Bluthochdruck

Fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat zu hohe Blutdruckwerte. Man schätzt aber, dass nur etwa jeder Zweite auch von seiner Erkrankung weiß. Selbst unter denjenigen, bei denen die Diagnose „Bluthochdruck“ gestellt wurde, werden wahrscheinlich nur etwa die Hälfte ausreichend behandelt. Weil Bluthochdruck nicht weh tut, unterschätzen viele die damit verbundenen Gefahren. Viele Infarkte und Schlaganfälle wären aber durch rechtzeitige Erkennung und Behandlung des Bluthochdruckes vermeidbar.

Was verursacht diese Erkrankung?

Bei neun von zehn Fällen von Bluthochdruck ist keine organische Ursache erkennbar. Man bezeichnet dies als „essentielle Hypertonie“. Es gibt eine erbliche Veranlagung zur Entstehung von Bluthochdruck. Einige Faktoren, etwa Übergewicht, begünstigen die Erkrankung. In etwa 10 % der Fälle ist der Bluthochdruck Folge anderer Erkrankungen, etwa an der Niere, oder er entsteht als Folge einer Überproduktion bestimmter Hormone.

Welches sind die typischen Symptome?


Bluthochdruck merkt man nicht - oft besteht er daher jahrelang, ohne dass man etwas davon spürt. Anzeichen, die auf zu hohen Blutdruck hinweisen, können Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Ohrensausen oder auch Nasenbluten sein. Aber die sicherste Methode, ihn rechtzeitig zu erkennen, besteht einfach darin, regelmäßig seinen Blutdruck messen zu lassen, etwa beim Arzt oder auch in Apotheken.

Wie wird Bluthochdruck diagnostiziert?

Die Diagnose des Bluthochdrucks ist relativ einfach mit einem Blutdruckmessgerät möglich. Es nimmt zwei Werte: einen oberen („systolischen“) und einen unteren („diastolischen“) Blutdruckwert. Die Einheit, in der gemessen wird, sind Millimeter Quecksilbersäule (abgekürzt: mmHg).

Bei gesunden Erwachsenen sollte der obere Wert nicht über 140 und der untere nicht über 90 mmHg liegen. Als „ideal“ gelten Werte von 120/80 mmHg. Da der Blutdruck aber stark schwanken kann und z.B. bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung steigt (was normal und nicht krankhaft ist), kann die Diagnose „Bluthochdruck“ erst dann gestellt werden, wenn die Werte bei mehreren Messungen, die im Sitzen und bei Ruhe erfolgten, zu hoch lagen. Bei bestimmten Risikopatienten (z.B. Diabetikern) liegt die Grenze niedriger.

Bei manchen Menschen reicht die Aufregung eines Arztbesuches bereits aus, um den Blutdruck so stark zu erhöhen, dass es aussieht, als ob sie hochdruckkrank wären. Dies nennt man auch „Weißkittelhypertonie“ (der weiße Kittel des Arztes oder der Helferin ist die Ursache des „Hochdrucks“). Um sicher zu gehen, dass tatsächlich auch im Alltag eine Hypertonie besteht, kann man eine 24-Stunden-Blutdruckmessung vornehmen. Dabei tragen Sie das Meßgerät während eines ganzen Tages und einer ganzen Nacht. Es misst in dann in regelmäßigem Abständen die Blutdruckwerte und speichert diese. Der Arzt kann sie dann im nachhinein abrufen und erkennen, ob Ihr Blutdruck wirklich auch im Alltag zu hoch ist.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur Blutdrucksenkung kann man selbst durch Lebensstiländerungen beitragen. Sehr wirksam sind Maßnahmen wie Übergewicht reduzieren, mehr Sport treiben, mit Rauchen aufzuhören und auch das Kochsalz in der Nahrung sowie den Alkoholkonsum einzuschränken. Gelingt es damit nicht, den Blutdruck zu normalisieren, gibt es heute zahlreiche sehr wirksame blutdrucksenkende Medikamente. Manchmal ist auch eine Kombination verschiedener dieser Medikamente (Antihypertensiva) notwendig. Alle diese Wirkstoffe müssen vom Arzt verordnet werden, sie werden von den Krankenkassen erstattet und sind täglich einzunehmen. Allgemeinmaßnahmen wie die oben genannten können die Wirksamkeit der Medikamente unterstützen.

Ob die Maßnahmen und Medikamente tatsächlich helfen, sollten die Betroffenen anhand regelmäßiger Blutdruckkontrollen überprüfen, die sie nach Anleitung auch selbst zuhause mit den entsprechenden Geräten vornehmen können.

Welche Komplikationen sind zu befürchten?

Ein hoher Blutdruck schadet auf Dauer den Blutgefäßen, er fördert die Arterienverkalkung und schädigt Organe wie Niere oder Herz. Eine große Gefahr eines unbehandelten Bluthochdrucks ist der Schlaganfall. Je höher der Blutdruck, um so höher auch das Risiko für einen Schlaganfall. Auch die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden oder eine Pumpschwäche des Herzens zu entwickeln, steigt mit der Höhe des Blutdrucks. Dabei muss dieses Risiko immer gemeinsam mit anderen Risikofaktoren für das Herzkreislaufsystem gesehen werden. Besonders hoch ist die Gefahr für ein Ereignis wie Schlaganfall oder Infarkt für Menschen, die neben dem Bluthochdruck noch weitere Störungen wie eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder hohe Cholesterinwerte haben, die übergewichtig sind, sich wenig bewegen, zusätzlich rauchen oder auch sehr viel Alkohol konsumieren. Je mehr dieser Risiken bei Ihnen zusammen kommen, um so wichtiger ist es, dass der Blutdruck möglichst niedrig ist.

Was können die Betroffenen selber tun?

Die „Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks empfiehlt zehn Regeln für Hochdruck-Patienten:

1. Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig!

2. Beachten Sie die Empfehlungen Ihres Arztes!

3. Versuchen Sie Übergewicht abzubauen, streben Sie Normalgewicht an!

4. Schränken Sie Ihren Alkoholgenuß ein!

5. Versuchen Sie Kochsalz durch Gewürze zu ersetzen!

6. Essen Sie reichlich Obst und Gemüse!

7. Bevorzugen Sie pflanzliche Fette und hochwertige Öle!

8. Verzichten Sie auf das Rauchen!

9. Fördern Sie körperliche Bewegung!

10. Sorgen Sie für ausreichend Ruhepausen und Entspannung, meiden Sie Stress!

Infarkt und Schlaganfall wären oft zu verhindern!

Herz- und Gefäßerkrankungen sind in Deutschland immer noch die Todesursache Nummer eins. Oft ist es ein jahrelang unerkannter Bluthochdruck, der dem Infarkt oder Schlaganfall den Weg bereitet. Dies muß nicht sein! Denn der Bluthochdruck ist eigentlich einfach zu diagnostizieren und zu behandeln.

Das Wichtigste, was Patienten tun können, ist zum einen den Blutdruck regelmäßig messen zu lassen, um die Diagnose nicht zu verpassen und zum anderen die Krankheit, wenn sie diagnostiziert wurde, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Betroffene sollten die Hinweise des Arztes befolgen und die von ihm verordneten Medikamente regelmäßig einnehmen, auch wenn der Hochdruck selbst keine Beschwerden bereitet!

Links

http://www.hochdruckliga.info/ - Informationen für Menschen mit Bluthochdruck. Hier kann man auch Broschüren bestellen, Mitglied in der Deutschen Hochdruckliga werden oder die Telefonnummer des „Herz-Kreislauf-Telefons“ finden, (06221-47 48 00), an dem Experten der Deutschen Hochdruckliga Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr Fragen zu Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßerkrankungen beantworten.

http://www.ernaehrung.de/tipps/hypertonie/ - Im Deutschen Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet) finden Interessierte vor allem wertvolle Informationen rund um die richtige Ernährung bei Bluthochdruck.

Unter http://www.patientenleitlinien.de/Bluthochdruck/bluthochdruck.html bietet die Universität Witten-Herdecke umfassende praxisnahe Erklärungen und Tipps für Patienten mit Bluthochdruck an. 

MT-Online D, Sonja Böhm, Foto: irisblende.de

Kommentare zum Artikel

#1Bluthochdruck

Medical Tribune / 29.11.07 07:28