Sonntag, 01. März 2015

Fokus Medizin

Japanische Spirochäte jetzt auch in Russland nachgewiesen

Japanische Spirochäte jetzt auch in Russland nachgewiesen

14.12.2011
Von: Dr. Elisabeth Nolde, Foto: wikipedia, CDC-PHIL
Artikel Nummer: 18602
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Neue Borrelien sorgen für Fieberschübe

Eine besondere Form der Borrelien-Infektion mit rezidivierendem Fieber ist in Russland aufgetreten – bislang schien diese auf Japan begrenzt.


Bereits 1995 wurde die Spirochäte Borrelia miyamotoi in Japan nachgewiesen. Klinisch auffällig war, dass betroffene Patienten wiederkehrende Fieberschübe hatten. Nun gingen Forscher der Frage nach, ob sich diese neue Borrelien-Spezies auch in einer „zeckengeplagten“ Region in Russland nachweisen lässt.


Die Kollegen untersuchten 302 Patienten, die mit Verdacht auf eine akute Borrelieninfektion in Jekaterinburg (fast 2000 km östlich von Moskau) stationär aufgenommen wurden. In 51 Fällen (17 %) wies man Borrelia miyamotoi nach, 46 Betroffene hatten positive IgM-Tests auf Borrelien.

Die neue Borrelien-Spirochäten sind agressiver

Die klinischen Verläufe dieser Patienten wurden mit zwei anderen Kohorten verglichen, nämlich mit US-Patienten mit nachgewiesener B.-burgdorferi-Infektion und mit einer Gruppe von B.-garinii-Infizierten in Russland. Dabei fiel auf, dass bei B. miyamotoi im Mittel 15 Tage zwischen Zeckenbiss und Erstsymptomatik vergingen, für B. garinii betrug diese Zeitspanne nur zehn Tage.


Die Borrelieninfektion mit der neuen Spirochäte manifestierte sich zudem klinisch dramatischer: Betroffene wurden im Durchschnitt bereits einen Tag nach dem Auftreten von Symptomen stationär aufgenommen, bei B.-garinii-Infektionen etwa am fünften Tag.

Heftiger Beginn, aber kaum Erythema migrans

Besonders ungewöhnlich war: B. miyamotoi führte bei 98 % der Infizierten zu Fieber bis 39 °C und jeder Zehnte hatte rezidivierende Fieberschübe. Auffällig war zudem, dass nur 9 % der B.-miyamotoi-Patienten ein Erythema migrans entwickelten, dem typischen Frühsymptom einer Lyme-Borreliose.


In den zwei Vergleichskollektiven betrug diese Rate rund 90 %, heißt es in der Zeitschrift „Emerging Infectious Diseases“. Die antibiotische Standardtherapie mit Ceftriaxon oder Doxycyclin war auch bei Infektionen mit B. miyamotoi klinisch wirksam.

Alexander E. Platonov et al., Emerg Infect Dis 2011; online first

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte