Gesundheitspolitik

Gesundheitspauschale besser als Gesetzliche Krankenversicherung

WIESBADEN – Rund 240 Milliarden Euro jährlich kostet das bundesdeutsche Gesundheitssystem. Sollen die bisherigen Leistungen beibehalten und werden, dann empfiehlt sich ein Systemwechsel hin zu einer Gesundheitspauschale. Das jedenfalls rät Volkswirt Eberhard Wille von der Universität Mannheim.

Der Arbeitnehmer erkennt jeden Monat auf der Lohn- und Gehaltsabrechnung, dass Gesundheit ein teures Gut ist – und was den Einzelnen ein paar hundert Euro pro Monat kostet, schlägt bundesweit über das Jahr gerechnet mit rund 240 Milliarden Euro zu Buche. In einer Gesellschaft mit zunehmend mehr älteren Menschen werden diese Kosten noch ansteigen. Deshalb empfahl Wille auf dem 114. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, statt der konjunkturabhängigen Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die nur auf ein geringes Wachstum setzen kann, auf eine Gesundheitspauschale zu wechseln, die unabhängig von Lohn und Gehalt finanziert wird.

Als Faktoren für steigende Kosten im Gesundheitswesen macht er den medizinischen Fortschritt und den zunehmenden Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung aus. Der größere Anteil der über 85-jährigen werde für die Pflegeversicherung von großer Bedeutung sein, so der Volkswirt. Denn die Ausgaben in der Pflegeversicherung steigen erst ab dem Alter von 75 Jahren steil an.

Die Gesetzliche Krankenversicherung ist nach Ansicht von Wille kein geeignetes Instrumentarium, um die mutmaßlich ansteigenden Kosten des Gesundheitssystems zu tragen. „Diese Bemessungsgrundlage ist konjunkturanfällig, sich ist wachstumsschwach, sie ist beschäftigungsfeindlich, sie ist intransparent und sie beinhaltet letztlich auch verteilungspolitische Verwerfungen“, so der Volkswirt. Statt dessen plädiert er für eine Gesundheitspauschale, um die kommenden Belastungen aufzufangen.

Doch das Gesundheitssystem ist nicht nur eine finanzielle Belastung – neben gesteigerter Lebensqualität schafft sie in Deutschland auch zahlreiche Arbeitsplätze. Derzeit sind rund 4,3 Millionen Menschen im Gesundheitswesen beschäftigt. Insgesamt stellt sich der Gesundheitsbereich als zweischneidige Angelegenheit dar: „Einerseits belasten die Gesundheitskosten die Wirtschaft, andererseits schaffen sie mehr Lebenserwartung, mehr Lebensqualität und auch Arbeitsplätze – und zwischen diesen Ufern bzw. Hindernissen muss die Gesundheitspolitik dann durchsteuern“, so Wille.

MT-Online D, mic, Foto: BilderBox

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Kommentare zum Artikel

#1Können wir uns unser Gesundheitssystem noch leisten?

Medical Tribune / 08.04.08 10:18
Rund 240 Milliarden Euro jährlich kostet das bundesdeutsche Gesundheitssystem. Sollen die bisherigen Leistungen beibehalten und werden, dann empfiehlt sich ein Systemwechsel hin zu einer Gesundheitspauschale. Das jedenfalls rät Volkswirt Eberhard Wille von der Universität Mannheim.