Aids 2007: Osteuropa

Pulverfass Osteuropa: immer mehr Infizierte und miserable Versorgung

Medical Tribune Bericht

In keinem Land Europas gibt es – gemessen an der Gesamtbevölkerung – so viele HIV-Infizierte wie in der Ukraine. Auch andere osteuropäische Länder kämpfen mit steigenden Infektionszahlen, aber nur in der Heimat der „orange Revolution“ hat die Infektion mehr als ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung erfasst. Odessa, Djnepropetrowsk und Donezk heißen die Brennpunkte der Epidemie.

Anders als in Deutschland ist der Motor der Epidemie die Drogenabhängigkeit, die seit der politischen Auflösung der Sowjetunion rasant zugenommen hat. Langjährige Arbeitslosigkeit und Armut haben vielen Menschen die Orientierung genommen und die Hoffnung, dass es je besser wird. So werden Drogen zum vermeintlichen Ausweg.

Ukraine – das Land „am Rande“

Die deutsche Übersetzung des Namens Ukraine lautet „am Rande“. So heißt auch der neue Dokumentarfilm des Berliner Regisseurs Karsten Hein. Er hat schon mehrfach die Aids-Epidemie in der Ukraine filmisch beschrieben. „Am Rande“ beschreibt, wie die extremen Bedingungen im Land der Seuche geradezu den Weg bereiten. Dazu gehören etwa auch die riesigen Arbeitslager, in denen Tausende von Menschen zusammengepfercht sind. Mit dem HI-Virus infizierte Frauen werden meist gesellschaftlich isoliert und so in die Prostitution gedrängt: eine weitere Quelle der Ausbreitung. Finanzielle Mittel zur Eindämmung der Epidemie gibt es nicht, medizinische Versorgung kaum. Einzelne Projekte versuchen, die Not der Menschen zu lindern. Das Berliner Vivantes Auguste-Viktoria-Krankenhaus etwa kooperiert mit dem Aids-Zentrum Donezk, um die Ärztefortbildung über HIV zu verbessern, und unterstützt die Caritas Ukraine bei der Ausbildung von Pflegepersonal.

Traurige Rekorde in Rumänien

Auch an der Lage der aidskranken Kinder und Jugendlichen in Rumänien wird sich ohne Hilfe von außen wahrscheinlich nichts ändern. Dabei ist Rumänien das einzige Land weltweit, in dem es mehr Aids-Fälle bei Kindern gibt als bei Erwachsenen. Mehr als die Hälfte aller HIV-infizierten Kinder in Europa leben dort. Allein von den 15- bis 19-Jährigen sind weit über 7000 infiziert.

Das ist unter anderem eine Folge verfehlter politischer Entscheidungen: So wurden Kinder in den 80er- und frühen 90er-Jahren mit fraglich wirksamenen Spritzen und „Mikroinfusionen“ behandelt, um ihr Immunsystem zu stärken. Tausende von HIV-Infektionen waren die Folge.

HIV-infizierte Kinder in Rumänien stehen auf der Schattenseite des Lebens: Ohne eigenes Zutun infiziert, werden sie von der Gesellschaft ausgegrenzt, dürfen vielfach nicht einmal die Schule besuchen und erhalten keine Berufsausbildung. Ärzte weigern sich häufig, die Kinder als Patienten anzunehmen.

Das Baylor College of Medicine in Houston hat mit Unterstützung des Abbott Fund schon im Jahr 2001 eine Klinik für HIV-infizierte Kinder in Constanta aufgebaut, einer der wirtschaftsschwachen Regionen Rumäniens. Dort erhalten die Kinder nicht nur Anti-HIV- und andere medizinische Behandlung, sondern werden zusammen mit ihren Familien auch bei der Lösung von Alltagsproblemen unterstützt.

MTPub, Ausgabe 02 / 2007 S.49, Manuela Arand

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#1Pulverfass Osteuropa: immer mehr Infizierte und miserable Versorgung

Medical Tribune / 28.11.07 20:07