Samstag, 30. August 2014

Fokus Medizin

In der Schwulenszene lauert besonders hohe HIV-Gefahr.
22.07.2011
Von: Maria Weiß, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17881
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Tuberkulose plus HIV bitte zeitversetzt behandeln

Tuberkulose stellt weltweit eine der führenden Todesursachen dar. Ein Grund für die hohe Prävalenz: die unheilvolle Allianz mit der HIV-Infektion.


Während bei uns die Inzidenz der Tuberkulose bei 5,4 pro 100 000 Einwohner liegt, findet man weltweit eine Rate von 139 auf 100 000. In Ländern südlich der Sahara mit hoher HIV-Inzidenz steigt die Rate auf bis 1600/100 000, sagte Dr. Barbara Kalsdorf vom Forschungszentrum Borstel. 

Erst Tuberkulose, dann HIV-Serokonversion

In besonders betroffenen Städten in Südafrika sind über 60 % der Tuberkulose-Kranken auch HIV-infiziert. Die hohe Tbc-Inzidenz bei HIV-Positiven scheint nicht allein dem brachliegenden Immunsystem geschuldet. So zeigte eine Kohortenstudie bei südafrikanischen Minenarbeitern, dass die Tuberkulose-Inzidenz bereits im ersten Jahr nach der HIV-Serokonversion auf mehr als das Doppelte ansteigt.

Tbc-Form ist abhängig vom HIV-Stadium.

Bei sehr niedrigen CD4-Zellzahlen und hoher Viruslast findet man gehäuft disseminierte und extrapulmonale Formen - bei CD4-Zellzahlen zwischen 200 und 500 v. a. primär progressive Formen der Lungentuberkulose.

Warum haben Tuberkel-Bazillen bei HIV-Positiven leichtes Spiel?

Offensichtlich schwächt das HI-Virus direkt die Granulombildung, so Dr. Kalsdorf. Dies hat zur Folge, dass die ansonsten gut „eingemauerten“ Erreger ausschwärmen und die Infektion vorantreiben. Außerdem fällt die mycobakterienspezifische Immunantwort in der Lunge bei HIV-Infektion deutlich schwächer aus - und zwar nicht nur in der Quantität, sondern auch in der Qualität.

Bei der Therapie von HIV-infizierten Tbc-Patienten zu beachten

Wenn die Patienten bisher noch keine HAART erhielten, sollte man jetzt auch noch etwas damit warten und zuerst mit der Tuberkulosebehandlung beginnen, so die Expertin. Andernfalls droht mit der Wiederherstellung der Immunantwort ein überschießendes „Immunrekonstruktions-Syndrom“ (IRIS) mit paradoxer klinischer Verschlechterung der Tuberkulose. Bei CD4-Zellzahl < 50 sollte man der antituberkulösen Therapie zwei Wochen Vorlauf vor der HAART geben, bei Zellzahlen > 50 zwei Monate. Da die gesamte Therapie bei Doppelinfektionen sehr komplex ist und auch zahlreiche Medikamenteninteraktionen zu beachten sind, sollten Tbc-kranke HIV-Patienten möglichst in spezialisierten Zentren behandelt werden, so Dr. Kalsdorf.

Quelle: 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

 

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