Kampagne auf englische Art
Videospot verekelt Koma-Saufen
Medical Tribune Bericht
Neiiiin! Das darf doch nicht wahr sein – der nette Typ richtet sich ja aufs Übelste zu. Was man sich auf YouTube unter „Home Office: Binge Boy“ aufrufen kann, ist nichts für schwache Nerven. Während der Jugendliche sich zum Ausgehen fertig macht, reißt er Löcher in seine Kleider, pinkelt sich auf die Schuhe, bekleckert sein Hemd mit etwas Ketchupartigem und reißt sich brutal seinen Ring aus dem Ohr. Schließlich donnert er seinen Kopf mit voller Wucht gegen einen Schrank und verlässt dann lächelnd und aus der Nase blutend die Wohnung.
Es folgen zwei trockene Sätze im schwärzesten britischen Humor: „Du würdest einen Abend nicht auf diese Weise beginnen. Warum ihn so beenden?“ Die gleichen Worte folgen dem Binge-Girl-Spot, in dem sich eine hübsche junge Dame ähnlich demoliert, ins Waschbecken kotzt, sich das Gesicht mit Schminke verschmiert und einen Absatz vom Schuh reißt, bevor sie geht.
Was Kritiker als Verletzung des guten Geschmacks auffassen, halten andere für die einzige Möglichkeit, die Zielgruppe zu erreichen. Die vier Millionen Pfund teure Spot- Kampagne, die über verschiedene TV-Programme, Musik- und Sportkanäle flimmert, soll durch die drastischen Bilder junge Alkohol-Experimentierer aufrütteln: So eklig willst du doch nicht sein. Laut Bericht der Süddeutschen Zeitung ist sogar die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing von den Schockspots angetan: „Die Jugendlichen finden sich in der Erfahrung wieder.“ Angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr knapp 20 000 10- bis 20-Jährige wegen Alkohol ins Krankenhaus kommen, könne sie sich eine ähnliche Kampagne in Deutschland auch vorstellen.



