Dienstag, 21. Oktober 2014

Für Fachärzte

Was Sie Patienten mit Schwindel prognostisch sagen können
08.07.2011
Von: Birgit Maronde, Foto: bilderbox
Artikel Nummer: 17816
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Einmal Schwindelattacken – immer wieder Attacken?

Bei der alten Frau Meyer wurde der benigne Lagerungsschwindel erfolgreich behandelt, Herr Sauer hat seine Neuritis vestibularis überstanden. Beide Patienten wollen nun von Ihnen wissen: „Kommt das wieder?“ Was antworten Sie?


Der benigne periphere paroxysmale Lagerungsschwindel ist vor allem im höheren Lebensalter die häufigste Schwindelform. Die betroffenen Patienten leiden unter rezidivierenden kurzen Drehschwindelattacken, die durch Lageveränderungen von Kopf oder Körper ausgelöst werden und in Ruhe sistieren. Ursache ist eine Kanalolithiasis. Durch rasche Kopflagerungsmanöver kann man die Steine aus dem betroffenen Bogengang herausbefördern und damit die Symptome beseitigen. 


Allerdings kommen die Beschwerden in etwa 50 % der Fälle zurück, wie eine retrospektive Studie über zehn Jahre zeigen konnte. 80 % der Rezidive traten innerhalb eines Jahres nach primär erfolgreicher Therapie auf, berichtet Professor Dr. Marianne Dieterich von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums München-Großhadern auf dem 3. Neurologie-Update-Seminar. Ob ein traumatisch bedingter oder ein mit Migräne assoziierter Lagerungsschwindel vorlag, spielte für die Rezidivrate keine signifikante Rolle.

Kaum Rezidive bei der Neuritis vestibularis

Bei der Neuritis vestibularis sind im Langzeitverlauf zwei Dinge wichtig: die Erholung der peripheren vestibulären Funktion und die Rezidivrate über einen längeren Zeitraum. Die vestibuläre Funktion verbessert sich innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen am stärksten, positive Veränderungen sind aber auch noch nach Jahren möglich, wie eine Arbeitsgruppe vom Klinikum Großhadern in einer Langzeitstudie über zehn Jahre zeigen konnte.


Die Rezidivrate ist den Ergebnissen einer anderen Untersuchung zufolge bei der Neuritis vestibularis gering (2 von 103 Patienten), wobei in der Studie die erneute Erkrankung in milder Form jeweils das kontralaterale Ohr betraf. „Die rezidivierende Neuritis vestibularis gibt es praktisch nicht.“

Mit Carbamazepin gibt der VIII. Hirnnerv Ruhe

Bei der Vestibularisparoxysmie kommt es wahrscheinlich über eine hirnstammnahe Kompression des VIII. Hirnnervs durch ein Blutgefäß zu kurzen, Sekunden dauernden Schwindelattacken. Betroffene Patienten werden auf Carbamazepin oder Oxcarbazepin eingestellt, die Therapie führt zu signifikanten Verbesserungen: Im Vergleich zu den Ausgangswerten sinkt die Frequenz der Attacken auf 10 %, ihre Intensität auf 15 % und ihre Dauer auf 11 %, sagt Prof. Dieterich, und: „Bitte versuchen Sie bei der Verdachtsdiagnose eines dieser Präparate.“  Mit dieser Maßnahme lässt sich durchaus auch die Diagnose „Vestibularisparoxysmie“ sichern, so die Expertin.


Zum Langzeitverlauf des bilateralen vestibulären Funktionsausfalls (bilaterale Vestibulopathie) gibt es nur inkonsistente Daten zumeist aus kleinen Fallserien. Eine größere retrospektive Studie mit 82 Patienten und einer Nachbeobachtungszeit von median 52 Monaten zeigte, dass „nicht so viel passiert“. Nur in Ausnahmefällen kommt es zu einer Besserung. Den Patienten kann man nur helfen, indem die anderen sensorischen Systeme, das visuelle und das somatosensorische, trainiert werden.


Quelle: 3. Neurologie-Update Seminar 2011

 

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