Blockaden lösen bringt Hilfe

Medical Tribune Bericht

Rückenschmerzen, Schleudertrauma, Verdauungsbeschwerden – und der Osteopath kann helfen? Ganzheitliche Behandlung verspricht der Besuch bei einem Heilpraktiker oder Arzt, der sich auf osteopathische Techniken spezialisiert hat. Alles hängt irgendwie zusammen, könnte man salopp die Herangehensweise der Osteopathen zusammenfassen.

Unser Körper ist extrem anpassungsfähig: Lange Zeit kann er Fehlhaltungen am Schreibtisch oder Bügeltisch, Stress in Familie oder Beruf, Verspannungen und sogar Verletzungen wie das Schleudertrauma ausgleichen. Die eingeschränkte Funktion wird „einfach“ von anderen, weniger belasteten Körperregionen übernommen. Doch irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem schon ein kleiner Auslöser – z.B. eine falsche Bewegung – zu deutlichen Symptomen wie beispielsweise einem Hexenschuss führt. Das Fass läuft über – aber an welcher Stelle?

Die Osteopathie – eine ganzheitliche Heilkunde, die der Erkennung und Behandlung von Funktionsstörungen dient – geht davon aus, dass körperliche Probleme oft gar nicht direkt dort auftreten, wo das eigentliche körperliche Ungleichgewicht besteht. Denn die Gewebe des Körpers wirken in wechselseitiger Abhängigkeit zusammen und beeinflussen sich dementsprechend. Damit dieses Miteinander aller Organe des Körpers funktioniert, müssen aber die Gewebe „beweglich“ bleiben. Denn Bewegung ist Leben – so das Credo. Dabei unterscheidet der Osteopath zwischen der Mobilität, einer etwas größeren Beweglichkeit z.B. der Muskeln und Gelenke, und der Motilität, einer uns nicht bewussten rhythmischen Mikrobewegung z.B. der Organe.

Der Therapeut aktiviert Selbstheilungskräfte

Bei der Behandlung wird sich der Osteopath daher nicht nur auf die Stelle des Körper konzentrieren, die weh tut. Zunächst wird er durch Berührung versuchen, Bewegungseinschränkungen zu erspüren. Hat er die Blockade gefunden, versucht er sie mit verschiedenen Techniken aufzulösen, um so die Selbstheilungskräfte des Körpers zur Entfaltung zu bringen. Diese verhelfen dann dem Bereich, in dem eine Störung vorlag, wieder richtig beweglich zu sein und wieder funktionieren zu können.

Die Osteopahie geht also davon aus, dass Struktur und Funktion eng miteinander verknüpft sind. So kann ein Leberstau dadurch entstehen, dass die Motilität des Organs blockiert ist. Werden die Bindegewebsbänder, die die Organe in der Bauchhöhle flexibel an ihrem Platz halten, durch Berührung oder Dehnung von ihrer Spannung – die durch Fehlhaltung oder auch Verletzungen entstehen kann – befreit, kann das Organ wieder seine Funktion erfüllen. Diese Spannung kann allerdings auch von einem weiter entfernten Körperteil ausgehen.

Der Osteopath benötigt also ein differenziertes Wissen über Körperbau und Funktion der Organe, um die Beschwerden des Patienten den Bewegungszusammenhängen im Körper zuzuordnen. Mit seinen gut geschulten Händen ertastet er sehr genau Größe, Position und Bewegungsfreiheit eines Organs oder auch der Schädelknochen. Und er kann frühe Anzeichen einer Störung aufspüren, bevor bleibende Gesundheitsschäden auftreten und oft bevor sie im Labor oder mit bildgebenden Verfahren nachzuweisen sind.

Beschwerden haben verschiedene Grundlagen

Der Osteopath behandelt immer den ganzen Menschen: Es werden nicht nur die Krankheit, sondern auch die dem Menschen zur Verfügung stehenden Selbstheilungs- und Kompensationsfähigkeiten betrachtet. Eine scheinbar gleiche Symptomatik kann unterschiedliche Entstehungsgrundlagen haben und damit auch anders zu behandeln sein.

Grundsätzlich können alle Funktionsstörungen des Körpers und Patienten jeden Alters behandelt werden. Nicht nur bei Beschwerden des Muskel- und Skelettsystems, sondern auch bei Kieferfehlstellungen, Störungen der inneren Organe, Geburtstraumata von Säuglingen oder generell bei Schmerzen vermag die Osteopathie viel zu erreichen. Tief greifende Veränderungen können bei relativ frischen Gesundheitsproblemen schon in einer Behandlung erzielt werden, bei älteren chronischen Beschwerden bedarf es etwas mehr Geduld.

Die Osteopathie basiert auf allgemeinmedizinischen Grundlagen. Sie darf nur von Ärzten und Heilpraktikern sowie auf Weisung des Arztes durch fortgebildete Physiotherapeuten ausgeübt werden. Der Begriff „Osteopath“ ist bisher gesetzlich nicht geschützt. Bei der Suche nach einem qualifizierten Osteopathen in Ihrer Nähe kann Ihnen aber beispielsweise der Verband der Osteopathen Deutschland behilflich.

  
Mehr Informationen erhalten Sie unter www.osteopathie.de

MTPub, Ausgabe 3 / 2006 S.24, Dr. Wiebke Kathmann, autorisiert vom Verband der Osteopathen Deutschlands

Kommentare zum Artikel

#1Blockaden lösen bringt Hilfe

Medical Tribune / 29.11.07 16:32
Rückenschmerzen, Schleudertrauma, Verdauungsbeschwerden – und der Osteopath kann helfen? Ganzheitliche Behandlung verspricht der Besuch bei einem Heilpraktiker oder Arzt, der sich auf osteopathische Techniken spezialisiert hat. Alles hängt irgendwie zusammen, könnte man salopp die Herangehensweise der Osteopathen zusammenfassen.