MP3-Player und Co.

Knopf im Ohr ist lauter als ein Düsenjet?

Medical Tribune Bericht

Maike hat zum Geburtstag ihren gewünschten MP3-Player bekommen und ist für den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar. Was ihre Eltern nicht wissen: Maike hat das Gerät so laut gedreht, dass sie einen vor dem Haus landenden Jumbojet nicht mehr hören könnte. Ihr Gehör wird ihr das aber nicht danken.

Ärzte und Gesundheitsexperten warnen seit Aufkommen des Walkmans in den achtziger Jahren vor dieser Art des übertriebenen musikalischen Freizeitlärms. Das die Warnungen berechtigt sind, kann man an der Zunahme von lärmbedingten Hörschäden von Kindern und Jugendlichen ablesen.

Bald jeder zehnte Jugendliche mit Hörgerät

Nach zehn Jahren Musikbeschallung mit den zurzeit üblichen Hörgewohnheiten von Jugendlichen muss man mit einer Quote von zehn bis 20 Prozent junger Menschen rechnen, die einen irreversiblen Hörschaden haben werden, stellte das „Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit“ im Auftrag des Bundesgesundheitsministerium fest. „Wenn nicht gegengesteuert wird, braucht in einigen Jahren jeder zehnte Jugendliche ein Hörgerät“, bringt es Helmut Heckenstaller von der Techniker Krankenkasse Bayern im Rahmen einer bayerischen Kampagne zur Senkung des Lärmpegels in Diskotheken auf den Punkt.

Viele Menschen denken irrtümlicherweise, dass nur unangenehm empfundener Lärm gesundheitsgefährdend ist. Für das Hörorgan ist es aber unerheblich, ob es den Geräuschpegel eines Presslufthammers oder den des Lieblingsmusikstückes verarbeiten muss.

Erstaunlicherweise setzt sich dieser Irrtum in der Gesetzgebung fort. In den Lärmschutzbestimmungen und Schallschutzrichtlinien des Arbeitsschutzes dürfen 90 dB nicht überschritten werden, während eine EU-Richtlinie für Walkman und ähnliche Geräte eine Höchstgrenze von 100 dB festlegt. Die Bundesärztekammer fordert deswegen schon seit Langem, dass diese Höchstgrenzen dem Arbeitsschutz angepasst werden. Gefährlich wirkt sich dabei übrigens auch der Trend zum Ohrstöpsel aus. Lag der Kopfhörer noch auf der Ohrmuschel, wird die Lautsprecherbox beim Ohrstöpsel nur noch wenige Zentimeter vor dem Trommelfell platziert.

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MTPub, Ausgabe 1 / 2007 S.17, Eric Hofstiepel, Foto: irisblende.de

Kommentare zum Artikel

#1Knopf im Ohr ist lauter als ein Düsenjet?

Medical Tribune / 29.11.07 04:40
Maike hat zum Geburtstag ihren gewünschten MP3-Player bekommen und ist für den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar. Was ihre Eltern nicht wissen: Maike hat das Gerät so laut gedreht, dass sie einen vor dem Haus landenden Jumbojet nicht mehr hören könnte. Ihr Gehör wird ihr das aber nicht danken.