Zunahme der Alkoholvergiftungen erschreckt Kassen und Politiker
Teurer Suff
Medical Tribune Bericht
Unter den TK-Versicherten wurden 2007 insgesamt 1822 Jugendliche unter 20 Jahren volltrunken in deutsche Kliniken eingeliefert – doppelt so viele wie im Jahr 2003. Die Kosten für die akuten Entgiftungsbehandlungen verdoppelten sich ebenfalls – von 552.000 auf 980.000 Euro. Im Jahr 2005 wurden nach Angaben der Bundesregierung bundesweit 19.400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis 20 Jahren wegen akuter Alkoholintoxikation stationär behandelt.
Die TK in Bayern zahlte 2007 für die akute Entgiftung eines Jugendlichen 493 Euro pro durchschnittlichen Klinikaufenthalt von 1,14 Tagen. Im laufenden Jahr bemerkt die Kasse einen Anstieg der Klinikaufnahmen um 15 Prozent, so TK-Chef Helmut Heckenstaller. „Und die ganzen Feste liegen noch vor uns.“
„Der Umgang insbesondere Jugendlicher mit Alkohol nimmt beängstigende Züge an und kostet zudem Krankenkassen und Beitragszahler Millionen“, warnt Böhmer in einer Pressemitteilung. „Diese Explosion der Kosten ist ein Grund mehr, endlich alles zu tun, um dem Trend zum Komatrinken Einhalt zu gebieten.“
Die Parlamentarierin plädiert für ein schärferes Jugendschutzgesetz, etwa durch Einführung eines generellen Alkoholverbots für Minderjährige. Auch die Idee, jugendliche Testkäufer aufdecken zu lassen, ob die gesetzlichen Schutzbestimmungen auf Festen, im Handel und in der Gastronomie eingehalten werden, findet sie interessant.
Knapp 40 Prozent der 11- bis 17-jährigen Jungen und über 20 Prozent der Mädchen in diesem Alter konsumieren mindestens einmal in der Woche Alkohol, bei den 17-jährigen Jungen sind es 67 Prozent (Mädchen: 40 Prozent). Das sind Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts.
Das Bundesgesundheitsministerium berichtet im Strategiepapier der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit: „Während die 12- bis 17-Jährigen 2005 noch 34 Gramm reinen Alkohol pro Woche zu sich nahmen, waren es 2007 schon 50 Gramm.“ Vom „binge drinking“, also dem Schlucken von fünf oder mehr alkoholhaltigen Getränken hintereinander, erzählte 2005 jeder Fünfte der Jugendlichen, im vergangenen Jahr war es schon jeder Vierte.



