Dienstag, 02. September 2014

Fokus Medizin

Im Darm führt EHEC mit seinem Shiga-Toxin zu blutigen Durchfällen.
31.05.2011
Von: Dr. Stefanie Kronenberger Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17622
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Was Sie über EHEC und HUS wissen sollten

Die EHEC-Welle schwappt über Deutschland: Zahllose Menschen sind an dem gefährlichen Darmbakterium schwer erkrankt, mindestens 15 daran gestorben.


Krankheitsfälle durch enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind kein neues Phänomen. So wurden beispielsweise im Jahr 2002 in Deutschland 1249 Fälle gemeldet, auch kommt es immer wieder zu Häufungen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS), der extraintestinalen Manifestation der Infektion.

1. Ursache von EHEC-Durchfall und hämolytisch-urämischem Syndrom

Ursache der Erkrankung sind Shiga-Toxine – eine heterogene Gruppe extrem potenter Zellgifte, für die sich unterschiedliche Assoziationen zum Schweregrad des Krankheitsbildes nachweisen ließen. Die Toxine werden in den Zielzellen aufgenommen, unterbrechen die Proteinbiosynthese und führen so zum Zelltod.


Wie EHEC in der Frühphase der Infektion mit den intestinalen Epithelzellen interagieren, ist bisher noch unklar. Auch weiß man nicht, wie das Shiga-Toxin das Nierenendothel erreicht, heißt es auf der Homepage des Konsiliarlabors für Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) am Institut für Hygiene der Universität Münster.

2. Vorkommen und Übertragungswege von EHEC

Enterotoxinbildende hämorrhagische Escherichia coli kommen natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern, wie Rindern, Schafen, Ziegen, Rehen und Hirschen, vor. Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus, ohne selbst zu erkranken.

 

Auf den Menschen übertragen werden EHEC nachweislich

  • durch kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser. Auch keimhaltiges Badwasser kann zur Erkrankung führen, wenn es verschluckt wird.

  • Da bei manchen EHEC-Stämmen bereits eine Keimzahl von weniger als 100 Erregern für eine Infektion ausreicht, ist eine indirekte Übertragung der besonders säuretoleranten Keime als Schmierinfektion von Mensch zu Mensch möglich.

  • Ein weiterer Infektionsweg ist der direkte Tierkontakt zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in Schlachthöfen. Ob auch der Besuch eines Streichelzoos infektiologische Bedeutung haben kann, ist unklar.

3. Symptome der EHEC-Infektion und des hämolytisch-urämischen Syndroms

Bei immunkompetenten Erwachsenen verläuft eine EHEC-Infektion oft klinisch stumm. Kommt es nach ein- bis drei-, selten achtttägiger Inkubationszeit zu Durchfall, so ist dieser zunächst meist wässrig, im weiteren Verlauf zunehmend wässrig-blutig. Betroffene Patienten klagen häufig über Tenesmen, bei Kindern kann es auch zu Fieber, Übelkeit und Erbrechen kommen.


Schwere Krankheitsverläufe wurden bisher vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern, Alten und Immunsupprimierten beobachtet. In 10–20 % der Fälle entwickelt sich eine hämorrhagische Kolitis.


Das hämolytisch-urämische Syndrom ist zumeist mit EHEC assoziiert und wird charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Thrombozytopenie und intravasale Hämolyse mit Nachweis von fragmentierten Erythrozyten.

 

Es manifestiert sich etwa sieben Tage nach Beginn der wässrigen Durchfälle. Zwei Drittel der Betroffenen müssen während der akuten Krankheitsphase dialysiert werden. Als Folgeerkrankungen können chronische Niereninsuffizienz, sekundäre arterielle Hypertonie, Pankreasinsuffizienz und neurologische Komplikationen drohen.


In der Vergangenheit waren überwiegend Kinder vom hämolytisch-urämischen Syndrom betroffen. Von den Kleinkindern mit EHEC-Durchfall entwickelten 5 bis 10 % die Komplikation. Aktuell sind es offenbar überwiegend Erwachsene, vor allem Frauen.

4. Dauer der Infektiosität nach EHEC-Erkrankung

Die EHEC-Infektion ist ansteckend, solange die Keime ausgeschieden werden. Dies dauert meist fünf bis zehn Tage, bei Kindern aber auch mal länger als vier Wochen. Eine längere Keimausscheidung über Monate ist selten, Dauerausscheider sind bisher nicht beschrieben.

5. Diagnostik der EHEC-Infektion

Für die Diagnose einer EHEC-Infektion eignet sich vor allem die Direktbestimmung der Shiga-Toxine im Stuhl. Ein einmaliger Toxinnachweis ist allerdings nicht beweisend, er bedarf der Bestätigung bzw. einer
Keimisolierung und -charakterisierung.

 

Im Stuhl die pathogenen E. coli in der Menge der apathogenen nachzuweisen ist allerdings oft schwierig. In Speziallabors kann man zudem nach dem Virulenzplasmid von EHEC fahnden oder aber bestimmte Gene für den Sekretionsapparat aufspüren.

6. Therapie der EHEC-Infektion und des hämolytisch-urämischen Syndroms

Die Therapie der EHEC-Infektion erfolgt symptomatisch. Antibiotika gelten trotz hoher Sensibilität der Kolibakterien als kontraindiziert, da in vitro durch subinhibitorische Medikamentenkonzentrationen die Toxinfreisetzung gesteigert wurde. Damit würde sich das Risiko für extraintestinale Komplikationen erhöhen.


Die Therapie des hämolytisch-urämischen Syndroms besteht aus forcierter Diurese und bei globaler Niereninsuffizienz in Hämo- oder Peritonealdialyse. Patienten mit atypischen Verlaufsformen wie etwa extrarenalen HUS-Manifestationen profitieren möglicherweise von einer Plasmapherese oder der Gabe von gefrorenem Frischplasma.

 

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