Studie schlägt Alarm
Antibiotika bald stumpfe Waffen?
Wer beim kleinsten Husten gleich nach einem Antibiotikum verlangt, gefährdet damit sich und seine Mitmenschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Surbhi Malhotra-Kumar und Kollegen, die in der Fachzeitschrift The Lancet erschien (2007, 369: 482-490). Die neuen Daten bestätigen, dass allzu freigiebiger Umgang mit den Keimkillern rasch zu resistenten Erregern führen kann.
Wissenschaftler versuchten bislang hinter die Entstehung von Resistenzen zu kommen, indem sie die ärztlichen Verschreibungen mit dem Auftreten widerstandsfähiger Keime in der Bevölkerung verglichen. Eine belgische Arbeitsgruppe wollte nun einen direkten Zusammenhang belegen: Gesunde Versuchspersonen erhielten entweder eines von zwei Antibiotika oder ein Placebo. Anschließend analysierte die Forscher Krankheitserreger aus den Rachen der Teilnehmer.
Im Vergleich zur Placebo-Gruppe fanden sich bei den Personen, die Antibiotika nahmen, nach vier bzw. acht Tagen eine um mehr als die Hälfte gestiegene Zahl an widerstandsfähigen Bakterien. Sogar ein halbes Jahr nach Studienbeginn war die Rate der resistenten Keime noch deutlich erhöht. Patienten könnten also noch lange Zeit nach der Therapie resistente Erreger an andere Menschen weitergeben, folgern die Wissenschaftler.
Die Studie zeige somit den Zusammenhang zwischen Antibiotikagabe und Resistenzentwicklung auf, kommentierte Stephanie J. Dancer aus Glasgow in der Zeitschrift. Betroffen seien nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Umgebung und Kontaktpersonen. Es sei Zeit, Konsequenzen zu ziehen und die Medikamente klüger einzusetzen, fordert die Mikrobiologin, "bevor die Ära der Antibiotika ein apokalyptisches Ende findet".


