Ratgeber >>> Anästhesie
Viele Menschen müssen sich irgendwann im Lauf des Lebens einer Operation unterziehen, z. B. weil der Blinddarm oder die Gallenblase entfernt werden oder weil ein Sportunfall zu einem Knochenbruch geführt hat. Ein solcher Eingriff würde ohne Betäubung zu intensiven, kaum erträglichen Schmerzen führen, deshalb ist eine Anästhesie bzw. Narkose notwendig. Beide Begriffe stammen aus dem Griechischen: Anästhesie bedeutet „Empfindungslosigkeit, Betäubung“ und Narkose bedeutet „in den Schlaf versetzen“ oder auch „Lähmung“.
Wozu Schmerzen?
Schmerzen erfüllen eine wichtige Warnfunktion. Wenn wir einen heißen oder spitzen Gegenstand berühren, signalisieren Schmerzen: „Zieh deine Hand weg, sonst verbrennst oder verletzt du dich noch mehr.“ Schmerzen schützen uns also vor schädigenden Einwirkungen oder sie machen uns darauf aufmerksam, dass etwas im Körper „nicht stimmt“ und dass wir z. B. wegen einer schmerzhaften Mittelohrentzündung oder eines drückenden Magengeschwürs ärztliche Hilfe aufsuchen sollen. So gesehen, können Schmerzen also durchaus sinnvoll sein.
Anders ist die Situation, wenn wir uns einer Operation oder einer schmerzhaften Untersuchung unterziehen müssen. Hier sollen die Schmerzen von vornherein ausgeschaltet werden, damit wir uns rasch erholen und keine unangenehmen Erinnerungen mit dem Eingriff verknüpfen.
Warum nehmen wir Schmerzen wahr?
Schmerzen entstehen durch Verletzungen oder Entzündungen. Kleine „Schmerzfühler“, bestimmte Nervenenden, die überall im Körper zu finden sind, werden durch Prellungen, Quetschungen, Schnitte oder hohe Temperaturen gereizt und geben diese Information in Form von elektrischen Impulsen an Nervenfasern weiter. Auf diese Weise erreichen die Impulse innerhalb kürzester Zeit das Rückenmark, das einerseits Schmerzsignale aus dem Körper an das Gehirn weiterleitet, andererseits durch bestimmte körpereigene Substanzen (Endorphine) Schmerzinformationen reguliert.
Sobald das Schmerzsignal im Gehirn angekommen ist, nehmen wir die schmerzhaften Körperareale wahr und reagieren blitzschnell, indem wir z. B. die Hand von einer heißen Teekanne zurückziehen.
Steht eine Operation bevor, können Schmerzen mit modernen Verfahren vor, während und nach dem Eingriff in der Regel erfolgreich ausgeschaltet werden.
Verschiedene Formen der Anästhesie
Eine örtliche Betäubung (Lokalanästhesie) ist z. B. bei einer schmerzhaften Zahnbehandlung notwendig oder wenn ein Muttermal auf der Haut entfernt werden soll. In diesem Fall spritzt der behandelnde Arzt oder Zahnarzt ein lokales Betäubungsmittel in die Haut oder Schleimhaut.
Eine Regionalanästhesie erstreckt sich auf Teilgebiete (Regionen) des Körpers, z. B. auf einen Arm oder die Beine. Diese Teilgebiete werden mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Der Patient bleibt bei Bewusstsein, verspürt aber keinen Schmerz. Bei bestimmten Eingriffen kann eine Regionalanästhesie angewendet werden. So kann beispielsweise bei einer Operation an der Hand ein Nervengeflecht in der Schulterregion, welches Hand und Arm versorgt, mit einem Lokalanästhetikum betäubt werden (eine sog. Plexusanästhesie). Der betäubte Bereich wird warm und gefühllos und der Arm lässt sich mehrere Stunden nicht oder nur eingeschränkt bewegen. Durch eine rückenmarksnahe Regionalanästhesie (eine sog. Spinal- oder Periduralanästhesie) ist es möglich, Schmerzen in den Regionen Oberkörper, Bauch, Bauchdecke, Becken, Unterleib und in den Beinen auszuschalten.
Im Rahmen einer Regionalanästhesie können für länger dauernde Eingriffe und/oder
eine anschließende Schmerzbehandlung über einen dünnen Schlauch (Katheter) wiederholt bzw. fortlaufend schmerzlindernde Medikamente gegeben werden.
Falls Sie im Operationssaal lieber schlafen möchten, ist dies zusätzlich zu einer Regionalanästhesie mit einer sogenannten Sedierung möglich. Dafür kann Ihnen der Anästhesist zu jedem Zeitpunkt ein Schlafmittel geben.
Sollte die Wirkung der Regionalanästhesie nicht ausreichen, um schmerzfrei operieren zu können, oder sollten andere Komplikationen auftreten, kann ein Übergang zur Allgemeinanästhesie erforderlich werden oder eine solche von vornherein notwendig sein.
Bei vielen größeren Operationen wird eine Allgemeinanästhesie (Vollnarkose) durchgeführt. Dabei sind Bewusstsein und Schmerzempfinden im ganzen Körper ausgeschaltet und der Patient „schläft“ während des gesamten Eingriffs.
Während jeder Arzt eine Lokalanästhesie vornehmen kann, sind für die Regional- und Allgemeinanästhesie in der Regel Narkoseärzte (Anästhesisten) und ihr Team zuständig. Im Folgenden wird beschrieben, wie eine Vollnarkose abläuft und was es davor und danach zu beachten gibt.




