Aids 2007: Impfstoff

Impfen gegen Aids: bald ganz einfach oder nur ein Traum?

Das HI-Virus lässt sich bislang nicht durch eine Impfung verhindern. Seine speziellen Eigenschaften lassen zudem daran zweifeln, ob es in Zukunft gelingen wird. Den Impfstoff-Forschern sind die Ideen jedoch noch nicht ausgegangen.

Grundsätzlich basiert eine Impfung darauf, dass man dem Immunsystem einen abgetöteten oder abgeschwächten Erreger oder bestimmte Bestandteile davon präsentiert, damit es diese Strukturen künftig rasch erkennt und eliminiert. Dazu werden zwei Systeme der Immunabwehr aktiviert: Sogenannte neutralisierende Antikörper lagern sich an den Erreger an und hindern ihn daran, Körperzellen zu befallen. Gleichzeitig werden spezielle Abwehrzellen stimuliert, Killerzellen genannt, damit sie virusbefallene Zellen erkennen und abtöten. Das ist möglich, weil infizierte Zellen auf ihrer Oberfläche Virusbestandteile mit sich tragen und deshalb von den Killerzellen als „fremd“ erkannt werden.

So ähnlich, dachte man sich, müsste das auch bei HIV funktionieren: Man nimmt charakteristische Eiweiße von der Virusoberfläche, Hüllproteine genannt, konfrontiert das Immunsystem damit – und fertig ist der Impfstoff. Wenn das Immunsystem nicht stark genug auf die Hüllproteine reagiert, könnte man Wirkstoffe hinzufügen, die die Immunantwort forcieren; das wird auch bei anderen Impfstoffen gemacht.

„Diese Vorstellung hat sich relativ schnell als Trugschluss entpuppt“, berichtet Prof. Ralf Wagner von der Universität Regensburg. Der Versuch schlug nämlich zunächst komplett fehl – vereinfacht lässt sich das damit begründen, dass die entsprechenden Eiweiße des HI-Virus komplizierter aufgebaut sind als gedacht und sich in dieser Komplexität nicht so einfach nachbauen lassen.

Als es dann gelang, die Proteine so herzustellen, dass sie tatsächlich eine Schutzreaktion des Immunsystems in Form neutralisierender Antikörper auslösen, stand man vor dem nächsten Problem: Der Schutz erfasste nur die Variante von HIV, von der die Hüllproteine stammen, andere Stämme aber nicht. Nun ist HIV aber ein hochvariables Virus, das in vielen unterschiedlichen Gewändern daherkommt.

Wie packt man alle Virustypen?

Um wirklich effektiv zu sein, müsste ein Impfstoff gegen möglichst viele Varianten schützen. „In einer idealen Welt“, sagt Prof. Wagner, „würden wir nach einem Impfstoff suchen, der gegen alle HIV-Typen immunisiert.“ Tatsächlich wird man sich aber wohl je nach Weltregion auf die entsprechenden Virusvarianten konzentrieren.

Davon abgesehen verspricht man sich heute am meisten von einer kombinierten Impfung. Dabei wird zunächst mit Erbsub-stanz (DNA) geimpft, in der Teile des Bauplans vom HI-Virus verschlüsselt sind. Die DNA wird von Körperzellen aufgenommen, die nach diesem Bauplan HIV-Proteine herstellen und an die Zelloberfläche bringen. Dort werden sie dann vom Immunsystem erspäht, das sich durch diesen Prozess die HIV-Proteine merkt und im Ernstfall entsprechend darauf reagieren kann. Im zweiten Schritt impft man dann zusätzlich mit einem Virus, in dessen Erbinformation ebenfalls der Bauplan für die HIV-Proteine integriert wurde, das sich aber nicht mehr vermehren kann und damit unschädlich ist. Beides zusammen erzeugt eine wesentlich bessere Immunantwort, als wenn man nur mit DNA oder nur mit dem Virusimpfstoff impft. Das Konzept ist schon am Menschen erprobt worden, wie Prof. Wagner berichtet. Die Immunreaktion fiel dabei stärker und breiter aus und der Impfeffekt ließ sich bei vielen Geimpften nachweisen. Auch wenn das vermutlich noch nicht der Durchbruch ist – es ist ein großer Schritt nach vorn.

Chance auf Schutz: fifty-fifty

Skeptiker glauben, dass die Wirksamkeit von HIV-Impfstoffen nie mit der anderer Impfstoffe zu vergleichen sein wird: Statt Schutzraten von 80 bis 90 Prozent sind bei HIV möglicherweise nicht mehr als 30 bis 50 Prozent zu erwarten. Das würde aber bereits reichen, um Infektionsketten etwa in Afrika, wo es sehr viele Infizierte gibt, zu durchbrechen. Für einen individuellen Schutz, wie er etwa in Deutschland benötigt würde, wäre das allerdings noch zu wenig.

MTPub, Ausgabe 05 / 2007 S.41, Manuela Arand

Kommentare zum Artikel

#1Impfen gegen Aids: bald ganz einfach oder nur ein Traum?

Medical Tribune / 28.11.07 23:37
Das HI-Virus lässt sich bislang nicht durch eine Impfung verhindern. Seine speziellen Eigenschaften lassen zudem daran zweifeln, ob es in Zukunft gelingen wird. Den Impfstoff-Forschern sind die Ideen jedoch noch nicht ausgegangen.