Wenn immer wieder Blut am Toilettenpapier klebt

Müssen auch junge Leute zur Koloskopie?

Medical Tribune Bericht

MÜNCHEN – Über Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier berichten nicht selten auch jüngere Leute. Müssen schon 30-Jährige zur Koloskopie (Darmspiegelung)? Ein Experte gibt Antwort.

Betroffene bemerken immer mal wieder Blut am Toilettenpapier oder ein Nachtropfen nach dem Stuhlgang. Etwa 15 % der Patienten leiden unter derartigen Beschwerden – jüngere eher häufiger als ältere, berichtete Professor Dr. Franz Hartmann von der Abteilung Innere Medizin im St. Marienkrankenhaus in Frankfurt beim 36. Deutschen Koloproktologen Kongress. Meist stecken Hämorrhoiden oder Analfissuren hinter dem Blutverlust.

Nur Hämorrhoiden? Stuhlbluttest hilft

Diagnostisch kommt es zunächst darauf an, sich die Symptomatik genau beschreiben zu lassen: Blut aufgesetzt? Mit Stuhl vermischt? Schmerzen beim Stuhlgang? Außerdem sollte der Arzt sich nach Allgemeinsymptomen wie Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, veränderte Stuhlgewohnheiten erkundigen. Wichtig ist zudem, ob der Patient eine Polypenentfernung hinter sich hat, an M. Crohn oder C. ulcerosa leidet oder ein familiär erhöhtes Krebsrisiko aufweist. Zur klinischen Untersuchung gehört für Prof. Hartmann neben der rektal digitalen Palpation selbstverständlich auch die Proktorektoskopie.

Außerdem empfiehlt er einen Test auf okkultes Blut im Stuhl. Hämorrhoiden zum Beispiel bluten nur episodisch, deshalb sollte der Test in der Regel negativ ausfallen – ist er positiv, spricht dies für eine andere Blutungsquelle.

Laut Empfehlungen der Fachgesellschaften sollten sich alle Patienten mit Alarmzeichen zudem einer Koloskopie unterziehen.

Über 50 auf jeden Fall spiegeln

Wertvolle Daten hierzu liefert eine Studie von Professor Dr. Volker F. Eckardt vom Fachbereich Gastroenterologie der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Er befragte mehr als 4000 Koloskopiepatienten nach Symptomen.  

Zwischen 40 und 50 Jahren hält er die Darmspiegelung nur für angezeigt, wenn ein zusätzliches Risiko vorliegt. Gesunde Patienten bis 40 Jahre brauchen keine Darmspiegelung, wenn Alarmzeichen fehlen und die rektal-digitalen Untersuchung bzw. Rektoskopie eine adäquate Blutungsquelle zutage fördert (z.B. Hämorrhoiden, Fissur).

Auch bei einer einzelnen rektalen Blutung sollten seiner Meinung nach alle Patienten über 50 Jahre koloskopiert werden, unter 50 reicht die Rektoskopie. Kommt es zu wiederholten Blutungen – obwohl eine adäquate Quelle geortet und behandelt wurde, müssen auch Patienten unter 50 zur Darmspiegelung.

Bei Eisenmangel blutet‘s oft oben und unten

Auch bei einer Eisenmangelanämie geht das Blut meist über den Darm verloren (62 %) – immerhin 29 % der Patienten bluten allerdings sowohl im oberen als im unteren Magendarmtrakt. Als Konsequenz rät Prof. Hartmann, bei allen Patienten mit Eisenmangelanämie über 50 Jahre Magen und Darm zu spiegeln (Männer auch schon unter 50). Frauen vor der Menopause sollten sich zunächst gynäkologisch untersuchen lassen. Wird dabei nichts gefunden, folgt auch hier Gastro- und Koloskopie.

Alarmzeichen

  • abnormal schwarzgefärbter, meist auch übelriechender Stuhl, dunkelrotes Blut,
    Allgemeinsymptome
  • Blutarmut, Gewichtsverlust, veränderte Stuhlgewohnheiten
  • Stuhlbluttest positiv
  • Positive Familienanamnese: Polypen etc.

MTD, Ausgabe 16 / 2010 S.24, Dr. Dorothea Ranft, Cartoon: Peter Thulke

Kommentare zum Artikel

#1Müssen auch junge Leute zur Koloskopie?

Medical Tribune / 30.07.10 08:48
Über Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier berichten nicht selten auch jüngere Leute. Müssen schon 30-Jährige zur Koloskopie (Darmspiegelung)? Ein Experte gibt Antwort.