Sonntag, 21. Dezember 2014

Fokus Medizin

Kickboxen trotz Diabetes: Spitzensportler berichten.

Kickboxen trotz Diabetes: Spitzensportler berichten.

16.10.2014
Von: Antje Thiel, Foto: Pitopia
Artikel Nummer: 22874
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Leistungssport auf hohem Level trotz Diabetes

Typ-1-Diabetiker sind beim Spitzensport ganz vorne dabei. Verschiedene Strategien helfen bei der maßgeschneiderten Therapie.


Noch Ende der 1980er Jahre kam die Diagnose Typ-1-Diabetes faktisch einem Sportverbot gleich. Das hat sich erheblich verändert. Heute können die Patienten Spitzenleistungen erzielen.

Früher hieß es für Typ 1-Diabetiker: mit einer Herzfrequenz von maximal 130 belasten und wegen der Gefahr einer Hypoglykämie bitte nur in Begleitung von Nicht-Diabetikern zum Sport aufbrechen. An Hochleistungssport war nicht zu denken.

Besseres Monitoring ermöglicht leistungsgerechte Therapie

Heute können die Betroffenen dank verbesserter Monitoring- und Therapiemöglichkeiten ambitionierten Freizeitsport betreiben und auch Höchstleistungen erreichen. Trotzdem bleibt die Blutzuckereinstellung beim Sport knifflig.

Und so erreichen Spitzensportler wie Daniel Schnelting (Leichtathletik), Anja Renfordt (Kickboxen), Alexander Piel (Karate), Simon Strobel (Radsport), Melanie Schipfer (Marathon, Triathlon) und Stephanie Hill (Leichtathletik) – allesamt Typ-1-Diabetiker – regelmäßig Anfragen von Diabetologen und Diabetesberatern aus der gesamten Bundesrepublik, die wissen wollen, wie sie sportlich ambitionierte Typ-1-Diabetiker optimal betreuen.

Die sechs Topathleten haben sich daher zusammengeschlossen und geben als „Special-Ones* ihr Wissen weiter. „Wir wollen insbesondere Kindern und ihren Eltern zeigen, dass man trotz Typ-1-Diabetes gut leben und sportlich aktiv sein kann“, sagte Daniel Schmelting.

Sport und Diabetes: Insulin flexibel geben

Universell taugliche Patentrezepte haben die Sportler allerdings nicht auf Lager – dafür unterscheiden sich ihre individuellen Therapieansätze und ihre Sportarten zu sehr.

So trägt die Triathletin Melanie Schipfer ihre Insulinpumpe beim Langdistanz-Triathlon ohne Unterbrechung. Bei den einzelnen Disziplinen verringert sich ihr Bedarf an Basalinsulin unterschiedlich stark, daher nutzt sie mehrere verschiedene temporäre Basalraten, die sie vorher in ihre Insulinpumpe einprogrammiert, um während des Triathlons nicht zu unterzuckern.

Ähnlich handhabt es Stephanie Hill, die als Leichtathletin ihre Insulinzufuhr im Tagesverlauf flexibel anpassen muss. „Beim lockeren Lauftraining oder Warmmachen bleibt die Belas­tung im aeroben Bereich, dann reduziere ich die Basalrate auf 50 %.“ Bei Sprints hingegen wird die Maximalbelastung erreicht. „Dann läuft die Pumpe auf 100 %“, berichtete Stephanie Hill.

Kontaktsport auch ohne Insulinpumpe möglich

Für den Karatekämpfer Alexan­der Piel wiederum kommt eine Insulinpumpe nicht infrage, „das Gerät würde mich beim Kampf stören.“ Er verabreicht sich sein Insulin konventionell mit einem Pen.

An seinen morgendlichen und abendlichen Basaldosen ändert er auch an Wettkampftagen nichts: „Ich reguliere den Blutzucker über einen verringerten Bolus zu den Mahlzeiten und Extra-Kohlenhydrate zum Sport.“ Zwecks exakter Überwachung, trägt Alexander Piel aber einen Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM).

Anja Renfordt benutzt eine Insulinpumpe, obwohl es sich auch beim Kickboxen um einen Vollkontaktsport handelt. Für den Kampf koppelt sie die Pumpe allerdings ab, damit das Gerät und der Schlauch nicht im Weg sind.

Adrenalin beim Kampf mit einberechnen

Sie beobachtet an Wettkampftagen häufiger eher höhere Blutzuckerwerte: „Beim Kickboxen will nicht nur ich mein Ziel erreichen, auch meine Gegnerin will mich K.o. schlagen.“ Um dem Stresshormon Adrenalin etwas entgegenzusetzen, lässt sie die Basalrate der Pumpe an Wettkampftagen auf 150 % laufen.

Viele Freizeitsportler mit Typ-1-Diabetes beobachten, dass nach dem Training der Blutzucker erst steigt, um dann zwei bis drei Stunden später rapide zu sinken.

Dieses Phänomen ist auch den „Special Ones“ vertraut. Ihr praktischer Rat: Unmittelbar nach dem Training den hohen Blutzuckerwert mit einem passenden Bolus korrigieren, dann aber rasch Kohlenhydrathaltiges essen, um einer Hypoglykämie vorzubeugen.

„Die Glykogenspeicher in den Muskeln und in der Leber wollen wieder aufgefüllt werden, was man nicht unterschätzen darf“, so die einhellige Meinung der Athleten.

Quelle: www. special-ones.de

 

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