Dienstag, 28. Juni 2016

Fokus Medizin

Überlastung gefährlicher als Foul-Spiel

Fußball-Verletzungen entstehen häufig gar nicht durch Foul-Spiel.

09.01.2013
Von: Maria Weiß, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 20429
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Überlastung gefährlicher als Foul-Spiel?

Verfolgt man Bundesliga und internationale Wettkämpfe, scheinen Verletzungen im Profi-Fußball immer mehr zuzunehmen. Woran liegt‘s?


Die Anforderungen im Profi-Fußball sind enorm gestiegen, sagte Professor Dr. Jürgen Freiwald von der Sportwissenschaftlichen Bergischen Universität Wuppertal beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Laufleistung ist mit 10 bis 14 km pro Spiel zwar weitgehend gleich geblieben, die Intensität hat aber deutlich zugenommen.

Über- und Fehlbelastung durch höhere Anforderungen im Profi-Fußball

So werden im Profibereich pro Spiel bis zu 160 Sprints oder hoch intensive Läufe absolviert. Zudem bestreiten die Spieler der Spitzenvereine jährlich 70 bis 80 Spiele. Eine Regeneration sei kaum noch möglich, meinte der Sportmediziner. Die Folgen: Die meisten Verletzungen entstehen auf der Basis von Über- und Fehlbelastungen – vorausgegangen sind oft wiederholte Mikrotraumen mit Veränderungen der Koordination.


Einem guten Trainer sollte dies bei der Beobachtung des Spielers während des Trainings und im Wettkampf auffallen, meinte Prof. Freiwald. Auch wenn der Zuschauer manchmal einen anderen Eindruck hat: Nur 12 bis 28 % aller Verletzungen entstehen durch Foul-Spiel und 26 bis 59 % ohne jeden Gegnerkontakt. Naturgemäß ist die untere Extremität mit Fuß-, Sprung- und Kniegelenk besonders gefährdet.

Jede vierte Verletzung ist ein Wiederholungstrauma!

Vor allem Kapsel-, Band- und Muskelverletzungen drohen, ferner Frakturen und Luxationen. Prellungen und Muskelverletzungen finden sich typischerweise im Bereich von Waden, Oberschenkelmuskulatur, Adduktoren und dem Bauch. Als Risikofaktoren kennt man bei Fußballspiellern vor allem vorausgegangene Verletzungen. Jedes vierte Trauma ist eine „Wiederverletzung vom gleichen Typ und an gleicher Stelle“, erklärte Prof. Freiwald.


Auch bereits vor dem Spiel bestehende Gelenkschmerzen erhöhen das Risiko erheblich und sollten daher immer abgefragt und berücksichtigt werden. Ältere Spieler verletzen sich häufiger als jüngere, sodass Training und Regenerationszeiten anzupassen sind.

Verletzungen häufiger im Spiel als im Training

Als weiterer Risikofaktor gilt ein Vereinswechsel. Und auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle: Verletzungen treten wesentlich häufiger im Spiel als im Training auf (3,4 vs. 25,9 pro 1000 Stunden). Die jeweils letzten 15 Minuten einer Halbzeit sind am verletzungsträchtigsten. Bei der Prävention sind vor allem Trainer und Betreuer gefragt.

Regeneration: Ein wichtiger Trainingsbestandteil

Durch verbesserte technische und koordinative Fähigkeiten wird die biomechanische Belastung deutlich gemindert. Auch taktische Fähigkeiten können dazu beitragen, verletzungsträchtige Spielsituationen besser zu erkennen und zu vermeiden. Die Regeneration gehört fest zum Trainingsplan.


Keinesfalls sollte das Regenerationstraining als erneute Belastung gestaltet werden, betonte der Sportmediziner. Außerdem empfahl er, Spieler genau zu beobachten und ihnen zuzuhören. Wenn eine Übung sichtbar schwer falle, könne man sie auch mal weglassen.

 

Quelle: Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie

 

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