Patienten betrug die Sensitivität 81 % und die Spezifität 99,6 %. Spanische Forscher kamen laut Prof. Zabel zu noch besseren Ergebnissen. In ihrer Untersuchung wurden 340 Proben getestet und eine 95 %ige Spezifität und 100 %ige Sensitivität errechnet.

Tuberkulosediagnostik: Rifampicin-Sensibilität wird mitgetest

Außerdem kann man mit dem neuen Nachweisverfahren eine mögliche Rifampicin-Resistenz der Erreger ermitteln. Eine weitere Studie erreichte bei dieser Indikation eine Sensitivität von 98 %. Dieser schnelle und einfache Test wird die Tuberkulosediagnostik weltweit verbessern, da nicht nur die Frage nach der Tuberkulose, sondern auch gleich die Frage der Rifampicin-Sensibilität beantwortet wird, unterstrich der Referent in seinem Fazit.


Gleichzeitig betonte er, dass zurzeit noch die Kultur den Goldstandard darstellt. In der Diagnostik der latenten Tuberkulose werden seit einiger Zeit gamma-Interferon-Release-Assays (IGRAs) eingesetzt. Inzwischen gibt es für dieses Verfahren Nachbeobachtungszeiten von vier Jahren.

Tuberkulosetest: Was leisten die IGRAs wirklich?

In einer Metaanalyse, in die 60 Studien eingingen, wurde der Stellenwert der IGRAs untersucht. Die Analyse der Daten ist allerdings sehr komplex und die Autoren äußern sich nur vorsichtig. Der negativ prädiktive Wert für die Progression einer Infektion mit M. tuberculosis hin zur manifesten Erkrankung innerhalb von zwei Jahren beträgt 97 % (TB-Spot) bzw. 99,8 % (Quantiferon).


Die Spezifität der Tests wird beim immunkompetenten Erwachsenen mit 98 bis 100 % angegeben. Aus den Studien sind zwar keine repräsentativen Daten zum negativen oder positiven prädiktiven Wert abzulesen, so der Experte. Es ist aber davon auszugehen, dass der Quantiferon-Test gegenüber dem Tuberkulose-Hauttest einen etwas höheren prädiktiven Wert für die zeitnahe Entwicklung einer Tuberkulose hat.

Pulmonale Tuberkulose: Procalcitonin besser als CRP

Dies gilt vor allem für Personen mit intakter Immunität und hoher Vortestwahrscheinlichkeit. Für die Diagnose einer aktiven Tuberkulose allerdings haben IGRAs nur eingeschränkte Bedeutung. 


Auch der Stellenwert des Procalcitonins (PCT) wurde in Studien untersucht. In einer westafrikanischen Untersuchung hat man bei 218 von 365 Patienten mit neu diagnostizierter pulmonaler Tuberkulose das Procalcitonin bestimmt. Es zeigte sich keine direkte Assoziation zwischen dem gleichzeitig ermittelten HIV-Status und den Procalcitonin- oder CRP-Spiegeln, berichtete der Experte.

Gute Korrelation von Procalcitonin mit dem Schweregrad der Tuberkulose

Allerdings korrelierten die Procalcitonin- Werte im Serum der Patienten signifikant mit der Schwere der tuberkulösen Lungenerkrankung. Beim CRP-Wert dagegen zeigte sich keine entsprechende Korrelation.


* gamma-Interferon-Release-Assays

 

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte