Einschlafen, durchschlafen und fit aufwachen - mancher träumt davon

Warum Sie manchmal nicht gut schlafen können

Medical Tribune Bericht

Wenn man nachts im Bett hellwach ist, hat das nicht immer angenehme Gründe. Umfragen zufolge ist etwa jeder Vierte in Deutschland von Schlafstörungen betroffen, und Schlafbeschwerden sind der dritthäufigste Anlass für einen Arztbesuch. Allerdings gibt es nach Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation verschiedene Schlaf-Wach-Störungen. Hier die richtige Ursache herauszufinden, kann schon ein Detektivspiel bedeuten.

Man unterscheidet bei Schlafstörungen zunächst einmal zwischen organischen und nicht-organischen. Organische Störungen sind ein Begleiteffekt einer anderen Krankheit oder einer Medikamenteneinnahme. Nicht-organische Schlafstörungen sind meist psychisch- oder stressbedingt. Eine differenzierte Diagnose kann nur in einem Schlaflabor erstellt werden, in dem Hirn-, Muskel-, Herz- und Hautströme sowie Atmung, Sauerstoffsättigung des Blutes und andere Körperfunktionen während des Schlafes gemessen werden. Haben Sie auch Schwierigkeiten mit dem Schlaf? Welcher Art ist Ihr Problem?

Einschlafen kann man sich leicht machen

Zunächst einmal kann es sein, dass Sie unter Einschlafstörungen leiden. Sie beruhen entweder auf einer Störung des Schlafzentrums oder sind durch äußere Einflusse wie Medikamente oder Straßenlärm bedingt. Davon betroffen sind oft Menschen, die sich nicht entspannen können. Tipp: schöne und entspannende Abendrituale einführen, auf Phantasiereisen gehen, den Tag bewusst ausschalten und quälende Gedanken auf einem Block notieren – dann können Sie am nächsten Tag in aller Ruhe weiter darüber grübeln. Andere Menschen leiden unter Durchschlafstörungen. Man schläft normal ein, wacht aber nach einigen Stunden wieder auf. Mit steigendem Alter tritt das immer öfter auf. Allerdings kann es auch eine Begleiterscheinung bei fiebrigen Erkrankungen sein oder auch ein Anzeichen dafür, dass der Betroffene zu viel Alkohol trinkt oder zu Depressionen oder Schizophrenie neigt.

Schlafsucht kann ernste Ursachen haben

Ein ganz anderes Phänomen dagegen ist die Schlafsucht. Sie zeichnet sich aus durch eine krankhafte Schläfrigkeit und eine beträchtliche Zunahme der Schlafdauer. Achtung: Sie kann auf andere Krankheiten hinweisen wie Gehirn- oder Hirnhautentzündung, Hirntumor, Herz- oder Lungenschaden, Leberversagen, Angst, Depression. Manchen Menschen passiert es, dass sie nachts aufschrecken. Sie wachen mit lautem Schreien, Zittern und Angst aus dem Tiefschlaf auf und können sich Tags darauf an nichts erinnern. Bei Kindern und Jugendlichen kommt das zwar häufiger vor, verschwindet jedoch meist in der Pubertät wieder. Bei Erwachsenen kann das auf psychische Probleme oder eine Alkoholerkrankung hindeuten! Albträume hat dagegen wahrscheinlich schon jeder mal gehabt, der eine mehr, der andere weniger. Sie finden meist im letzten Nachtdrittel statt.

Schlafwandler oder Zähneknirscher?

Das Schlafwandeln dagegen überfällt die Betroffenen kurz nach dem Einschlafen. Entgegen manchen Irrglaubens träumen die Betroffenen nicht. Gewusst wie: Nicht aufwecken, sondern nur vorsichtig zum Bett zurückführen. Wer zu den Zähneknirschern gehört, weiß sich mit diesem Problem ganz sicher nicht allein. Trotzdem sollte er versuchen, mit Entspannungsübungen und „Entstressung“ etwas dagegen zu unternehmen. Denn nicht nur, dass das Gebiss darunter leidet, die häufigen Schlaf-unterbrechungen verschlechtern die Schlafqualität ganz entscheidend. Ursache für das angespannte Zähneknirschen ist oft Stress in Alltag oder Beruf.

