Freitag, 22. Mai 2015

Fokus Medizin

Allergien gibt es nicht nur auf Kuhmilch, auch auf die Tierhaare selbst.
07.02.2011
Von: Dr. Carola Geßner, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 16985
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Diagnostikfalle bei der Rinder-Allergie

Verwirrung in der Allergiediagnostik: Die Bauersfrau, die nach Reibetest eine starke Quaddelreaktion auf Rinderhaare zeigte, war im RAST „jungfräulich“ – wie das?


Rinderhaarallergie oder nicht, lautete die berufs- und therapierelevante Frage bei der Bauersfrau, der im Viehstall immer die Luft knapp wurde. Zur Allergiediagnostik brachte die Patientin ausgekämmtes Rinderhaar mit, das dann zum Reibetest auf die Haut aufgebracht wurde. Aus der starken urtikariellen Reaktion folgerte der Gutachter zunächst „aktuelle Rinderhaar-Allergie“, doch das war ein gründlicher Irrtum, wie der Pneumologe Dr. Rolf Kroidl aus Stade berichtete.

Vor dem Reibetest Tierhaare reinigen!

Der RAST fiel bei der Patientin nämlich negativ aus und auch die Wiederholung zum Ausschluss eines Laborfehlers bestätigte den verwunderlichen Befund: keine IgE-Antikörper nachweisbar!

Wie kam diese Diskrepanz zustande? Ausgekämmtes Rinderhaar stellt kein definiertes Antigen dar, sondern ein Stoffgemisch. Es ist der „ganze Dreck“ aus dem Stall dabei, im Staub können sich alle möglichen Irritanzien, Endotoxine bzw. Histaminliberatoren befinden.

Will man native Substanzen testen, so muss das angeschuldigte Allergen vor dem Hauttest von niedermolekularen Irritanzien gereinigt werden.

Holz vorm Testen niemals erhitzen!

Ein weiterer „Holzweg“ lauert bei einer möglichen Berufsproblematik bei Schreinern und Tischlern. Wird der Holzstaub zur Allergieprovokation (Testung mit nativer Sub­stanz) durch Schleifen gewonnen, so fungiert die entstandene Hitze als Allergen-Killer. Das Substrat muss also bei niedriger Temperatur durch Feilen gewonnen werden, damit ein zuverlässiger Test vorgenommen werden kann.

*51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

 

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