Grün ist nicht nur die Farbe der Hoffnung

Seelischen Druck einfach wegwandern

Medical Tribune Bericht

WEGGIS – Stress, Hektik, Reizüberflutung – „Zivilisation" kann krank machen. Ein Weg heraus aus der mentalen Erschöpfung heißt: zurück zur Natur. Raten Sie psychisch angegriffenen Patienten, die Wanderschuhe zu schnüren.

Immer mehr Menschen, egal ob jung oder alt, zieht es zurück in die freie Natur. Lange als altmodisch verpönt, entwickelt sich Wandern in jüngster Zeit regelrecht zur Trendsportart. Neben der körperlichen Ertüchtigung bringt es auch unser seelisches Gleichgewicht wieder in Einklang, erklärte Dr. Rainer Brämer, Gründer und Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts in Marburg, bei einem Presseworkshop der Firma Dr. Willmar Schwabe.

„Natur erleben" ist in den letzten 20 Jahren zum führenden Urlaubsmotiv aufgestiegen. Psychologen entdecken die „Biophilie" als evolutionär verankerte Liebe zur Natur. Der noch junge Wissenschaftszweig der empirischen Naturpsychologie hat eine Fülle von Daten über den wohltuenden Charakter von Naturkontakten angehäuft. So ließ sich nachweisen, dass ein Spaziergang durch eine grüne Parklandschaft oder auch nur das Betrachten ansprechender Naturmotive in hohem Maße stress-entlastend wirken.

Hoher Trainingseffekt, aber sanft zum Herzen

Effektiver ist selbstverständlich das direkte Naturerlebnis. So bleiben Bewohner begrünter oder Grünflächen-naher Wohngebiete gesünder als Menschen, die in „Betonwüsten" leben. Sie haben bessere Kontakte zu ihren Nachbarn und werden unabhängig vom sozialen Status seltener aggressiv oder kriminell. Kinder, die in eine grüne Umgebung ziehen, verbessern ihre geistigen Leistungen und auf kleine ADHS-Patienten wirkt die Natur kurzfristig ebenso entlastend wie Medikamente. Patienten, die vom Krankenbett ins Grüne blicken können, haben weniger Schmerzen und werden schneller gesund, führte Dr. Brämer weiter aus. Interessant auch: Beim Sport in freier Natur steigt vor allem der Spiegel des Stimmungsmachers Noradrenalin an, beim Indoor-Sport eher der Stressmarker Kortisol.

Vor allem wer in unserer heutigen Hochzivilisation „mental erschöpft" ist, kann in der Natur auftanken: „Er wird beim Wandern neue Kraft erfahren und sich weit besser regenerieren als auf dem Sofa vor dem Fernseher", meint Dr. Brämer.

Darüber hinaus ist auch der physische Nutzen nicht zu unterschätzen. Als wenig intensive Ausdaueraktivität stärkt das Wandern nachhaltig Herz, Kreislauf, Stoffwechsel, und Immunsystem. Man kann sich körperlich fit halten, ohne dass der Schweiß in Strömen fließt, und findet dabei noch Ruhe und Entspannung. „Einen Kilometer zu wandern, verbraucht ebenso viele Kalorien wie einen Kilometer zu joggen", sagte Dr. Brähmer. Es ist eine sanfte Methode mit hohem Trainingseffekt, denn die aufgebrachte Herz-Kreislauf-Leistung zwischen 50 und 150 Watt wird über mehrere Stunden erbracht. Man trainiert Herz und Gefäße – und das ganz nebenbei ohne großes Verletzungsrisiko.

Ideales Angebot auch für Sportmuffel

Ein weiterer Vorteil ist, dass man zum Wandern „nicht den inneren Schweinehund überwinden muss", bemerkte Dr. Brämer. Wandern ist praktisch überall möglich und man muss sich nicht erst ein ausgefeiltes oder teures Equipment zulegen. Deshalb ist es auch die ideale Möglichkeit, Sportmuffel auf Trab zu halten, denn viele Ausreden zur Sportvermeidung werden damit hinfällig.

MTD, Ausgabe 23 / 2009 S.8, CV / AZ

Kommentare zum Artikel

#1Seelischen Druck einfach wegwandern

Medical Tribune / 10.06.09 11:32
Stress, Hektik, Reizüberflutung – „Zivilisation" kann krank machen. Ein Weg heraus aus der mentalen Erschöpfung heißt: zurück zur Natur. Raten Sie psychisch angegriffenen Patienten, die Wanderschuhe zu schnüren.