Sonnenschutzmittel
Hoher Lichtschutzfaktor ist besser
Ein Lichtschutzfaktor (LSF) von 40 oder 50 macht auch in unseren Breiten durchaus Sinn, so das Credo von Helger Stege von der Universitätshautklinik in Düsseldorf anlässlich des Deutschen Dermatologischen Kongresses. Rein rechnerisch mag man zwar zunächst ins Grübeln kommen, multipliziert sich doch der LSF mit der Eigenschutzzeit der Haut. Die Eigenschutzzeit bei dem in Mitteleuropa weit verbreiteten Hauttyp II beträgt 15 Minuten. Mal 50 gerechnet ergibt dies, dass man sich über zwölf Stunden in der Sonne räkeln könnte, ohne dass es zu einer schädigenden Wirkung durch UV-B-Strahlen kommt. Und das schaffen selbst eingefleischte Sonnenanbeter kaum, geht doch das Zentralgestirn vorher unter.
Dass es sich trotzdem nicht um einen Gag der Werbeindustrie oder um Geldmacherei handelt liegt an der Testmethode. Denn um den angegebenen Schutz zu erreichen, müssen zwei Milligramm pro Quadratzentimeter Haut des Produktes aufgetragen werden. "Das wären bei einer 1,80 Meter großen und 75 Kilogramm schweren Person 30 Gramm pro Anwendung", erläutert der Experte, "also fast 1/6 einer normalen 200-Gramm-Tube." Rechnet man noch dazu, dass durch Schwitzen, Baden und Abrieb sich der Schutz vermindert und daher erneuert werden muss, ist man mit einer halben Flasche pro Tag dabei.
So viel schmiert aber kein Sonnenbadender. Durchschnittliche Anwender tragen nur etwa ein Viertel der empfohlenen Menge auf, gute „Schmierer“ etwa die Hälfte. Wir schrauben den Schutz also selbst hinunter. Aus den anfänglich vermuteten zwölf Stunden werden schnell nur noch drei. Und die schaffen wir an einem Nachmittag im Freibad locker.
Der Lichtschutzfaktor, der in Europa genormt ist, gibt allerdings nur den Schutz vor UV-B-Strahlen an. Der UV-A-Schutz hinkt noch nach. Die Colipa, der Dachverband der europäischen Körperpflegemittelindustrie, will dies bis 2009 ändern. Eine Creme mit hohem UV-B-Schutz soll bis dahin auch standardisiert einen hohen UV-A-Schutz enthalten. Schon jetzt erfüllen Produkte diese Anforderungen, wenn sie durch die Buchstaben „UVA“ in einem weißen Kreis gekennzeichnet sind.
Der Hautarzt ruft auch in Erinnerung, dass man zwischen elf und 16 Uhr die Sonne generell meiden sollte. Wichtig sei auch die Kleidung. Dunkle und trockene Textilien aus Mikrofaser schützen besser als helle und nasse aus Baumwolle oder Seide. Als Standard für UV-Textilien gilt die Norm UV 801. Sie bedeutet, dass der Sonnenschutz auch im gedehnten oder nassen Zustand erhalten bleibt.
Stege hat auch eine definitive Meinung zu der anhaltenden Diskussion, ob man bei Babys und Kleinkindern besser mineralische oder chemische Sonnenschutzmittel verwendet: "Kinder unter zwei Jahren gehören überhaupt nicht in die Sonne!"