Restless Legs kommen oft mit dem Alter

Besonders mit dem Alter sind es dann manchmal die so genannten „Restlegs Legs“, die die wertvollen Stunden Schlaf rauben: Die Betroffenen haben unruhige Beine, die sie am Einschlafen hindern oder in den frühen Morgenstunden wecken. Die Nervenerkrankung kann auch Anzeichen einer Venenschwäche sein. Dann sollte es helfen, tagsüber Kompressionsstrümpfe zu tragen.Narkolepsie werden wiederholte, nicht unterdrückbare Schlafanfälle während der Wachzeit genannt. Oft sind sie sogar mit einem spontanen Muskelversagen (Kataplexie) verbunden. Häufige kurze Nickerchen im Laufe des Tages können helfen. Ein weiterer Grund für schlechten Schlaf kann auch eine Schilddrüsenüberfunktion sein, die denaktivierenden Nervenstrang Truncus sympathikus anregt, was zu Weckreaktionen führen kann. Schmerzhafte Erkrankungen wie nächtliche Herzbeklemmung (Angina pectoris), Fibromyalgie, Atemnot bei chronischer Bronchitis oder Sodbrennen können aber auch ursächlich für das Aufwachen sein, ebenso gelegentlich die Parkinsonkrankheit oder Medikamente.



Gefährliche Atemaussetzer

Es klingt gefährlich: Die Atmung setzt sekundenlang aus, danach schnappt der Betroffene richtig nach Luft. Das kann mehrmals in der Stunde passieren: ein so genanntes Schlaf-apnoe-Syndrom. Dabei sind die oberen Atemwege krankhaft verengt, beispielsweise durch Fetteinlagerungen bei Übergewichtigen oder durch vergrößerte Zäpfchen. Während des Tages bekommt man durch die aktive Gaumenmuskulatur trotzdem Luft. Nur nachts, bei schlaffer Muskulatur, entsteht das Problem. Ein Erstickungstod droht nicht, da die Betroffenen rechtzeitig aufwachen. Dann wird das Wachzentrum eingeschaltet. Dabei wird der lebenswichtige Tiefschlaf (Nicht-REM-Schlaf) immer wieder unterbrochen. Die Betroffenen merken die Unterbrechungen nicht, trotzdem kommt es zu gesundheitlichen Folgen: Wer darunter leidet, ist unausgeschlafen und schlapp, es kommt zu sexuellen Problemen, die Konzentration und das Gedächtnis leiden. Von 20 Millionen Schnarchern, die wir in Deutschland haben, sind 2 Millionen Schlafapnoe-gefährdet. Wenn jemand also morgens immer unausgeschlafen ist, sollte er zu seinem Hausarzt gehen, der kann eine Überweisung in ein Schlaflabor veranlassen. A und O der Behandlung ist zum einen eine Reduzierung des Gewichts und zum anderen eine Atemmaske, mit der Raumluft in die Atemwege geblasen wird, sodass diese offen bleiben. Ist die Abnehmdiät erfolgreich, kann die Maske überflüssig werden.

MTPub, Ausgabe 3 / 2006 S.12, Dr. Beatrice Wagner, Foto: irisblende.de

Kommentare zum Artikel

#1Warum Sie manchmal nicht gut schlafen können

Medical Tribune / 29.11.07 04:32
Wenn man nachts im Bett hellwach ist, hat das nicht immer angenehme Gründe. Umfragen zufolge ist etwa jeder Vierte in Deutschland von Schlafstörungen betroffen, und Schlafbeschwerden sind der dritthäufigste Anlass für einen Arztbesuch. Allerdings gibt es nach Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation verschiedene Schlaf-Wach-Störungen. Hier die richtige Ursache herauszufinden, kann schon ein Detektivspiel bedeuten.