Plädoyer für das weibliche Gehirn

Bei Männern stirbt das Sozialverhalten ab

ULM – Es ist eine schlimme Gen-Veranlagung: 19 von 20 Mördern besitzen sie, sie prädestiniert zu Aggressivität, Herzkrankheit und frühem Tod. Liest man die Ausführungen eines Experten zu dem Fluch, ein Y-Chromosom zu besitzen, kann man nicht umhin, tiefes Mitleid mit dem starken Geschlecht zu empfinden.

"Männer sind von der Evolution auf Leistung getrimmte Menschen, mit dem Risiko, dass erstens mehr Ausschuss dabei entsteht und zweitens auf Haltbarkeit nicht so viel Wert gelegt wurde" - harte Worte, die Manfred Spitzer von der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm für sich und seine Geschlechtsgenossen übrig hat (Nervenheilkunde 2007, 26: 337-341).

Milliarden Nervenzellen ungenutzt?

Die Extremwerte sind bei Männern ausgeprägter als bei Frauen, es gibt unter ihnen mehr Hochbegabte, aber auch mehr Behinderte, heißt es weiter. Inwiefern das damit zu tun hat, dass Männerhirne über 100 Gramm schwerer sind und rund vier Milliarden mehr Nervenzellen enthalten als Frauenhirne, bleibt dahingestellt. Immerhin punkten Frauen in Sachen Wahrnehmung höher beim Fühlen, Hören, Riechen, Schmecken, nur nicht beim Sehen.

Auch ist das Frauengehirn nach Spitzers Ausführungen besser auf Kommunikation getrimmt als das Männergehirn. Mädchen wissen schon mit 16 Monaten 13 Wörter, mit zwei Jahren über hundert Wörter mehr als Jungen. Sie sprechen früher spontan und verwenden später auch kompliziertere grammatische Strukturen wie Passiv und Partizip. Im Erwachsenenalter gebraucht das XX-Exemplar täglich etwa 20.000 Wörter, die XY-Variante dagegen nur 7.000.

"Im Gehirn des Mannes dagegen sterben unter dem Einfluss des männlichen Sexualhormons Testosteron vor allem in den Zentren für Kommunikation und Sozialverhalten mehr Nervenzellen ab. Nur ein kleines Areal, welches ihren Sexualtrieb steuert, wächst unter eben diesem Hormon auf die 2,5-fache Größe im Vergleich zu Frauen", führt der Psychiater weiter aus.

In seinem abschließenden Statement macht Spitzer aus seiner Sympathie für das weibliche Gehirn keinen Hehl. Das Mädchengehirn entwickelt sich seiner Ansicht nach eben deshalb zu einem enorm starken und leistungsfähigen Organ, weil es nicht in Testosteron badet. Schade findet es der Psychiater, dass viele Herren, die Einparken und Mathematik für das Wichtigste im Leben halten, weibliche Mitmenschen, die eventuell genau damit Probleme haben, gleich für weniger intelligent erklären.

Höchste Zeit, das weibliche Denkorgan mit seiner hohen sozialen und kommunikativen Intelligenz mehr zu würdigen, meint Spitzer. Vor dem Hintergrund zunehmender globaler Probleme mit Aggression und Gewalt sei es überfällig, "die starken Gehirne aus dem Schatten des starken Geschlechts zu befreien".

MTD, Ausgabe 25 / 2007 S.8, Carola Gessner

Kommentare zum Artikel

#1Bei Männern stirbt das Sozialverhalten ab

Medical Tribune / 29.11.07 11:47
Es ist eine schlimme Gen-Veranlagung: 19 von 20 Mördern besitzen sie, sie prädestiniert zu Aggressivität, Herzkrankheit und frühem Tod. Liest man die Ausführungen eines Experten zu dem Fluch, ein Y-Chromosom zu besitzen, kann man nicht umhin, tiefes Mitleid mit dem starken Geschlecht zu empfinden.