Zwei Gläser Wein pro Tag reichen schon
Gefährliche Kombi: Operationen bei Gewohnheitstrinkern
Zwei Gläser Wein pro Tag reichen schon aus, um die körpereigene Abwehr in die Defensive zu drängen. Das ergaben die Untersuchungen von Claudia Spies und ihren Kollegen von der Berliner Charité. „Wir beobachten diese schweren Lungen-Komplikationen bereits bei Patienten, die in den drei Monaten vor der Operation jeden Tag drei Gläser Bier oder zwei Gläser Wein getrunken haben. Derartige Trinkgewohnheiten gibt es bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung“, sagte Spies.
Um diese Anfälligkeit genauer zu untersuchen, führten die Wissenschaftler ein Experiment mit Mäusen durch: Eine Gruppe der kleinen Nager bekam acht Tage lang täglich Ethanol, die andere Gruppe erhielt im gleichen Zeitraum nur eine Kochsalzlösung. Danach erfolgte ein operativer Eingriff. Nach der OP setzten die Forscher die Mäuse den Erregern von Lungenentzündungen aus. In der Folge bestimmten sie den Wert von bestimmten Abwehr-Botenstoffen und ob die Mäuse lungenkrank wurden oder nicht. Das Ergebnis: Die Alkohol-Gruppe hatte zwar mehr Abwehr-Botenstoffe im Körper, aber auch mehr lungenkranke Nager im Team als die Vergleichsgruppe, die nur eine Salzlösung bekommen hatte, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Alkoholism: Clinical and Experimental Research (2008, 32: 331-338).
„Ähnliches haben wir auch bei Menschen festgestellt, die vor der Operation häufig Alkohol tranken“, so Spies. Die stellt ein Problem für den Klinikalltag dar: Denn etwa die Hälfte aller Patienten, die als Notfall eingeliefert würden, hätten Alkohol im Blut, schätzt die Medizinerin. Entzug ist dabei keine Lösung – denn dieser plötzliche Wechsel kann auch nachteilig wirken. Die Empfehlung der Berlinerin richtet sich an die Ärzte: „Sie müssen alle Patienten vor der Operation eingehend nach ihren Trinkgewohnheiten fragen. Es kann Leben retten, wenn man auf Komplikationen vorbereitet ist.“



