Mobilfunkstrahlung
Können Handys Krebs auslösen
In Sachen Mobilfunk gibt es bereits umfangreiche Forschung. Man hat dazu Untersuchungen an Zellen im Reagenzglas, an Tieren und auch an menschlichen Probanden angestellt. Auch in epidemiologischen Studien wurde nach Funkschäden geforscht. So hat man in einer aktuellen Fall-Kontroll-Studie der International Joint Commission (2007; 17. Januar) die Verbindung zwischen Hirntumoren und Handy-Telefonieren bei mehr als 1.500 Krebsbetroffenen und über 3.000 Kontrollpersonen untersucht. Die Forscher fanden keinen Zusammenhang, auch wenn die Presse die Ergebnisse zunächst falsch interpretierte. Auch eine dänische Untersuchung des Journal Of The National Cancer Institute (2006; 98: 1707-1713) mit mehr als 400.000 Teilnehmern, die zwischen 1982 und 1995 die Handy-Nutzung begonnen hatten, ergab keine erhöhte Häufigkeit bei Hirntumoren, bösartigen Geschwulsten im Hör- und Gleichgewichtsnerv oder Speicheldrüsenkrebs. Ebenso kam es nicht vermehrt zu Leukämien oder bösartigen Geschwulsten im Augenbereich.
Mobilfunk dringt kaum in den Körper
Elektromagnetische Felder, so der aktuelle Wissensstand, haben je nach Frequenz, Intensität und Dauer Einfluss auf lebende Organismen. Mobilfunkfelder dringen allerdings kaum in den Körper ein, und können daher Nerven- oder Muskelzellen nicht beeinflussen. Das erklären Matthias Otto und Karl Ernst von Mühlendahl in einer Informationsbroschüre. Diese wurde gemeinsam vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), vom gemeinnützigen Fachverband „Kinderumwelt“ und dem Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) erstellt und herausgegeben.
Gesichert ist demnach, dass von hochfrequenten Feldern im Mobilfunk Wärme ausgeht, die auch auf den Körper ausstrahlt.
Daneben sind in der Fachliteratur aber auch andere Wirkungen beschrieben. Die Erforschung dieser Effekte gestaltet sich jedoch insofern schwierig, als dass hierfür überhaupt keine Wirkmechanismen bekannt sind. Es gibt lediglich Vermutungen. So lautet eine Befürchtung, dass Tumoren durch Einflüsse auf Zellen und Erbmaterial entstehen könnten. Und dem Pulscharakter des GSM-Mobilfunks werden schädigende Einflüsse auf das zentrale Nervensystem (ZNS), auf Zellwände, das Blutbild, die Hormonfreisetzung und schließlich auch toxische Effekte auf das Erbgut zugeschrieben.
Für keinen dieser vermuteten Zusammenhänge gibt es jedoch irgendwelche schlüssigen Wirkhinweise, geschweige denn einen Beweis. Von einem klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang kann deshalb in keinem der beschworenen Punkte die Rede sein. Deshalb kommen nationale und internationale Gremien und Institutionen unisono zu dem Schluss, dass es zurzeit keine wissenschaftlichen Erkenntnisse in Hinblick auf Gesundheitsbeeinträchtigungen gibt. Zu diesen Einrichtungen zählen zum Beispiel die Internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), die Deutsche Strahlenschutzkommission (SSK), der Gesundheitsrat der Niederlande und die Health Protection Agency in Großbritannien.
Verschiedene Studien haben versucht, mögliche Zusammenhänge mit Hirntumoren, mit Schlaf- und Befindlichkeitsstörungen oder mit der allgemeinen Häufigkeit von neu entstandenen Krebsleiden aufzudecken. Entweder waren die Ergebnisse dieser Studien negativ oder aber sie konnten die Ansprüche an eine wissenschaftliche Aussagekraft nicht befriedigen. So waren einige Studien nicht reproduzierbar, was soviel heißt, dass dieselben Untersuchungen, nochmals durchgeführt, durchaus auch zu ganz anderen Ergebnissen kommen können. In anderen Fällen lagen auch methodische Fehler vor, durch die Fragestellungen miteinander vermischt wurden. So wollte eine Studie die Gefährlichkeit von Handystrahlung mit erhöhten Krebsraten in der Nähe eines Mobilfunksenders beweisen.
Für Kinder zu wenig Daten
Für Kinder und Jugendliche gibt es keine belastbaren Daten oder plausiblen Verdachtsmomente, die für eine besondere Empfindlichkeit dieser Personengruppe gegenüber Mobilfunk sprechen, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme des BVKJ, der „Kinderumwelt“ und des IZMF. Allerdings benötige man für verlässliche Aussagen noch mehr Daten, und es bestehe weiter Forschungsbedarf.



