Immer die Ohren putzen

Schmalzpfropf für Taucher tödlich

Medical Tribune Bericht

REGENSBURG – Albtraum-Szenario unter Wasser: Ein Taucher verliert plötzlich die Orientierung, weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Wie kann es zu dieser lebensgefährlichen Situation kommen?

Tief unter Wasser muss sich der Mensch ganz entscheidend auf seinen Gleichgewichtssinn im Innenohr verlassen, denn andere Sinnesorgane, mit deren Hilfe man das Gleichgewicht hält, sind dort erheblich eingeschränkt. Die Sichtverhältnisse lassen oft zu wünschen übrig. Akustische Signale helfen auch nicht, da die hohe Schallgeschwindigkeit im Wasser ein Richtungshören kaum zulässt, wie J. Struntz von der HNO-Klinik der Universität Regensburg in der Fachzeitschrift HNO (2008; 56: 499 – 508) darlegt.

Die wichtigste Orientierungsinformation erhält der Taucher über seinen Gleichgewichtssinn im Innenohr. Der entsprechende Reiz ist nicht sehr stark, da der Taucher sich im Wasser austariert (schwereloser Zustand mithilfe der Bleigewichte). Lässt ihn sein Innenohrorgan dann aber auch noch im Stich, gerät er in eine gefährlich hilflose Lage. Schon ein einseitiger Reiz genügt, um das Gleichgewicht aus dem Ruder zu bringen. Fließt beispielsweise nur auf einer Seite kaltes Wasser ins Ohr, weil der andere Gehörgang verstopft ist, kommt der Taucher eventuell ins Trudeln. Vermeiden lassen sich solche Risiken, wenn man erst nach Beseitigung solcher Verstopfungen taucht.

Gefährlich wird es auch bei einseitiger Trommelfellruptur, etwa durch plötzliche Druckwellen (Flossenschlag eines Mittauchers): Kaltes Wasser gelangt direkt ins Mittelohr und übt dort einen starken Reiz aus. Bei ansonsten gesunden Menschen folgt hierauf eine Drehschwindelattacke, die sich nach etwa einer Minute – wenn das Wasser in der Paukenhöhle wärmer geworden ist – wieder legt.

Etwa bei 20 bis 30 Prozent aller Taucher, stellen sich während des Aufstiegs sekundenlange Schwindelattacken ein. Hier hilft es, erneut tiefer zu tauchen und langsam wieder „aufzusteigen“ – auf diese Weise sind die Symptome nach Angaben des Experten gut kontrollierbar. Ebenso trägt hier das wiederholte Nase zu und schlucken zum „Entschwindeln“ bei.

MTD, Ausgabe 27 / 2008 S.8, CG, Foto: BilderBox

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#1Schmalzpfropf für Taucher tödlich

Medical Tribune / 04.07.08 09:24
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