Welcher Karotissinus braucht Massage?
Übt man Druck auf die Halsschlagader aus, sinkt die Herzfrequenz. Wie kann man diesen Mechanismus sinnvoll nutzen?
An der Karotisbifurkation sitzen Barorezeptoren, die Informationen über den Blutdruck an zentrale Neurone in der Medulla oblongata übermitteln. Manueller Druck auf diese Barorezeptoren bewirkt eine Vagusstimulation: Es kommt zur peripheren Vasodilatation mit kurzfristigem Druckabfall. Die Sinusknotenfrequenz wird vorübergehend verlangsamt und die AV-Überleitungszeit verlängert, schreiben A. Sundermeyer von der Medizinischen Klinik I des Helios Klinikums Krefeld und Kollegen in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“.
Asystolie und starker Blutdruckabfall bei Karotissinussyndrom
Kommt es unter der Karotissinusmassage zu einer Asystolie über mehr als drei Sekunden und/oder zu einem Blutdruckabfall > 50 mmHg, liegt ein hyperaktiver Karotissinus vor. Von einem Karotissinussyndrom spricht man bei Asystolie über drei Sekunden und/oder Blutdruckabfall > 50 mmHg mit Synkope.
Als Indikationen für die Karotissinusmassage (CSM) gelten:
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Kontraindiziert ist die Massage bei Patienten, die in den vergangenen drei Monaten eine transitorische ischämische Attacke oder einen Schlaganfall hatten. Auch Strömungsgeräusche über den Karotiden gelten als Kontraindikation – es sei denn, signifikante Stenosen wurden mittels Duplexsonographie ausgeschlossen.
Schlaganfall-Gefahr nicht unterschätzen bei der Karotismassage
Ganz ungefährlich ist die Karotissinusmassage nicht. In der Literatur wurden immer wieder Fälle publiziert, bei denen es nach CSM zu supraventrikulären oder ventrikulären Rhythmusstörungen oder zu neurologischen Komplikationen kam. Letztere sind mit einer Rate von < 1 % zwar selten, können aber bleibende Schäden hinterlassen.
Doch gibt es Alternativen zur CSM? Als Initialbehandlung paroxysmaler supraventrikulärer Tachykardien bieten sich andere vagale Stimulationsverfahren an, z.B. kaltes Wasser trinken, Gesicht in kaltes Wasser tauchen, Valsalva-Manöver. Auch rhythmisierende Medikamente wie Adenosin i.v. kommen in Betracht. Zudem kann eine elektrische Kardioversion die Rhythmusstörung beenden.
A. Sundermeyer et al., Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 133-137






