Mindestens 400.000 Senioren abhängig, 2 Millionen trinken zu viel
Alkoholismus über 60: Kurztherapie hilft
Medical Tribune Bericht
Die Zahl älterer Personen mit Alkoholproblemen dürfte aufgrund des demografischen Wandels und veränderter Konsumgewohnheiten weiter steigen, schreiben Bodo Lieb und Kollegen von der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin der Universität Duisburg-Essen in der Zeitschrift Fortschritte der Neurologie Psychiatrie (2008; 76: 75-85). Alkoholmissbrauch birgt für Ältere besondere Gefahren, weil ihre Alkoholtoleranz nachlässt: Es kommt zu kumulativen Organschäden, bedenklichen Wechselwirkungen mit Medikamenten, Unfällen und Stürzen sowie zu psychischen Störungen.
Nach amerikanischen Daten beginnt ein Drittel der älteren Alkoholkranken erst nach dem 60. Lebensjahr mit dem Trinken. Bei diesen so genannten „Late-Onset-Alkoholkranken“ gehen dem Missbrauch häufig Verlusterlebnisse voraus, zum Beispiel Ende der Berufstätigkeit, Verlust des Lebenspartners oder soziale Isolation. Unter diesen späten Trinkern ist der Frauenanteil beträchtlich.
Oft klagen die Betroffenen über unspezifische Symptome, z. B. Schlaf- und Gedächtnisstörungen, Ängsten, Depressionen und Stimmungsschwankungen. Nachlassende Hygiene, Inkontinenz, Kopfschmerzen und Altersepilepsie sollten ebenfalls an übermäßigen Alkoholkonsum denken lassen. Bei alkoholbezogenen Störungen im Alter haben sich zwei psychotherapeutische Verfahren bewährt: Kurzinterventionen und die kognitive Verhaltenstherapie.
Kurzinterventionen umfassen maximal drei Sitzungen mit jeweils bis zu 60 Minuten Dauer. Sie sollen die Motivation zur Änderung des Konsums stärken.
Die Verhaltenstherapie versteht Alkoholmissbrauch als „maladaptive Bewältigungsstrategie sozialer Inkompetenz“ und zielt auf das Verlernen des konditionierten Suchtverhaltens, das Erlernen sozialer Kompetenz sowie auf die Vermeidung schädlicher, zum Rückfall führender Denkinhalte.



