Stressbewältigung bei Führungskräften
Warum Manager im Durchschnitt kein höheres Herztod-Risiko haben
Medical Tribune Online Bericht
„Studien zeigen, dass Herzerkrankungen unter deutschen Managern keinesfalls häufiger auftreten als in der Gesamtbevölkerung“, sagt Dr. Tegtmeier. Es gäbe aber geschlechtsspezifische Unterschiede: „Während männliche Führungskräfte über deutlich weniger körperliche Beschwerden berichten, geben weibliche Manager mehr körperliche Beschwerden als die Gesamtbevölkerung an.“ Eines haben aber Managerinnen und Manager gemeinsam: Führungskräfte beiderlei Geschlechts erleben eine deutliche Erschöpfung.
Information zu Burn-out über Twitter
Nicht lange Arbeitszeiten, sondern vor allem mangelnde Anerkennung beeinflussen den Gesundheitszustand von Arbeitnehmern negativ, so die Erfahrung der Experten. „Gesundheitliche Probleme wie Burn-out sind immer dann zu erwarten, wenn die Anstrengungen des Mitarbeiters nicht adäquat ‚belohnt‘ werden“, so Dr. Tegtmeier. Gefährdet sind also eher mittlere Führungskräfte, die viel Zeit in den Job investieren, aber bei Beförderungen mehrfach übergangen wurden. „Überhöhte Ansprüche an sich selbst und wenig Distanz zur Arbeit sind Warnsignale für einen Burn-out“, betont Chefarzt Dr. Thomas Gärtner. Der Experte aus Bad Arolsen betreibt unter www.twitter.com/burnoutdoc einen Tweet für gestresste Führungskräfte und warnt dabei vor Distanzlosigkeit zur Arbeit. „Wer im Urlaub 24 Stunden erreichbar ist, riskiert gesundheitliche Beschwerden“, so Dr. Gärtner.
Weibliche Führungskräfte als besondere Risikogruppe
Hohe Arbeitsbelastung hat nur dann Einfluss auf die Gesundheit, wenn den Führungskräften
gesundheitsfördernde Ressourcen vorenthalten werden. Insbesondere Frauen haben unter diesen Bedingungen ein höheres Risiko für gesundheitliche Probleme. Während männliche Führungskräfte mit ihrer Arbeit deutlich zufriedener sind als sonstige Arbeitnehmer, erleben Frauen in Führungspositionen ihre Arbeit oft als Kampf um Anerkennung. Viele organisieren nebenbei noch Haushalt und Kinderbetreuung und müssen sich im Extremfall als „Rabenmutter“ rechtfertigen. Die Folge: Managerinnen sind unzufriedener mit ihrer Arbeit
als berufstätige Frauen insgesamt. Sie erleben Überforderung sowie einen höheren Mangel an Anerkennung und mehr soziale Spannungen. Die höchste Frustration gibt es beim Wunsch nach Achtung und Wertschätzung. „Es gelingt weiblichen Führungskräften deutlich schlechter, ihr Grundbedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen“, so Dr. Tegtmeier.
Trotz hoher Arbeitsbelastung hat vor allem das Arbeitsklima einen entscheidenden Einfluss auf eine effektive Gesundheitsprävention. Führungskräfte benötigen mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiräume bei der Erledigung ihrer Aufgaben. Wertschätzung und Anerkennung für geleistete Arbeit sind dabei wichtig. „Auch die Mitarbeiter orientieren sich in vielfältiger Weise am Verhalten ihrer Vorgesetzten, so dass hier dann auch positive Effekte im gesamten Unternehmen
zu erwarten sind“, so die Erfahrung von Dr. Gärtner.
Sollte es trotzdem zu Beschwerden kommen, so manifestiert sich chronischer Stress häufig in einem Burnout-Syndrom, das durch Erschöpfung, Zynismus und eine verringerte Leistungszufriedenheit gekennzeichnet ist. Chronischer Stress kann sich auch in psychosomatischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst und somatoformen Störungen äußern. Wenn Stress krankhaft geworden ist, benötigen Führungskräfte professionelle Hilfe, um problematische Verhaltensweisen zu reflektieren und zu verändern.
Kommentare zum Artikel
#1Warum Manager im Durchschnitt kein höheres Herztod-Risiko haben
für stressbedingte Erkrankungen vermutet: der frühe Herztod als „Managerkrankheit“.Ein Vorurteil, das Chefärztin Dr. Catri Tegtmeier von derMedizinisch-Psychosomatischen Klinik Große Allee in Bad Arolsen so pauschal nicht bestätigen kann.



