Freitag, 04. September 2015

Für Fachärzte

Zrikulierende Tumorzellen verbleiben nach klinisch erfolgreicher Behandlung im Körper.
17.02.2011
Von: Birgit-Kristin Pohlmann, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 17150
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Zirkulierende Tumorzellen (CTC) im Fokus

CTC-Nachweis im peripheren Blut könnte eine sinnvolle Option für den klinischen Alltag sein. Ziel ist es, diese Zellen, die im Knochenmark und peripheren Blut nachweisbar sind, therapeutisch zu nutzen.


Dass CTCs im Knochenmark ein wichtiger, prognostisch ungünstiger Faktor sind, konnte in verschiedenen Untersuchungen auf hohem Evidenzlevel gezeigt werden. Da das Knochenmark schwer zugänglich ist und Knochenmarkpunktionen aufwendig sind, werden CTCs zunehmend im peripheren Blut bestimmt. Auch in diesen Untersuchungen wurden CTCs im Rahmen multivariater Analysen als stärkster prognostischer Faktor evaluiert.

Chemotherapie: Keine Waffe gegen schlafende Tumorzellen

Ein wichtiger Vorteil des Markers CTC ist, dass er zu allen Zeitpunkten bzw. Phasen der Erkrankung verfügbar ist, betont Dr. Brigitte Rack von der Universitätsfrauenklinik der LMU München. Sinnvoll  ist die Bestimmung von CTCs im Rahmen der rezidivfreien Nachsorge, um Risikopatientinnen zu selektieren, die möglicherweise von einer zusätzlichen adjuvanten Therapie profitieren.

Die Referentin verweist darauf, dass sich bei tumorfreien Patientinnen (ohne Rezidiv) bis zu 15 Jahre nach Erstdiagnose CTCs im Knochenmark nachweisen lassen. Wahrscheinlich sind dies „schlafende“ Tumorzellen, die sich über Jahre unauffällig verhalten und irgendwann durch irgendein Ereignis aktiv werden. Weltweit laufen derzeit klinische Studien zur MRD-Überwachung im Rahmen der Therapiekontrolle bzw. Nachsorge. In Deutschland hat sich die derzeit noch rekrutierende SUCCESSC-Studie u.a. dieser Fragestellung angenommen.

Biologische Eigenschaften von zirkulierende Tumorzellen unter der Lupe

Nur wenige Untersuchungen gibt es bislang zu der Überlegung, CTCs als therapeutisches Target zu nutzen, sagt Dr. Rack. Belegt ist aber, dass die Chemotherapie keine Option darstellt, da die „schlafenden“ Tumorzellen für sie nicht angreifbar sind.

Erfolg versprechende Daten gibt es dagegen zum adjuvanten Einsatz der Bisphosphonate. Wahrscheinlich, so Dr. Rack, beeinflussen Bisphosphonate das Mikro-Environment der Tumorzelle und haben darüber hinaus einen direkten anti-tumorösen Effekt. Eine weitere Option ist für Patientinnen mit hormonsensitivem Mammakarzinom und CTC-Nachweis möglicherweise die endokrine Weiterbehandlung. Diesen Ansatz prüft erstmals die in Deutschland laufende SUCCESSC-Studie.Eine spannende Frage ist in diesem Zusammenhang auch jene nach den biologischen Eigenschaften von CTCs bzw. die Möglichkeit ihrer adäquaten molekularen Charakterisierung.

Molekularstruktur stimmt nicht zwangsläufig mit Primärtumor überein

Tatsächlich lassen sich auf der Oberfläche der CTCs klinische Marker wie z.B. eine HER2-Expression nachweisen. Zu beachten ist dabei, dass die molekulare Charakterisierung der CTCs nicht zwingend mit jener des Primärtumors übereinstimmt. In der DETECT-Studie beispielsweise hatten etwa 30 % der Patientinnen mit HER2-negativem Primärtumor HER2-positive CTCs im peripheren Blut. Das sind möglicherweise Patientinnen, die ebenfalls – trotz HER2-negativem Primärtumor – von der Behandlung mit einer anti-HER2-gerichteten Therapie profitieren, berichtet Dr. Rack.

CTC-Nachweis im peripheren Blut muss weiter validiert werden

Die Ergebnisse einer griechischen Studiengruppe weisen in diese Richtung. Hier wurden Patientinnen mit CTC-Nachweis nach abgeschlossener Chemotherapie mit Trastuzumab weiterbehandelt. 20 % der Patientinnen hatten einen HER2-positiven Primärtumor, aber bei 83 % waren HER2-positive CTCs nachweisbar. Nach Abschluss der Trastuzumab-Therapie waren 67 % der Patientinnen CTC-negativ. Die Daten deuten darauf hin, dass sich möglicherweise auch mit den zielgerichteten Substanzen Patientinnen mit CTC-Nachweis effektiv weiter- behandeln lassen und sich ihre Heilungschance erhöht.

Laut Dr. Rack ist der CTC-Nachweis im peripheren Blut eine sinnvolle Option für den klinischen Alltag, die weiter validiert werden muss, um die Risikoabschätzung der Patientinnen zu verbessern, das Therapiemonitoring zu optimieren und um CTCs als therapeutische Zielstruktur zu nutzen.

 

Kommentare

Katharina Pachmann - 02.05.2011, 17:38

Frau Dr. Rack betont, dass der Nachweis zirkulierender Zellen im Blut eine sinnvolle Option für den klinischen Alltag ist. Wir haben bereits 2008 Ergebnisse veröffentlicht (J Clin Oncol 26:1208-1215.2008), die zeigen, dass die Überwachung der im Blut zirkulierender tumorverdächtigen Zellen während der adjuvanten Chemotherapie zeitnah möglich ist und sehr hohe klinische Relevanz besitzt. Dasselbe konnten wir für die Überwachung der Tamoxifen-Erhaltungstherapie (J Cancer Res Clin Oncol. 2011 May;137:821-8)und unter Trastuzumab (submitted) zeigen. Therapiemonitoring ist also bereits jetzt eine mögliche Option.

 
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