Samstag, 23. August 2014

Fokus Medizin

Immer mehr Frauen überleben ihren Brustkrebs

Immer mehr Frauen überleben ihren Brustkrebs

18.10.2011
Von: Dr. Anja Braunwarth, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 18260
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Brustkrebs-Screening ohne Einfluss auf Mortalität?

Immer mehr Frauen überleben ihren Brustkrebs. Das liegt weniger am Screening als am guten Therapiefortschritt, meinen Experten


Die Brustkrebssterblichkeit sinkt vor allem durch den Therapiefortschritt. Das Mammographie-Screening hat daran nur einen kleinen Anteil, behaupten die Autoren einer ländervergleichenden Studie 1. Haben sie recht?


Die Forscher verglichen die Brustkrebssterblichkeit in drei Länderpaaren mit ähnlichen Gesundheitssystemen, sozioökonomischen und Risikofaktoren: Nordirland mit der Republik Irland, die Niederlande mit Belgien sowie Schweden mit Norwegen. In den jeweils zweitgenannten Ländern wurden Brustkrebsscreeningprogramme etwa zehn bis 15 Jahre später implementiert als in den erstgenannten.

Verbesserte Therapie ist der entscheidende Faktor

Zwischen 1989 und 2006 sank die Mortalität am Mammakarzinom in Nordirland um 29 %, in der Republik Irland um 26 %. Die entsprechenden Zahlen für die Niederlande betrugen 25 % und für Belgien 20 % (die den Niederlanden benachbarte Provinz Flandern erreichte ebenfalls 25 %). In Schweden sank die Brustkrebssterblichkeit um 16 %, in Norwegen um 24 %.


Generell war der größte Rückgang in der Gruppe der 40- bis 49-jährigen Frauen zu verzeichnen, unabhängig davon, ob sie an einem Screening teilgenommen hatten oder nicht. Aus diesen Ergebnissen schließen die Autoren, dass die zurückgehende Letalität weniger auf Vorsorgeuntersuchungen, sondern vielmehr auf verbesserte Therapien und effizientes Gesundheitsmanagement zurückzuführen ist. Diese Einschätzung wollen die Sachverständigen des wissenschaftlichen Gremiums der Kooperationsgemeinschaft Mammographie nicht stehen lassen.

Erst nach 10 Jahren Aussagen zur Mortalität möglich

Sie haben zu der Trendanalyse eine Stellungnahme 2 veröffentlicht und nennen darin drei wesentliche Schwachpunkte. Zum einen wurden die Screening-Programme im Beobachtungszeitraum von 17 Jahren stufenweise eingeführt und hatten dabei unterschiedlich hohe Beteiligungsraten. Nach Meinung der Experten sind aber Aussagen zur Auswirkung des Screenings auf die Mortalität erst nach etwa zehn Jahren möglich – eine Spanne, die nicht einheitlich verfolgt werden konnte.


Die Sachverständigen halten es für unangemessen, die Brustkrebsmortalität über alle Altersklassen zu beurteilen. Das Screening wird nur für Frauen zwischen 50 und 69 (bzw. 74) Jahren angeboten. Eine Analyse aller Frauen vermischt Trends verschiedener Generationen und erlaubt damit keine Interpretation der Ergebnisse.

In Schweden Sterberate um 30 % gesenkt

Zuletzt wird in der Stellungnahme bemängelt, dass Ergebnisse eines schwedischen 29-Jahre-Langzeit-Follow-ups nicht berücksichtigt wurden. Diese Studie hatte ergeben, dass die Sterberate an Mammakarzinomen durch das Mammographie-Screening um 30 % gesenkt werden konnte. Auch hier zeigte sich aber, dass der positive Effekt erst zehn Jahre nach dem Start des Programms nachweisbar war, was den ersten Kritikpunkt des Gremiums stützt.


Quelle: Philippe Autier et al., BMJ 2011; online first

 

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